Universal zieht im nächsten Jahr in die Hauptstadt

Gerüchte über einen möglichen Abschied von Universal Music aus Hamburg gab es schon länger, seit dem 20. April ist es offiziell – Universal verlegt zum 1. Juli 2002 seinen Firmensitz nach Hamburg. Tim Renner, President & CEO, kommentierte: „Als kreative Firma müssen wir da sein, wo die Musik spielt.‘

Renner hat für die Bundeshauptstadt viel Lob übrig: „In Berlin herrscht eine ungeheuer vitale Aufbruchstimmung, die Stadt ist Deutschlands musikalisches Epizentrum.“ , Executive Vice President & COO, President Austria & Switzerland, ergänzte, dass die Entscheidung nicht „gegen Hamburg, sondern für Berlin“ gefallen sei: „Wir haben uns in Hamburg ausgesprochen wohl gefühlt“.

Dennoch wird Renner in der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Satz zitiert, dass Hamburg eine „Kaufmannsstadt und nicht unbedingt eine Medienstadt“ sei. Mit eine Rolle gespielt haben mag bei der Entscheidung auch der Umstand, dass Berlin den Wechsel „aktiv unterstützt“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Laut „Financial Times Deutschland“ ist das ein anderer Ausdruck für millionenschwere Subventionen. Die direkten und indirekten Beihilfen sollen sich laut der Tageszeitung auf 35 bis 40 Millionen Mark belaufen, ein Teil stammt aus einem von der Europäischen Union mitfinanzierten Programm für strukturschwache Regionen in Ostdeutschland. Die Höhe der Subventionen wird allerdings von Universal dementiert: „Die Zahlen in der Presse sind völlig übertrieben. Investitionshilfen sind völlig normal und sicherlich kein Grund für einen Standortwechsel für ein Unternehmen in dieser Größenordnung. Die Entscheidung hat strategische Gründe“, relativiert , Vice President New Business & Corporate Communications. Die Mietverträge für die Büros rund um den Hamburger Glockengießerwall liefen im kommenden Jahr ohnehin aus. Eine Adresse für den neuen Firmensitz steht noch nicht fest, laut Zitzewitz stünden im Moment drei Objekte in Berlin-Mitte in der engeren Auswahl.

Weitaus wichtiger als die Frage nach den Subventionen dürfte für die rund 500 Universal-Mitarbeiter sein, ob ihre Firma sie in Berlin noch braucht und ob sie „vom aufregend kreativen Klima“ (Renner) profitieren werden. Während von offizieller Seite keine Stellungnahme einzuholen war, wollen Brancheninsider erfahren haben, dass in Berlin nur noch 400 bis 420 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste stehen werden. Das würde einer Personalreduzierung von bis zu einem Fünftel entsprechen. Magnus von Zitzewitz dementiert auch dieses Gerücht: „Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten, eine Reduktion ist nicht geplant.“ Laut dem Universal-Manager arbeiten für Universal 70 Außendienst-Mitarbeiter, die vom Umzug nicht betroffen sind. Insofern würde sich die Zahl der tatsächlich verlegten Arbeitsplätze auf rund 430 belaufen. Universal Music sei bemüht, allen Mitarbeitern den Standortwechsel so angenehm wie möglich zu machen, betonte von Zitzewitz. So übernehme die Firma sämtliche Kosten für private Umzüge und Maklerprovisionen bei der Wohnungssuche. Darüber hinaus will Universal auch den Partnern der Mitarbeiter bei der Jobsuche in Berlin helfen. Zudem gibt es ein Beraterteam, das den Kollegen in allen Fragen zur Seite steht. Die Belegschaft kann bereits lange vor dem eigentlichen Umzug ein „Guesthouse“ der Firma in Berlin nutzen,wenn sie bei Privatreisen in die Hauptstadt den neuen Wohnort erkunden wollen.