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Warner Music startet durchwachsen ins neue Fiskaljahr

Als frisch angetretener CEO der Warner Music Group legte Robert Kyncl am 9. Februar erstmals eine Zwischenbilanz vor. Und obwohl der Musikkonzern im immer noch wichtigen Weihnachtsquartal erneut schwarze Zahlen schreiben konnte, fiel doch ein Schatten auf die Präsentation.

“Musik ist wertvoll, machtvoll und allgegenwärtig – das gehört mit zu den vielfältigen Gründen, warum ich mich entschieden habe, zur Warner Music Group zu kommen und die nächste Phase ihrer Entwicklung zu leiten“, so lautete der erste Satz von Robert Kyncl, der nach einer kurzen Übergangsphase an der Seite von Stephen „Steve“ Cooper erst seit Anfang Februar als alleiniger CEO das Ruder des Konzerns übernommen hat. Doch auch, wenn er den jüngsten Stand der Entwicklung somit kaum zu verantworten hat, wirkte es doch so, als ginge Kyncl in seinem zweiten Satz gleich in die Defensive: Da war die Rede von „einem herausfordernden Geschäftsumfeld“, in dem man sich bewege, von Kosten, die man im Griff habe, und von einem starken VÖ-Plan, allerdings erst im zweiten Kalenderhalbjahr 2023.

Ein Blick auf die Zahlen verrät aber wohl, wieso Kyncl diesen Schwerpunkt so setzte: Schließlich fuhr die Warner Music Group im Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende Dezember 2022, zugleich das erste Fiskalquartal im neuen Geschäftsjahr des Konzerns, in einem weiter wachsenden Markt ein Umsatzminus ein. Über alle Geschäftsfelder hinweg berichtete Kyncl von Einnahmen in Höhe von 1,488 Milliarden Dollar. Im Vergleich zu den im Dreimonatszeitraum des Vorjahres erzielten 1,614 Milliarden Dollar bedeutet das einen Abschlag in Höhe von 7,8 Prozent, oder; bereinigt um Wechselkursschwankungen lag das Minus bei 2,7 Prozent.

Selbst im Digitalgeschäft ging es im ersten Quartal bei Warner Music nicht voran: 952 Millionen Dollar weist die Bilanz hier konzernweit an Umsätzen aus, rund fünf Prozent weniger als die gut eine Milliarde Dollar, die der Konzern noch im Vergleichszeitraum eingenommen hatte; währungsbereinigt lag das Minus allerdings bei weniger als einem Prozent. Zur Begründung verwies Kyncl auf einen zuletzt nicht ganz so starken VÖ-Plan, die Auswirkungen einer zusätzlichen Kalenderwoche im Vergleichszeitraum, Währungseffekte und ein allgemeines Abflauen von Werbeerlösen.

Aber allzu dunkel sollte man die Entwicklung nicht zeichnen, denn schließlich hatte der frühere CEO Steve Cooper vor Jahresfrist Rekordzahlen melden können, und dazu unter anderem auf das um eine Woche längere Weihnachtsquartal und den Sondereffekt eines neuen Vertragsabschlusses im Digitalbereich verwiesen.

Außerdem gelang es Warner Music trotz geringer Umsätze, operativ mit Erträgen in Höhe von 265 Millionen Dollar ein besseres Ergebnis zu erzielen als vor Jahresfrist mit den damals erzielten operativen Erträgen in Höhe von 239 Millionen Dollar. Auch das operative OIBDA-Ergebnis wuchs um gut neun Prozent, während das angepasste operative Vorsteuerergebnis unter dem Vergleichswert des Vorjahres blieb.

Und auch unterm Strich schrieb Warner Music wieder schwarze Zahlen, und wies fürs Weihnachtsquartal ein Nettoergebnis in Höhe von 124 Millionen Dollar aus. Das ist zwar rund ein Drittel weniger als die im Vorjahreszeitraum 2021 erzielten Nettogewinne von 188 Millionen Dollar, allerdings auch rund ein Viertel mehr als die in den drei Monaten Ende 2020 erzielten 99 Millionen Dollar.

Künftige Chancen zeichnete der neue CEO zudem in einem rosigeren Licht: „Die Fundamente dieses Unternehmens sind stark und unser adressierbarer Markt wächst kontinuierlich“, sagt Kyncl. Bei Warner Music freue man sich deshalb, „durch Investitionen in neue Künstler und Songwriter, in unseren Katalog und die globale Expansion neue Monetarisierungsmöglichkeiten voranzutreiben“.