Recorded & Publishing

Spotify steigert Auszahlungen ans Musikbiz um zehn Prozent

Angesichts der anhaltenden Diskussionen um eine faire Verteilung der Einnahmen aus dem Musikstreaming führt Spotify die Imagekampagne unter dem Motto „Loud & Clear“ fort. Für 2025 meldet das Unternehmen Rekordzahlen bei den Auszahlungen an Labels und Verlage, verweist auf stabile Umsatzanteile für Indies und ergänzt das um Zahlen, zum Beispiel zum Ticketverkauf oder zum Platz 100.000.

Bei Spotify sieht man sich selbst als den „11-Milliarden-Dollar-Wachstumsmotor“. Das zeigt die Präsentation der aktuellen „Loud & Clear“-Kampagne. Diese Summe habe das Unternehmen im Jahr 2025 zusammengerechnet an seine Partnerinnen aus der Musikwirtschaft ausgeschüttet, heißt es dort in einer von zahlreichen Grafiken. Das sind noch einmal eine Milliarde Dollar oder rund zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die gesamten bisherigen Auszahlungen seien damit seit der Gründung von Spotify auf nunmehr fast 70 Milliarden Dollar gestiegen.

Spotify begleitete die Vorstellung der jüngsten „Loud & Clear“-Details mit einer Gesprächsrunde mit Medienpartner:innen, bei der Sam Duboff als Global Head of Spotify for Artists, Marketing & Policy sowie Chris Macowski als Global Head of Music Communications für das Unternehmen in den Ring stiegen. Beide nutzten die Gelegenheit, einzelne Highlights in den Fokus zu rücken und ein freundliches Bild der Entwicklung der vergangenen Jahre zu zeichnen.

Denn, so machte Sam Duboff klar, 2026 sei als 20. Jubiläumsjahr ein ganz besonderes Jahr für Spotify. Denn zu Zeiten der Gründung des Streamingdienstes habe sich die Musikindustrie angesichts grassierender Piraterie und kollabierender CD-Verkäufen in einer Krise befunden und um ihr Überleben gerungen. Spotify sei damals nicht angetreten, ein funktionierendes Geschäft zu zerschlagen, sondern die Scherben neu zusammenzufügen. Und heute sei die Musikbranche globaler und diverser aufgestellt als je zuvor und könne auch weitaus mehr Künstler:innen unterstützen als einst in den CD-Regalen zu finden waren, unterstrich der Manager.

Als Headline-Zahl stellt das Spotify-Team zunächst die elf Milliarden Dollar heraus, die im vergangenen Jahr ausgezahlt wurden. Das sei die höchste Summe, die die Musikwirtschaft in ihrer bisherigen Geschichte über einen einzelnen Anbieter eingespielt habe, unterstrich Sam Duboff. Noch eindrucksvoller aber sei die Wachstumsrate von rund zehn Prozent, die über den branchenweiten Zuwächsen liege.

Rund die Hälfte der Gelder, so verkündet man bei Spotify, sei zudem an Partnerinnen aus dem Indie-Sektor geflossen. Das sei vor 20 Jahren noch beinahe unvorstellbar gewesen, betonte Sam Duboff. Vielmehr hätten einst wenige Musikmärkte und bloß ein paar wenige Sprachen das weltweite Geschäft mit Musik dominiert, Künstler:innen aus anderen Regionen hätten aufgrund ihrer geografischen Herkunft oft begrenzte Chancen gehabt. Heute sei die Situation anders. Wo es gerade noch ums Überleben ging, zeige sich längst eine internationale Wachstumsgeschichte. So hätten 2025 mehr als 13.800 Künstler:innen allein über Spotify Einnahmen von mindestens 100.000 Dollar an Tantiemen generieren können. Vor gerade einmal fünf Jahren seien es nur halb so viele gewesen.

Hier brachte Sam Duboff den Platz 100.000 im Ranking der erfolgreichsten Acts auf der Plattform ins Spiel, ohne indes dessen Namen preiszugeben: Im Jahr 2025 habe dieser Artist gut 7300 Dollar über Spotify eingenommen – 2015, also zehn Jahre zuvor, habe dieser Platz noch Auszahlungen von rund 350 Dollar generiert. Das sei ein Wachstum um mehr als das 20-Fache.

Daneben ging es ums Thema Musik-Entdeckungen und welche Rolle zum Beispiel eine Platzierung in redaktionellen Playlists wie Fresh Finds für den weiteren Karriereweg von Künstler:innen spielen kann. So habe mehr als ein Zehntel der Acts, die heute gemessen an jährlichen Tantiemenerlösen in der 100.000-Dollar-Liga spielen, zu Beginn der jeweiligen Karriere einen Platz in der Liste gefunden, die vergangenes Jahr ihren zehnten Geburtstag feierte.

Das Spotify-Team warf außerdem Schlaglichter auf die DIY-Szene der sich selbst vermarktenden Acts, was oft ein erster Schritt in Richtung langfristiger Erfolge sei, oder auf die Chancen von Künstler:innen, auch außerhalb ihrer Heimatregion Hörer:innen zu gewinnen: 2025 hätten Acts aus 75 verschiedenen Ländern auf Spotify Erlöse von mehr als 500.000 Dollar generiert, erläuterte Sam Duboff. Das sei eine tolle Entwicklung, wenn man bedenke, dass der Musikexport vor 20 Jahren noch eine enorme internationale Infrastruktur benötigt habe: „Heute können Fans global entscheiden. Eine brasilianische Funk-Band kann Fans in Deutschland gewinnen, ein K-Pop-Akt kann in Brasilien wachsen und eine regionale Gruppe aus Mexiko kann in den USA und Spanien.“ Zudem hätten Songs in 16 unterschiedlichen Sprachen Plätze in den Global Top 50 von Spotify erreichen können. Das sei eine Verdoppelung im Vergleich mit dem Jahr 2020.

Ohne die Diskussion um die Verteilung von Streamingerlösen direkt anzusprechen, erläuterte das Spotify-Team zudem, dass es – anders als man es häufig lesen würde keine festen Auszahlung pro Streaminabruf gebe – weder auf Spotify noch bei anderen Streaminganbietern. Vielmehr würden alle Einnahmen aus dem Abogeschäft und aus dem werbefinanzierten Free-Angebot in einen gemeinsamen Tantiemen-Pool fließen. Wenn nun ein Act ein Prozent aller Streamingabrufe in einem Monat auf sich vereinen könne, fließe eben ein Prozent der Ausschüttungen an die entsprechenden Rechteinhaber. Und weil Spotify nun einmal den größten Tantiemen-Pool schaffe, würden Acts hier mehr Geld erhalten als auf anderen Plattformen.

Als weitere Highlights strich das Spotify-Team die Entwicklung bei Songwritern und Autor:innen heraus sowie bei den über die Plattform angeschobenen Konzertkartenverkäufen: Über die beiden vergangenen Jahre habe das Unternehmen zusammengerechnet rund fünf Milliarden Dollar an Rechteinhaber aus dem Musikverlagsbereich ausgezahlt, wobei 2025 einen neuen Rekordwert gebracht habe. Die Tantiemenzahlungen in diesem Bereich seien binnen fünf Jahren um das Zweieinhalbfache gewachsen. Das sei schon deshalb bedeutend, weil zu einem gesunden Ökosystem im Musikbereich eben nicht bloß aufführende Künstler:innen und die Recorded-Branche gehörten, sondern selbstverständlich auch Songwriter, Musikverlage und Verwertungsgesellschaften.

Hier erinnerte Duboff noch einmal an den Wert von 70 Prozent der Gesamteinnahmen, die Spotify an die Partnerinnen der Branche weiterreiche. Aus den verbleibenden Einnahmen finanziere man dann unter anderem die Entwicklung neuer Tools, die auch als Umsatzquellen für Künstler:innen taugten. So habe Spotify in der ersten Jahreshälfte 2025 über Verknüpfungen zum Ticketing Konzertkartenverkäufe in einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar ermöglicht, betonte Sam Duboff. Die Zahl der Künstler:innen, die solche Tools auf der Plattform nutzen würden, um Tourneen und Konzerte zu bewerben, sei zuletzt um fast 25 Prozent gewachsen.

„Streaming geht über bloße Tantiemen hinaus“, bilanzierte der Spotify-Manager, es schiebe vielmehr auch die Fanbindung an. Vor 20 Jahren habe die Branche ums Überleben gerungen, heute würden mehr und mehr Künstler:innen nennenswerte Einkünfte generieren können.