Spotify hat Großes vor: Der Streaminganbieter plant, bis 2030 eine Milliarde Nutzer:innen verzeichnen zu können – ein Ziel, das sich die Plattform jedoch bereits beim letzten Investor Day im Jahr 2022 gesteckt hatte. Zudem will der Dienst seinen Abonnent:innen mehr Kontrolle über Musikkonsum und Algorithmen geben – bestärkt durch einen Paukenschlagdeal mit Universal Music – und erklärt obendrein dem Ticketzweitmarkt im Verbund mit Live Nation den Kampf.
Dabei stets im Vordergrund: Zeit, die auf Spotify verbracht wird, soll sich gut anfühlen – im Vergleich zu anderen Diensten, wie die Co-CEOs Alex Norström und Gustav Söderström beim diesjährigen Investor Day in New York betonten.
In ihrem sattelfesten Auftritt verkündeten die beiden Schweden ihre Pläne vor geladenen Investor:innen und einer globalen Audienz im Livestream. Einen eher ungewöhnlichen Auftakt leistete sich der Konzern dabei mit einer Safe-Harbor-Einleitung durch Snoop Dogg, der die übliche Risikobelehrung zu Zukunftsprognosen auf seine eigene Art zusammenfasste: „Today is today. That’s how we rock.“ Dass solche Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind, zeigt auch die Geschichte des Unternehmens selbst: Das Ziel von einer Milliarde Nutzer:innen war ursprünglich bereits für 2026 angekündigt worden – und wurde damit verfehlt.

Im Mittelpunkt der strategischen Ausrichtung stand ein Begriff, der sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Redebeiträge zog: „Time well spent.“ Spotify will sich künftig vor allem über die Qualität der Zeit profilieren, die Nutzer:innen mit dem Dienst verbringen – und grenzt sich damit bewusst von Plattformen aus dem Silicon Valley ab, die auf maximale Verweildauer setzten, unabhängig davon, wie sich diese anfühle.
Laut eigenen Umfragedaten geben Nutzer:innen an, sich in fast 90 Prozent der Zeit, die sie auf Spotify verbringen, gut zu fühlen. Auf anderen Diensten bereuten Nutzer:innen – besonders jüngere – bis zu 40 Prozent ihrer dort verbrachten Zeit, in manchen Fällen sogar annähernd 70 Prozent. Spotify messe daher bewusst nicht nur die aufgewendete Zeit, sondern auch, wie viel davon als wertvoll oder „regrettable“ eingestuft werde.
Den technologischen Kern dieser Ambitionen bildet das, was Söderström als Large Taste Model, kurz LTM, bezeichnete. Es handelt sich dabei um ein internes KI-Modell, das Spotify nach eigener Darstellung klar von allgemeinen Sprachmodellen, also LLM, absetzt. „Wir glauben nicht, dass unser Vorteil darin liegt, ein eigenes großes Sprachmodell zu entwickeln“, erklärte der Co-CEO.
Stattdessen setze Spotify auf den Einkauf allgemeiner KI-Fähigkeiten am Markt und wende diese auf etwas an, das proprietär, dynamisch und zutiefst persönlich sei: den individuellen Geschmack der Nutzer:innen. Täglich generiere die Plattform 3,4 Billionen sogenannte Taste Signals – Datenpunkte, die Hörverhalten, Saves, Playlistnutzung und weitere Interaktionen umfassen. Gegenüber dem Jahr 2024 sei diese Zahl um 43 Prozent gestiegen. Taste, Trust und Culture – so würden die Alleinstellungsmerkmale Spotifys im KI-Zeitalter lauten.

Konkret stellte Söderström mit Taste Profile eine neue Funktion vor, mit der Nutzer:innen Spotify in natürlicher Sprache mitteilen können, wer sie sind – und wer sie sein möchten. Die Plattform solle dadurch zum persönlichen Mediendienst werden, der auf individuelle Kontexte und Intentionen reagiere, anstatt nur passiv Inhalte auszuspielen.
Im Livesegment präsentierte Spotify das neue Feature „Reserved“, das für die treuesten Premium-Abonnent:innen eines Acts, zunächst in den USA, jeweils zwei Tickets reserviert, bevor diese in den allgemeinen Verkauf gehen. Als Maßnahme gegen den unautorisierten Zweitticketmarkt holt sich Spotify Live Nation als mehrjährigen Partner an die Seite.
Auf der Zahlenseite untermauerte Spotify seine Wachstumsambitionen: 761 Millionen Menschen nutzen den Dienst aktiv, knapp 300 Millionen davon zahlen für ein Abo – doppelt so viele wie beim nächsten Wettbewerber. Seit dem letzten Investor Day 2022 wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 18 Prozent pro Jahr, die Bruttomarge stieg auf 32 Prozent; 2022 waren es 25 Prozent. Der Free Cashflow kletterte von nahezu null im Jahr 2022 auf knapp drei Milliarden Euro.
Bis 2030 peilt Spotify eine Bruttomarge von 35 bis 40 Prozent sowie eine operative Marge von über 20 Prozent an. An der Börse verhalfen diese Zahlen der Spotify-Aktie parallel zu einem Plus von 13 Prozent: So konnte sich der Aktienkurs an der NYSE von 9:30 bis 15 Uhr New Yorker Ortszeit auf 489,93 Dollar verbessern.








