Die weltweit weiterhin harte Haltung der Musikindustrie gegen die Nutzer und Betreiber von Filesharingangeboten hat die Menge des kostenlos verfügbaren Materials im Internet nur minimal verringert. Führende Marktforschungsunternehmen registrieren stattdessen eine zunehmende Flexibilität der Downloader. Laut BigChampagne sind derzeit mehr als 870 Mio. nicht autorisierte Musikfiles im Netz erhältlich. 87 Prozent davon – 760 Mio. Files – werden in den diversen P2P-Systemen angeboten, die restlichen 110 Mio. Dateien finden sich auf Websites oder FTP-Servern.
Doch die Klagen der verschiedenen Branchenverbände gegen Uploader haben zumindest eines bewirkt: Die Tauschtätigkeit und das User-Aufkommen im über lange Zeit populärsten P2P-Netz ist zuletzt erneut massiv eingebrochen. Das System FastTrack, auf dem P2P-Applikationen wie KaZaA, Grokster oder iMesh aufsetzen, hatte im März nur noch 2,3 Mio. Nutzer. Im April 2003 waren es noch 4,4 Mio. Laut comScore Media Metrix hat sich die Zahl der Visits auf den fünf beliebtesten Netzen innerhalb eines Jahres um fast 37 Prozent verringert. Im vergangenen Februar betrug die Besucherzahl nur noch knapp 19,5 Mio. – im Februar 2004 waren es noch 30,86 Mio. Die beliebteste Software, KaZaA Media Desktop, verlor 71 Prozent an Visits, KaZaA Lite immerhin noch 40 Prozent. Stattdessen wandern die tauschlustigen Musikfans weg vom FastTrack-Netz, hin zu Gnutella: Die Besucherzahl bei der als frei von Spyware bekannten Software LimeWire stieg im gleichen Zeitraum um 1876 Prozent auf zuletzt 4,37 Mio. Und auch die Gnutella-Schwester BearShare legte um 29 Prozent zu. Über die Menge des tatsächlich getauschten Datenvolumens sagen die comScore-Zahlen jedoch nichts aus, sie dokumentieren lediglich, wie oft Surfer das P2P-Netz angesteuert haben.
Unverändert hoch bleibt die Nutzung der eDonkey-Systeme, die im März mehr als drei Mio. Nutzer hatten. Damit ist eDonkey nach Nutzerzahlen die größte P2P-Anwendung. Die größten Datenmengen bewegt indes weiterhin das BitTorrent-Netz, auch wenn die Filmindustrie wichtige Torrent-Knotenpunkte wie Loki Torrent, SuprNova, Youceff oder Phoenix still legen konnte. Laut BigChampagne-CEO Eric Garland macht das über BitTorrent getauschte Datenvolumen in der Regel zwischen 25 und 30 Prozent des weltweiten Internet-Traffic aus. Die RIAA bringt es plakativ auf den Punkt: In der gleichen Zeit, die Apple benötigte, um 300 Mio. legale Downloads über iTunes zu verkaufen, wurden per P2P 60 Mrd. illegale Files heruntergeladen.






