Recorded & Publishing

Musikindustrie in Deutschland zum Halbjahr solide im Plus

Der deutsche Musikmarkt schrieb in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 ein Umsatzplus von mehr als fünf Prozent und wuchs damit deutlich dynamischer als im Vorjahreszeitraum und im Gesamtjahr 2025. Das belegt die Bilanz zur Entwicklung im Geschäft mit Recorded Music, die der Bundesverband ­Musik­industrie (BVMI) am 16. Juli 2026 in Berlin vorlegte.


Alles andere als tote Hose: der deutsche Markt für Recorded Music ist im ersten Halbjahr 2026 weiter gewachsen. Die Musikunternehmen setzten hierzulande von Anfang Januar bis Ende Juni nach Großhandelspreisen insgesamt 670 Millionen Euro vor allem mit der Vermarktung von Musik über die verschiedenen Streamingangebote sowie mit dem Verkauf von Tonträgern um. Die Industrieeinnahmen, so teilt der BVMI mit, verbuchten damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus in Höhe von 5,4 Prozent. 

Der Handelsumsatz nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer erreichte derweil im ersten Halbjahr 2026 ein Volumen von 1,221 Milliarden Euro. Vor Jahresfrist hatte der BVMI in diesem Bereich einen Wert von insgesamt 1,157 Milliarden Euro angegeben, was aktuell im Vorjahresvergleich ein Umsatzplus in Höhe von gut 5,5 Prozent bedeuten würde.

Damit gelingt der Musikindustrie hierzulande trotz aller weltwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen ein kleines Sommermärchen: Denn im Juli 2025 wies der BVMI für die ersten sechs Monate des vergangenen Jahres ein Umsatzplus in Höhe von gerade einmal 1,4 Prozent aus, das Gesamtjahr 2025 schloss die Branche dann mit Zuwächsen von 2,3 Prozent ab. Immerhin wurde damit knapp die Inflationsrate übertroffen, die das Statistische Bundesamt für 2025 im Jahresdurchschnitt auf 2,2 Prozent taxierte. Als Inflationsrate für den Juni 2026 meldete die Behörde erst jüngst einen Wert von 2,3 Prozent.

An die Vorgaben aus dem Jahr 2024 kann der Trend im deutschen Musikmarkt indes noch nicht wieder anschließen: Damals lag das Plus zum Halbjahr 2024 noch bei 7,6 Prozent, fürs Gesamtjahr 2024 meldete der BVMI sogar Zuwächse von 7,8 Prozent.

Beim Blick auf die verschiedenen Vermarktungswege von Musik wertet der BVMI auch dieses Mal wieder das Streaming als Treiber der positiven Marktentwicklung: Die Industrieeinnahmen legten hier um 5,5 Prozent zu und kommen nunmehr auf einen Anteil in Höhe von 84,4 Prozent der Branchenumsätze; aufs gesamte Digitalgeschäft inklusive Downloads entfielen 86,4 Prozent der formatübergreifenden Erlöse. 

Der physische Markt – also vor allem der Verkauf von CDs und Vinyl-LPs – steuerte somit 13,6 zum Gesamtumsatz bei. Damit liegt der Marktanteil in diesem Bereich fürs erste Halbjahr 2026 um einen guten Prozentpunkt über dem Vorjahreswert von 12,5 Prozent.

Zudem gelang den Plattenfirmen im Tonträgergeschäft eine eindrucksvolle Trendwende: Für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 meldet der BVMI in diesem Bereich ein übergreifendes Umsatzplus in Höhe von 5,3 Prozent. 

Zur Erinnerung: Im ersten Halbjahr 2025 gingen die Einnahmen der Plattenfirmen aus dem Verkauf von Tonträgern und Bildtonträgern noch deutlich um 13,2 Prozent zurück, fürs Gesamtjahr taxiere der BVMI das physische Umsatzminus auf 5,9 Prozent.

„Die erfreuliche Entwicklung im ersten Halbjahr unterstreicht, wie wichtig es zunehmend wird, besonders engagierte Fans, die sogenannten ‚Superfans‘, mit speziellen Produkten und Artist-Aktionen zu erreichen, eben auch im physischen Bereich.“ Florian Drücke, BVMI.

Zum positiven Trend im ersten Halbjahr 2026 steuerten die Schallplatten ein Umsatzwachstum um 9,8 Prozent bei, erreichten damit einen Anteil von 47,8 Prozent am physischen Markt und rücken den CD-Umsätzen näher, die indes mit einem Plus von 0,8 Prozent ebenfalls leicht hinzugewinnen konnten.

Begünstigt worden sei diese Entwicklung „durch starke Albumveröffentlichungen“, analysiert der BVMI-Branchenverband: Schaut man sich die von GfK Entertainment kürzlich ermittelten Halbjahrescharts an, so dürfte diese Einschätzung unter anderem die Toten Hosen mit einschließen, die ihr letztes Studioalbum zwar erst Ende Mai veröffentlichten, mit „Trink aus, wir müssen gehen!“ aber dennoch die Offiziellen Deutschen Charts für das erste Halbjahr 2026 anführten, gefolgt von BTS mit „Arirang“ auf Platz zwei, Harry Styles mit „Kiss All The Time. Disco, Occasionally.“ auf Rang drei sowie Unheilig mit „Liebe Glaube Monster“ (Position vier ) und Bad Bunny mit „DebÍ Tirar Más Fotos“ (fünf).

„Die erfreuliche Entwicklung im ersten Halbjahr unterstreicht, wie wichtig es zunehmend wird, besonders engagierte Fans, die sogenannten ‚Superfans‘, mit speziellen Produkten und Artist-Aktionen zu erreichen, eben auch im physischen Bereich“, richtet Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des BVMI, in seiner Halbzeitanalyse den Fokus aufs Tonträgergeschäft. Davon abgesehen aber seien die Mitglieder des Branchenverbands aktuell „sehr fokussiert“ an dem Komplex „Musik und KI“, betont Drücke: „In diesem Bereich geht es um die Erschließung neuer Geschäftsfelder.“

Der Verbandsvorsitzende ergänzt: „Im Mittelpunkt der Monetarisierung im Rahmen von individuellen Lizenz-Partnerschaften im Interesse aller Beteiligten steht hier die notwendige Transparenz auf Seiten der Anbieter. In diesen Kontext ist zu erwähnen, dass unsere Branche vergangene Woche auf internationaler Ebene einen Ansatz zur freiwilligen Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten vorgestellt hat. Damit dokumentieren wir einmal mehr, dass wir diese Innovation als Branche gestalten.“