Das Event eröffnete Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray mit einer Keynote unter dem Titel „Ich will kein Stück vom Kuchen, ich will 1000 Cupcakes und die Bäckerei, Bitch!“. Danach wurde im Eröffnungspanel gemeinsam mit der Initiative Musik-Chefin Katja Lucker, Sherin Striewe, Sookee und Susann Großmann die Frage verhandelt, ob die Branche tatsächlich Fortschritte macht oder Ungleichheiten lediglich neu verhandelt.
Lucker, die auch das Grußwort zur Veranstaltung hielt, äußert im Nachgang in einem Statement: „Die Initiative Musik hat die Konferenz Gender Equality Now von Music Women* Germany erneut über die Strukturförderung unterstützt. Viele wichtige Themen wurden benannt; damit sich Strukturen nachhaltig verändern, braucht es Räume für Austausch, Vernetzung und im Anschluss Strategien für mögliche Veränderungen.“
Die Konferenz selbst beinhaltete Panels zu Karrierewegen von Entscheider:innen, Care-Arbeit in der Musikbranche sowie Vergütung und Bühnenzugang, ergänzt durch einen Workshop zu solidarischem Handeln gegenüber sexualisierter Gewalt.
In der Gesprächsrunde zu Gatekeeping namens „Gute Absichten, gleiche Strukturen? Wie wir selbst Ausschlüsse (re)produzieren“ arbeiteten Isabel Leila Gütlein, Lucy Liebe und Beate Dietrich unter der Moderation von Mia Heresch heraus, wie tief Ungleichheiten im Alltag der Branche verankert sind.
Durch die Diskussion wollten die Teilnehmenden deutlich machen, dass Begriffe wie „Talent“ und „Qualität“ keineswegs neutral sind, sondern durch Machtstrukturen, Netzwerke und implizite Normen geformt würden. Wer Zugang zu Förderungen, Bühnen und Entscheidungsräumen erhält, entscheide sich oft lange bevor Kunst überhaupt bewertet werde – durch soziale Herkunft, kulturelles Kapital und persönliche Verbindungen.
Zum Thema „Fördern und Fordern: Wie wir Gender Equality strukturell verankern können“ diskutierten Anika Jankowski, Brosie, Kirsten Grebasch, Linda Ann Davis und Mario Graute unter der Moderation von Tamara Güçlü zu konkreten Hebeln für Wandel. Die Künstlerin Brosie verlangte eine Abkehr von kurzfristigen Projektmitteln hin zu einer langfristigen Karriereförderung.
Als potenzieller Gamechanger wurde ein universelles Grundeinkommen für Artists nach irischem Vorbild diskutiert. Gleichzeitig benannte das Panel ungelöste Grundprobleme: Das Streamingmodell funktioniere wirtschaftlich nicht für Künstlerinnen, sexualisierte Gewalt gegen FLINTA*-Personen in der Branche sei weiterhin schockierend präsent, und der politische Backlash von rechts gefährde Förderstrukturen und Gleichstellungsarbeit gleichermaßen.
Gefordert wurde zudem mehr Kooperation zwischen Verbänden, etwa um gemeinsam Transparenzberichte über Frauenanteile im Radio durchzusetzen und politischen Druck auf öffentlich-rechtliche Sender zu erhöhen. Die Debatte betonte außerdem, dass Geschlechtergerechtigkeit zwingend intersektional gedacht werden müsse – Diskriminierung wirke mehrdimensional und lasse sich nicht auf eine Achse reduzieren.
Bezeichnend war vielleicht, wer fehlte: In beiden Gesprächsrunden zählte das Publikum jeweils nur drei bis fünf Männer. Auch prominente Vertreter:innen von Labels, Festivals oder Streamingdiensten waren nicht anwesend. Das Event endete in einer FLINTA* & Friends Reception im Mars Garten. Der gesamte Tag erhielt Unterstützung von der Initiative Musik sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.







