Recorded & Publishing

Indies investieren in neuen kuratierten Streamingdienst

Der „kuratierte“ Musikstreamingdienst Cantilever hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 250.000 Pfund abgeschlossen. Als Geldgeber beteiligen sich mehr als ein Dutzend unabhängige Musiklabels, darunter die Secretly Group, Domino, Ninja Tune, Partisan oder Sub Pop. Aber auch deutsche Namen sind an Bord.

An der Pre-Seed-Finanzierung nahmen 20 Indie-Labels sowie Privatinvestor:innen von Labels teil – darunter die Secretly Group, Domino, Ninja Tune, Partisan, Sub Pop, Because Music, Hopeless Records und Secret City Records. Aus Deutschland kamen die beiden Berliner Labels City Slang sowie !K7 Music hinzu. Das Funding beläuft sich auf 250.000 Pfund, also rund 289.520 Euro.

Organisiert wurde die Runde über die international tätige Organization For Recorded Culture And Arts, kurz ORCA, wie der in London ansässige Gründer des Angebots, Aaron Skates, über LinkedIn mitteilt. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt von City-Slang-Gründer Christof Ellinghaus, Darius Van Arman von der Secretly Group sowie dem ORCA-Chef Patrick Clifton.

Cantilever liefert alle paar Tage neu kuratierte Alben, wobei jede LP einen Monat im Angebot bleibt und es dann wieder verlässt. Das Konzept setzt somit auf Selektion statt Algorithmus. Skates, der das Projekt mit Angeboten wie dem Videodienst Mubi vergleicht, beschreibt die Idee auf LinkedIn wie folgt: „Musikalische Kunst braucht im digitalen Raum mehr Aufmerksamkeit, Kuration und Auseinandersetzung.“

Für Skates stellt die Beteiligung der Labels mehr als nur eine Finanzspritze dar: „Cantilever wurde für unabhängige Labels und Künstler:innen gebaut. Dass mehr als ein Dutzend der weltweit führenden Indies hinter uns stehen, ist die stärkste Bestätigung, die wir uns wünschen konnten.“

Wie bei „Music Business Worldwide“ angegeben, ist Cantilever im Oktober 2025 an den Start gegangen und befand sich seit 2022 in der Entwicklung.

Unter den Kommentaren zum Post findet sich auch ein Beitrag von Josh Madell, Director Of Artist And Label Strategy bei Secretly Distribution. Dieser schreibt mit Hinblick auf die aktuell laufende Indie Week in New York, dass es toll zu sehen sei, „wie unsere Community konkret zusammenarbeitet, um positive Veränderungen zu fördern und neue Möglichkeiten für Artists, Labels… ja sogar für DSP zu schaffen“.

Das Prinzip der „wenigen Alben pro Monat“ erinnert an ein Konzept, das 1999, also vor fast 30 Jahren, in Hamburg umgesetzt wurde: Der Plattenladen 25 Records in den Großen Bleichen präsentierte seiner Kundschaft auf knapp fünf Quadratmetern Verkaufsfläche exakt 25 ausgewählte CDs. Inhaber Stefan Schmidt und sein Team stimmten gemeinsam über das Angebot ab, der Schwerpunkt lag auf elektronischer Musik. Nach rund zwei Jahren geriet Schmidt jedoch in Streitigkeiten mit einem Mitarbeiter.