Der IFPI-Dachverband der Recorded-Musikindustrie rückt erneut den europäischen Musikmarkt in den Fokus: „Europa bleibt eine der großen Erfolgsgeschichten der weltweiten Musikbranche“, sagte IFPI-CEO Victoria Oakley bei der Vorstellung des europäischen Jahrbuchs am 9. September 2026 in Brüssel. Die Verbandschefin verknüpfte diese Ansage sogleich mit einer wirtschafts- und kulturpolitischen Botschaft: „Der Musiksektor der EU schafft Arbeitsplätze, treibt Innovationen voran, bereichert die Kultur und verhilft europäischen Künstlern zudem dazu, ein Publikum auf der ganzen Welt zu erreichen“, fasste Oakley zusammen.
Diese Erfolgsgeschichte aber basiere auf Investitionen und Innovationen der Plattenfirmen – laut IFPI-Hochrechnungen steckten die Musiklabels im Jahr 2025 weltweit rund 9,3 Milliarden Dollar oder umgerechnet 8,3 Milliarden Euro in den Aufbau von Künstler:innen und deren Vermarktung – sowie auf einem starken Rechtsrahmen, der den Wert von Kreativität anerkennen würde, lautet die begleitende Botschaft aus der Londoner IFPI-Zentrale. Angesichts der ständigen Weiterentwicklung im technologischen Bereich – Stichwort KI – sieht man bei der IFPI für Europa eine große Chance in der Regulierung: So könne die EU eine internationale Vorreiterrolle bei der Umsetzung und Durchsetzung bestehender Regeln übernehmen, während Europas Musiksektor weiterhin durch Qualität, Kultur und Innovation glänzen könne.
Passend zu dieser Analyse liefert die IFPI mit ihrem Bericht zugleich einen kulturpolitischen Wunschzettel und fordert die Entscheidungsträger:innen auf EU-Ebene mit diesem „European Policy Manifesto“ dazu auf, sich auf die Umsetzung und Durchsetzung geltenden Rechts zu konzentrieren, verantwortungsvolle KI-Innovationen und sinnvolle Transparenzmaßnahmen zu unterstützen, um unterm Strich sicherzustellen, dass Urheber:innen ihre Rechte weiterhin wahrnehmen und von ihrem Schaffen profitieren können: „Der Rahmen ist vorhanden. Nun kommt es darauf an, ihn in der Praxis zum Funktionieren zu bringen, damit Musikschaffende, Innovatoren und Fans gleichermaßen von einem florierenden Musikökosystem profitieren können“, meinte Victoria Oakley.
„Die EU ist als Musikmarkt grundsätzlich gut aufgestellt, wie die Zahlen zeigen“, steuerte aus Berlin auch Florian Drücke als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) eine Einschätzung zur Lage bei: „Europa ist einer der weltweit wichtigsten Musikmärkte, getragen von Künstlerinnen und Künstlern, Fans und Musikfirmen, und die EU hat mit einem weltweit einzigartigen rechtlichen Rahmen eine solide Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen.“
Um das volle Potenzial auszuschöpfen, bleibe es aber laut Drücke „von zentraler Bedeutung, dass sich die politischen Entscheidungsträger darauf konzentrieren, dass diese Vorschriften wirksam und konsequent um- und durchgesetzt werden. Das stärkt den Lizenzmarkt und stellt sicher, dass auch Artists und ihre Partner an der Wertschöpfung rund um den Einsatz von generativer KI partizipieren können.“
Die Stellung des europäischen Musiksektors sollen derweil die Zahlen des IFPI-Berichts unterstreichen: Die im Jahr 2025 in der Region erzielten Umsätze in Höhe von sechs Milliarden Euro entsprechen laut dem Branchenverband, der den Bericht „Music in the EU 2026“ auch auf seinen Onlineseiten bereithält, einem Plus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem Zuwachs um 293 Millionen Euro. Vor Jahresfrist wies die IFPI für Europa noch ein Umsatzplus von 9,1 Prozent aus.
Europa komme damit auf einen kumulierten Marktanteil von 21,3 Prozent an den weltweiten Gesamteinnahmen der Musikunternehmen aus der Vermarktung von Musikaufnahmen. Zudem finden sich neun der weltweit 20 größten Märkte für Recorded Music in der EU. Zusammen erwirtschafteten allein diese neun Nationen im Jahr 2025 Umsätze in Höhe von 5,1 Milliarden Euro.
Aufs Streaming entfielen 2025 rund 66 Prozent der europaweiten Recorded-Einnahmen. Allerdings sieht der Branchenverband hier noch „erhebliches Wachstumspotenzial“: Schließlich liege die durchschnittliche Verbreitung von Musikabos in Europa bei rund 27 Prozent der Haushalte – verglichen mit zum Beispiel 54 Prozent in den USA oder 47 Prozent im Vereinigten Königreich.
Mit einem Plus von gut 16 Prozent war übrigens Rumänien im vergangenen Jahr das in Sachen Recorded Music wachstumsstärkste Land in Europa.
Die Zahlen basieren auf dem bereits im Frühjahr präsentierten „Global Music Report“. In diesem Jahrbuch taxierte die IFPI die weltweiten Einnahmen aus der Vermarktung von Recorded Music im Jahr 2025 nach Großhandelspreisen bei Zuwächsen um 6,4 Prozent auf 31,7 Milliarden Dollar oder – zu damaligen Kursen umgerechnet – 27,5 Milliarden Euro. Außerdem zeigte der globale Blick aus Musikbiz, dass China dank starker Zuwächse nunmehr Deutschland vom vierten Platz im Ranking der weltgrößten Musikmärkte verdrängen konnte.






