“Großartige Musik von großartigen Künstlerinnen und Künstlern, unterstützt durch Partnerschaften und Investitionen von Musikfirmen, treibt das globale Wachstum voran – denn weltweit nutzen mehr Menschen denn je kostenpflichtige Streamingdienste, um diese Musik zu genießen“, sagte Victoria Oakley bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2025.
Dabei betonte die CEO der IFPI, die erst zum zweiten Mal in dieser Rolle einen „Global Music Report“ präsentierte, dass dieses Wachstum höhere finanzielle Erträge für Artists bedeuten würde, aber auch weitere Investitionen der Plattenfirmen in ein immer breiteres Spektrum an Musik. Für die Musikunternehmen gehe es nun darum, in Partnerschaften mit KI-Entwicklern daran zu arbeiten, „wie Technologie genutzt werden kann, um Kreativität zu unterstützen und zu fördern, nicht um sie zu ersetzen“. Oakley forderte die Politik auf, diese Bemühungen zu unterstützen, schließlich würde das Urheberrecht „das Fundament für diesen Fortschritt bilden“.
Ein Blick auf die Zahlen im „Global Music Report“ zeigt derweil, dass die weltweiten Einnahmen aus der Vermarktung von Recorded Music 2025 nach Großhandelspreisen um 6,4 Prozent auf 31,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet 27,5 Milliarden Euro wuchsen. Damit ging es im Musikmarkt trotz der Krisen in aller Welt deutlicher aufwärts als noch 2024 – fürs Vorjahr hatte die IFPI ein Umsatzplus in Höhe von 4,8 Prozent melden können – ohne indes an die Dynamik von 2023 heranzureichen, als das Plus noch bei 10,2 Prozent lag.
Die Umsätze mit Musikabos kletterten im vergangenen Jahr um 8,8 Prozent und steuerten 52,4 Prozent zu den weltweiten Erlösen der Plattenfirmen bei. Die IFPI beziffert die Zahl der kostenpflichtigen Abonnements auf weltweit inzwischen 837 Millionen.
Auch im physischen Geschäft ging es bergauf: Die anhaltende Nachfrage nach Vinyl schob die Umsätze hier um 13,7 Prozent an, formatübergreifend legten die Umsätze aus dem Verkauf von Tonträgern um acht Prozent zu.
Begleitend zur Veröffentlichung der Jahresbilanz lud die IFPI in London zu einer Gesprächsrunde, an der neben CEO Victoria Oakley auch der bei diesen Veranstaltungen beinahe fix gesetzte Dennis Kooker, President Global Digital Business Sony Music Entertainment, sowie Alfredo Delgadillo, CEO & President of Universal Music México, und erstmals Samira Leitmannstetter, Vice President EMEA Regional Marketing Warner Music Group, teilnahmen. Nachdem im Vorjahr keine Musikmanagerin aus dem deutschsprachigen Raum in London auf dem Podium saß, übernahm die von Berlin aus arbeitende Leitmannstetter somit nun auf dem internationalen Branchenparkett eine Rolle, die zuletzt Konrad von Löhneysen inne hatte.
Auf der Agenda der Londoner Präsentation standen die Themen KI und Streaming Fraud, aber auch die unter anderem durchs Streaming ermöglichten Erfolgsgeschichten von Künstler:innen aus aller Welt. Victoria Oakley sprach dabei zunächst über die Veränderungen und Konstanten, die sich sich seit ihrem ersten Auftritt hier vor einem Jahr abgezeichnet hätten. Sie verwies auf zahlreiche Lizenzdeals mit KI Firmen sowie rund 20 unterschiedliche Partnerschaften, die Musik- und Technologieunternehmen eingefädelt hätten: „Und es kommen noch viele weitere hinzu“, sagte sie voraus.
Es gebe aber auch eine wachsende Bedrohung, unterstrich Victoria Oakley, und nannte dabei noch vor dem KI-Thema die Betrügereien im Streaminggeschäft: Künstlich erzeugte Abrufzahlen für manipulierte oder gefälschte Inhalte würden Künstler:innen und allen anderen, die in die Musikwirtschaft investieren, wichtige Einnahmen entziehen, fasste sie zusammen: „Das ist Diebstahl, ganz einfach.“ Das Problem dürfte jedoch einfach zu lösen sein, wenn alle Player im Markt gemeinsam daran arbeiten würden, unterstrich sie. Dazu nahm Oakley auch die Plattformen in die Pflicht. Diese könnten zum Beispiel bei der Verifizierung der Konten von Künstler:innen mehr tun, aber auch in Sachen Kommunikation untereinander: Denn wenn Betrügereien einmal aufgedeckt werden, würde sie oft an anderer Stelle erneut auftauchen. Dennis Kooker schloss sich hier an, und ergänzte die Forderung nach einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Betrügereien im Streaminggeschäft.
Darüber hinaus wertete es Sony-Music-Spitzenmanager Kooker als starkes Zeichen, dass das Wachstum im Musikmarkt im Vergleich zum Vorjahr noch einmal angezogen habe: Weltweit habe man 45 Millionen neue Abonnent:innen hinzugewonnen können, und 57 von 58 nationalen Musikmärkten, die in die IFPI-Jahresstatistik einfließen, hätten besser abgeschnitten als zuvor. Das sei eine großartige Wachstumsgeschichte, die in einem funktionierenden und gesunden Lizenzmarkt begründet sei, was zugleich die Basis von Investitionen der Plattenfirmen in den Aufbau der Karrieren von Künstler:innen bilde.
Hier kam Samira Leitmannstetter zum Zug, die die von ihr betreute EMEA-Region als kulturell und kreativ sehr divers aufgestellte Region mit vielen unterschiedlichen Stilen und Sprachen beschrieb, deren große Energie in alle Welt ausstrahle. In der Zusammenarbeit mit ihren internationalen und lokalen Teams gehe es nun zunehmend darum, die Energie der lokalen Musiktalente in kulturell relevante Geschichten zu übersetzen, was wiederum weitere Impulse bringen könne, fasste sie zusammen. „Sprache ist heute kein Hindernis mehr“, unterstrich Leitmannstetter. Zwar würden die Herausforderungen im Wettbewerb nicht geringer, dennoch würden vor allem auch die Chancen größer.
Herausforderungen und Chancen identifizierte derweil Dennis Kooker auch im KI-Bereich, es gehe aber darum, die Geschichte richtig anzupacken. So sollten auch mit neuen technologischen Möglichkeiten mittelfristig noch tiefer gehende Beziehung zwischen Künstler:inne und Fans möglich sein, obwohl KI-Musik und Deepfakes zugleich auch eine Gefahr für diese Beziehung darstellen würden: Artists können mit Hilfe von Technologie großartige Dinge schaffen, an die heute noch nicht einmal zu denken sei, meinte Kooker. Dies sei die Basis für jahrelanges weiteres Wachstum.
Für den deutschen Markt nutzt der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke, die Vorlage aus London für einen Appell : „Generative KI und menschliche Schaffenskraft durch innovative Partnerschaften so zusammenzuführen, dass ein für alle gleichermaßen gedeihliches Umfeld entsteht, ist das Ziel und aktuell eine der Hauptaufgaben unserer Mitglieder“, kommentiert Drücke. „Es geht uns, wie auch in der Vergangenheit, darum, sicherzustellen, dass die Rechte der Kreativen und ihrer Partner respektiert und lizenziert werden.“ Zugleich gehe man als Branche gegen Dienste vor, die Musik ohne Zustimmung nutzen würden.
„Dass die Musikindustrie weltweit um 6,4 Prozent wächst, zeigt, dass sie dies sehr erfolgreich meistert! Um diese Dynamik zu erhalten, brauchen wir die Politik als verlässlichen Partner, in Deutschland und in Europa, der dafür sorgt, dass zugunsten neuer Dienste weder das Urheberrecht noch die KI-Regelungen weiter aufgeweicht werden.“ Laut Drücke wachse mit „den rasanten Fortschritten im Bereich von KI“ zudem auch „die Bedrohung des legalen Marktes durch Streaming-Manipulation. Hier erwarten wir von allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette, dass sie ebenso konsequent dagegen vorgehen, wie unsere Mitglieder und der BVMI selbst es seit Jahren tun.“






