Hat Google die Berechtigung, sein KI-Musikmodell Lyria 3 mit Musik zu trainieren, die von unabhängigen Künstler:innen auf YouTube hochgeladen wurde? Wenn es nach dem Konzern geht, dann ja. Das geht aus einem Antrag hervor, den Googles Rechtsbeistände am 8. Juni vor Gericht einbrachten. Zuvor hatte eine Gruppe von Indie-Musiker:innen den Tech-Konzern, der unter anderem YouTube betreibt, verklagt, da das Unternehmen das KI-Tool Lyria 3 angeblich mit ihrer Musik trainiert habe.
„Diese Klage stützt sich auf die unbegründete Annahme, dass Google seine Modelle anhand ihrer spezifischen Werke trainiert habe“, so die Kanzlei Quinn Emanuel, die in Deutschland auch schon OpenAI gegen die GEMA vertreten hatte.
Diese These scheint von den Beklagten aber nicht mit letzter Überzeugung vertreten zu werden. Denn für den Fall, dass die Musiker:innen Recht bekommen, liefert Google bereits die Verteidigungsstrategie mit: „Die Klagenden haben YouTube und Google jeweils eine umfassende Lizenz zur Nutzung der hochgeladenen Inhalte erteilt. Diese Lizenz, die in den Nutzungsbedingungen von YouTube enthalten ist, rechtfertigt das in der Klage beanstandete Verhalten.“
Google bezieht sich mit seinem Legal-Team speziell auf folgende Klausel: „Indem Sie Inhalte für den Dienst bereitstellen, gewähren Sie YouTube eine weltweite, nicht ausschließliche, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung dieser Inhalte (einschließlich Vervielfältigung, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung) im Zusammenhang mit dem Dienst und der Geschäftstätigkeit von YouTube (sowie dessen Rechtsnachfolgern und verbundenen Unternehmen).“
Dies dürfte allerdings nur für die Künstler:innen gelten, die ihre Musik wirklich selbst bei YouTube hochladen. Die Major-Labels und großen Indies handelten mit YouTube jeweils individuelle Lizenzdeals aus. Ob in diesen das Nutzungsrecht für KI-Training enthalten war? Unwahrscheinlich, das hätte Google höchstwahrscheinlich nicht stillschweigend über die Bühne gebracht.
Einzig das französische Unternehmen Believe arbeitet aus der Industrie aktiv mit Google an seinen KI-Projekten zusammen. Der Deal: Believe- und TuneCore-Künstler:innen können Tools aus der Google-Suite für ihre kreativen Tätigkeiten nutzen und beraten das Entwicklungsteam von Google im Gegenzug in puncto KI und Musik.
Bei der Klage, die die Indie-Musiker:innen am 6. März 2026 einreichten, warfen die Anwälte der Kreativen dem Konzern noch vor: „Google hatte alle Möglichkeiten, dieses Produkt legal zu entwickeln. Es verfügt über die technische Infrastruktur, die finanziellen Ressourcen und die Branchenkontakte, um vor dem Training die Rechte zu klären. Google hat sich dagegen entschieden, nicht weil eine Lizenzierung unmöglich war, sondern weil das Kopieren schneller und billiger war.“






