Recorded & Publishing

Französischer Musikmarkt wächst moderat, führt KI-Charts-Regeln ein

Der französische Verband der Musikindustrie, SNEP, hat die Marktzahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Zugleich ließ er konkrete Kriterien für den Umgang mit generativer KI in den offiziellen Charts verlauten.

Die Einnahmen aus Recorded-Musik stiegen laut dem Branchenverband der französischen Musikindustrie in Frankreich um 3,5 Prozent auf 449 Millionen Euro. Damit setzt der Markt im sechsten Jahr in Folge einen Kurs der Erholung und des Wachstums fort.

Seit dem Jahr 2020 legte die Musikwirtschaft im ersten Halbjahr um 68 Prozent zu und festigte damit ihre Position als weltweit sechstgrößter Musikmarkt. Insgesamt, so hieß es noch Anfang 2026, wächst die Musikwirtschaft derzeit langsamer als zuvor.

Hauptmotor der Entwicklung bleiben Streaming-Abos. Die Erlöse aus kostenpflichtigen Abonnements wuchsen um 7,5 Prozent auf 291,5 Millionen Euro und machen nun 65 Prozent der physischen und digitalen Gesamteinnahmen aus.

Insgesamt summierten sich die digitalen Umsätze auf 363,9 Millionen Euro, was einem Plus von 5,2 Prozent entspricht.

Der verhaltenere Anstieg im Digitalbereich erklärt sich durch einen Rückgang der Werbeeinnahmen auf Videoplattformen um 11,9 Prozent.

Der physische Markt gab um 3,4 Prozent auf 85 Millionen Euro nach, da der deutliche Einbruch der CD – mit minus 14,4 Prozent auf 32,7 Millionen Euro – das Plus der Vinyl-Schallplatte – plus 5,8 Prozent auf 49,3 Millionen Euro – überwog. Heimische Produktionen dominierten das Geschehen und stellten 72 Prozent der Top 200 Alben.

Parallel zur Marktbilanz verkündete das Syndicat National De L’édition Phonographique, kurz SNEP, Leitlinien zur KI-Nutzung in den Charts, die jedoch bereits seit Mai 2026 gelten: Rein KI-generierte Aufnahmen sind vom Ranking ausgeschlossen. Für eine Berechtigung muss ein Track drei Kriterien erfüllen: einen substanziellen menschlichen Beitrag im Schaffensprozess, eine transparente Kennzeichnung gegenüber der Öffentlichkeit und die Nutzung von KI-Systemen, die den französischen Gesetzen entsprechen. Zudem müssen Urheber- und Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben und jegliche Manipulation ausgeschlossen werden. Die Kriterien entstanden in Kooperation mit der IFPI und Partnern wie den offiziellen Charts.

SNEP-Generaldirektor Alexandre Lasch zieht ein positives Fazit, fordert jedoch eine zügige parlamentarische Debatte über den KI-Gesetzentwurf von Senatorin Laure Darcos: „Wir verteidigen eine ethische KI, die das geistige Eigentum und die europäischen Regeln respektiert“, betont der Verbandschef.

Mit Blick auf die Charts präzisiert er: „Unsere Rankings müssen das Abbild eines von Künstler:innen getragenen Schaffens bleiben, in einem transparenten Rahmen, der den Schutz der Rechte garantiert und offen für verantwortungsvolle Innovation ist.“

Im Rahmen der neuen Richtlinien wird der Dienstleister Yacast die KI-Standards künftig auch auf die französischen Airplay-Charts anwenden, wie es aus Paris heißt.