Recorded & Publishing

EMI-Krise rückt Warner-Deal wieder in den Fokus

Die EMI Group will die Schulden des Konzerns neu ordnen und weitere Fehlbeträge der Verlagsabteilung zuschreiben. Damit soll eine Übernahme durch Finanzinvestoren erschwert und die Aufteilung des Majors erleichtert werden. Derweil macht die Zahl 900 die Runde – gemeint sind Entlassungen.

Die EMI Group will die Schulden des Gesamtkonzerns neu ordnen und weitere Fehlbeträge der Verlagsabteilung zuschreiben. Laut Medienberichten soll EMI Music Publishing künftig eine größere rote Zahl schultern. Damit soll eine Übernahme durch Finanzinvestoren erschwert werden, heißt es. Stattdessen wäre es nach einer zu erwartenden Fusion mit der Warner Music Group (WMG) leichter, die Unternehmenssparten Recorded Music und Publishing zu trennen.

Dass der US-Mitbewerber einen erneuten Anlauf zum Zusammenschluss mit den Briten wagen wird, gilt in Branchenkreisen als die wahrscheinlichste Reaktion auf die Gewinnwarnung der letzten Woche und die überraschende Entlassung der Spitzenmanager Alain Lévy und David Munns. Viele EMI-Investoren befürworten diese Fusionslösung.

Trotz aller kartellrechtlicher Bedenken sei es für EMI wichtig, dass ein Merger mit Warner zustande kommt, erklärte ein Großaktionär gegenüber der „Times“. „Fakt ist: Der Deal mit Warner muss verwirklicht werden. Deshalb haben wir das letzte Angebot von Permira abgelehnt und werden auch künftige Offerten von Private-Equity-Firmen ablehnen.“ Analystin Claire Enders deutet die Management-Rochade bei EMI daher auch als Vorzeichen: „Unser Eindruck ist, dass Eric Nicoli ein deutliches Signal in Richtung Warner gegeben hat: ‚Bitte übernehmt uns und zahlt mich aus. Ich habe kein Managementteam, ich habe keine Strategie und ich habe genug‘.“

Unstrittig ist indes, dass die Anleger sauer sind. 320 Pence pro Aktie hätten sie bekommen, wenn Nicoli und sein Team im Sommer das Angebot von Edgar Bronfman jr. und dessen Team akzeptiert hätten. Aktuell sind die EMI-Papiere gerade einmal 250 Pence wert.

Derweil macht die Zahl 900 die Runde in den Medien – gemeint sind die zu erwartenden Entlassungen bei EMI in rund 50 Ländern. Vornehmlich betroffen sein sollen dabei Nordamerika, wo es womöglich zu einer Verschmelzung der Repertoiredivisionen Capitol und Virgin kommen wird, sowie Asien und Südamerika.

Insider befürchten, dass sich EMI in bestimmten Ländern ganz vom Markt zurückziehen könnte. Da dürften Meldungen über die Höhe der Abfindung für Lévy und Munns einigen EMI-Leuten sauer aufstoßen: Bis zu zehn Millionen Pfund oder umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro soll jeder der beiden geschassten Chefs für sein Ausscheiden bekommen.

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