Erst im März hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nach einer Reihe unilateraler Gipfeltreffen mit Kreativschaffenden, der Labelseite und den DSPs angekündigt, in der Diskussion um die Verteilung der Einnahmen aus der Vermarktung von Musik übers Streaming einen Runden Tisch einberufen zu wollen. Bei Spotify liefert man nun mit deutschen Zahlen aus dem „Loud & Clear“-Transparenzbericht Argumente in eigener Sache und lässt damit vielleicht sogar erahnen, welche Bedeutung der kulturpolitischen Diskussion hierzulande beigemessen wird – schließlich veröffentlicht das Unternehmen die deutschen Details ziemlich genau vier Wochen früher als noch vor Jahresfrist und mit deutlich kürzerem Abstand zu den globalen Werten, die seit dem 11. März vorliegen.
Klar ist aber auch, dass sich die vom Unternehmen für den hiesigen Markt ausgewählten „Loud & Clear“-Zahlen durchaus sehen lassen können: So hätten Künstler:innen aus Deutschland im vergangenen Jahr bereits 515 Millionen Euro an Lizenzzahlungen über Spotify erzielt, meldet das Team des Streamingdienstes. Im Vergleich zu den vor Jahresfrist verkündeten Einnahmen in Höhe von 480 Millionen Euro bedeutet das ein Plus von sieben Prozent. Damit wuchs dieser Wert deutlich dynamischer als der Gesamtmarkt im Geschäft mit Recorded Music, den der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) für 2025 kürzlich auf ein Umsatzplus in Höhe von 2,3 Prozent taxierte – bei bundesweiten Streamingzuwächsen um 4,1 Prozent. Die eigene Dynamik wertet man bei Spotify nun als Beleg dafür, dass die Plattform ein zentraler Wachstumstreiber für Künstler:innen aus Deutschland sei.
Allerdings gilt es angesichts der Streamingdiskussion zu bedenken, dass Spotify Gelder an seine Vertragspartner:innen bei Musikunternehmen und Verwertungsgesellschaften auszahlt, nicht an die Kreativschaffenden direkt.
„Die ‚Loud & Clear‘-Zahlen für 2025 zeigen: Spotify ist für Künstler:innen aus Deutschland heute weit mehr als eine Vertriebsplattform – es ist ein echter Verstärker“, erklärt Conny Zhang, Head of Music Central Europe bei Spotify, bei der Vorstellung des „Loud & Clear“-Zahlenwerks. „Was uns dabei besonders freut: Immer mehr Acts, ob mit Major- oder Independent-Label im Rücken, bauen mit uns nachhaltig wachsende Einnahmen auf. Dass deutschsprachige Musik weltweit so stark zulegt, zeigt zudem, dass die Nachfrage nach Künstler:innen aus Deutschland längst nicht mehr an der Landesgrenze endet.“
Spotify hebt noch weitere Details hervor: So sei die Zahl der Künstler:innen aus Deutschland, die über die Plattform binnen Jahresfrist Tantiemen von mehr als 50.000 Euro erzielt hätten, 2025 um sieben Prozent gestiegen und habe sich damit seit 2019 nahezu verdoppelt.
Wie schon im Vorjahr seien zudem mehr als die Hälfte der von Künstler:innen aus Deutschland erzielten Lizenzzahlungen über Spotify auf unabhängige Acts und Labels entfallen. Bei Spotify wertet man das als Beleg dafür, dass Streaming als Einkommensquelle längst in der Independent-Szene angekommen sei. Für diese These ruft man bei Spotify zudem noch zwei Partner in den Zeugenstand: „Unabhängige Artists und Labels genießen ein besonderes Maß kreativer Freiheit“, kommentiert Thorsten Freese, CEO Believe Germany Group: „Dass ein großer Teil der Spotify-Lizenzzahlungen an deutsche Künstler:innen bei Independents ankommt, ist ein schöner Erfolg, über den wir uns sehr freuen.“ Zugleich sehe man in Deutschland Potenzial, den Anteil lokaler Künstler:innen weiter zu steigern, meint Freese: „Märkte wie Italien und Frankreich zeigen eindrucksvoll, wie lebendig ein stark verankertes Musik-Ökosystem sein kann. Deshalb liegt uns viel daran, die Sichtbarkeit lokaler Acts im Streaming wie auch auf Festivals, im Radio und durch innovative Formate gemeinsam mit Spotify weiter zu fördern. Mit unserem Know-how unterstützen wir dieses gemeinsame Ziel aktiv.“
Auch Konrad von Löhneysen, Co-CEO bei Zebralution, steuert ein Statement bei: „Als erster europäischer Digitalvertrieb für Independent-Music-Labels freuen wir uns bei Zebralution natürlich, dass bei Spotify ein sehr hoher Anteil der Lizenzzahlungen an Independent-Vertriebe, -Labels und -Künstler:innen ausgeschüttet wird. Falls sich noch jemand erinnern kann: Das war zu Hochzeiten des physischen Marktes nicht so.“
Auch international kann Musik aus heimischer Produktion bei Spotify offenbar punkten: Laut Unternehmensangaben hätten Nutzer:innen auf der Plattform im vergangenen Jahr weltweit mehr als 267 Millionen Playlists mit Musik von Künstler:innen aus Deutschland erstellt – allein in Deutschland sind es über 36 Millionen. Nutzer:innen verbrachten weltweit mehr als 8,7 Milliarden Stunden mit Musik von Künstler:innen aus Deutschland – das entspricht laut Spotify-Hochrechnung über 183 Milliarden Streams.








