Recorded & Publishing

BMG und Concord melden Vollzug

Milliardendeal in trockenen Tüchern: Am 1. September 2026 bestätigten Bertelsmann und BMG den Abschluss der Übernahme von Concord und die Zusammenführung des Musikunternehmens mit BMG. Der zunächst fürs vierte Quartal erwartete Abschluss des Deals gelang somit bereits im dritten.

Die neu formierte BMG starte „mit erweiterten Möglichkeiten, globaler Reichweite und einem klaren Bekenntnis“ zu ihren Kreativschaffenden „in ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte“, teilte die Bertelsmann-Musiktochter am 1. September mit. Mit der Zusammenführung entstehe ein „globales Musikunternehmen, das mit seiner Größe, Expertise und Leistungsfähigkeit neue Möglichkeiten für Musikschaffende“ eröffnet. Die am 28. April angekündigte Transaktion sei inzwischen von allen zuständigen Wettbewerbsbehörden genehmigt worden.

Mit sofortiger Wirkung übernimmt nun Concord-Chef Bob Valentine die Position des Chief Executive Officers von BMG, der bisherige BMG-CEO Thomas Coesfeld, der bald den Spitzenposten bei Bertelsmann antritt, fungiert bei BMG fortan als Chairman. Das kombinierte Unternehmen kommt laut BMG-Angaben auf einen Katalog von mehr als vier Millionen Werken. Der weltweite Hauptsitz des Unternehmens soll künftig in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee angesiedelt sein, Berlin dient künftig als Sitz der Europazentrale.

„Mit dem Abschluss dieser Transaktion beginnt ein neues Kapitel für BMG“, kommentiert Thomas Coesfeld. Es entstehe ein Unternehmen, das „mit seiner Größe und seinen Ressourcen bestens für die Zukunft aufgestellt“ sei: „Investitionen in Musikschaffende, Musikrechte und KI werden neue Chancen für Künstler und Songwriterinnen in einer sich rasant wandelnden Branche eröffnen.“ Coesfeld ergänzt: „Indem wir auf der unternehmerischen Kultur und dem unabhängigen Spirit aufbauen, die beide Unternehmen schon immer prägen, haben wir eine Plattform geschaffen, die in der Musikbranche einzigartig ist und auf nachhaltiges, langfristiges Wachstum abzielt.“ Er sei fest davon überzeugt, „dass unsere engagierten Teams gemeinsam auch künftig zielgerichtet Innovationen vorantreiben und unseren Kreativpartnern weltweit einen herausragenden Service bieten werden“.

Auch der neue BMG-CEO Bob Valentine spricht von einem „spannenden neuen Kapitel“ für das gemeinsame Unternehmen und die Kreativen, die man vertrete: „Wir bringen herausragende Teams, renommierte Kataloge, vielfältige und talentierte Künstler und Songwriterinnen sowie die gemeinsame Überzeugung zusammen, dass kreative Talente engagierte Unterstützung und kontinuierliche Investitionen verdienen.“ Valentine streicht heraus: „Unsere Reichweite ist gewachsen, doch die Mission, die uns zusammengeführt hat, bleibt dieselbe: Künstlerinnen langfristig zu unterstützen, das Vermächtnis der Werke und Persönlichkeiten, die wir vertreten, zu bewahren und die nächste Generation nachhaltig erfolgreicher Musik und Kultur mitzugestalten.“

Ende April hatten Bertelsmann und die Beteiligungsgesellschaft Great Mountain Partners (GMP) ihre Absicht verkündet, die Musikfirmen BMG und Concord zusammenzuführen. Nach der Transaktion in bar und Anteilen, so hieß es damals, soll Bertelsmann 67 Prozent am neu formierten Unternehmen halten. Die Eigner von Concord erhalten die verbleibenden 33 Prozent der Anteile und eine einmalige Barzahlung in Höhe von 1,16 Milliarden Dollar.

Bei Bertelsmann taxierte man das neue Unternehmen bereits damals für das laufende Jahr auf einen Pro-Forma-Jahresumsatz in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar und einen EBITDA-Vorsteuergewinn in Höhe von 730 Millionen Dollar.

Diese Eckpunkte bestätigt das Unternehmen nun – ergänzt um den Verweis, dass man „gestützt auf das klare Bekenntnis beider Anteilseigner, in die weitere Entwicklung des Unternehmens zu investieren“, mittelfristig Umsätze von mehr als 2,5 Milliarden Dollar bei einem EBITDA von 1,2 Milliarden Dollar anstreben würde.

Unterm Strich entsteht damit ein vierter Musikmajor neben Universal Music, Sony Music und Warner Music.

Fürs erste Halbjahr 2026 hatte BMG jüngst Umsätze in Höhe von 444 Millionen Euro oder umgerechnet rund 515 Millionen Dollar und ein organisches Wachstum von acht Prozent melden können sowie EBITDA-Erträge von 127 Millionen Euro.

Die Führung der neuen BMG liegt nun zudem bei einem Board of Directors, das „für die strategische Ausrichtung, die finanzielle Entwicklung, die kontinuierliche Innovationskraft und die langfristige Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich“ zeichnen soll, wie es aus Berlin heißt. Dazu soll das Board eng mit dem Executive-Management-Team zusammenarbeiten. Dem Board of Directors gehören neben Chairman Thomas Coesfeld auch Johannes von Schwarzkopf und Rolf Hellermann (beide Bertelsmann) sowie Alex Thomson (Great Mountain Partners) und Steve Smith (Gründungspartner von Concord) an.

Update, 15.35 Uhr: In einer eigenen Mitteilung ergänzt der Bertelsmann-Konzern zudem, dass sich Bertelsmann im Zuge des Zusammenschlusses von BMG und Concord durch eine Vereinbarung mit den Vermögensverwaltern von Apollo Eigenkapital in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro gesichert habe. Apollo erwirbt dafür „eine Minderheitsbeteiligung an einem Teil des Rechteportfolios von BMG“. Das zusätzliche Eigenkapital werde es BMG ermöglichen, „ausstehende ABS-Verbindlichkeiten von BMG und Concord“ zu refinanzieren und zurückzuzahlen. 

Bei einem Asset-Backed-Securitization-Angebot im Musikgeschäft handelt es sich um die Ausgabe von Schuldverschreibungen, bei denen Master- und Verlagsrechte den Investoren als Sicherheit für ihre Einlagen dienen. Concord hatte ein solches Finanzierungsmodell zum Beispiel im Herbst 2024 in Zusammenarbeit mit Apollo Capital auf den Weg gebracht, um unter anderem eine Beteiligung an den Verlags- und Masterrechten des Reggaeton-Künstlers Daddy Yankee zu erwerben.