Musik

Die internationale Entwicklung von MTV: Von den Buggles bis zum Breitband-TV

Am 1. August 2001 feiert MTV einen runden Geburtstag und blickt auf 20 Jahre zurück. Anlass für einen Rückblick auf die Geschichte des international agierenden Musiksenders:

Am 1. August 1981 ging MTV um 12.01 Uhr mit dem Clip „Video Kills The Radio Star“ von den Buggles in den USA erstmals auf Sendung. Die beiden beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Jugendlichen – Fernsehen und Musikhören – sollten zu einer neuen, visuellen Erfahrung verschmolzen werden. MTV unterschied sich von herkömmlichen TV-Formaten in zweierlei Hinsicht: Durch Verzicht auf ein streng durchformatiertes Programm und durch die Ausrichtung auf die spezielle Zielgruppe „Jugendliche“ revolutionierte der Sender das Sehverhalten der Zuschauer und läutete die Ära des Musikfernsehens ein.

Spontan und unkonventionell sollte der Sender sein, nicht nur zum Leitmedium, sondern auch zum „Mind-Setter“ einer ganzen Generation werden. Das zentrale Element des Programms – der Musikvideoclip – bot, im 24-Stunden-Flow wiederholt, Musikfernsehen rund um die Uhr. Das Zusammenspiel zwischen innovativem Programm, am Zeitgeist orientierten Sender-Design und ausgefeiltem Marketing löste einen wahren Musikvideo-Boom aus, begeisterte viele Musikfans und veränderte die Geschäftsbedingungen für die Plattenindustrie.

1982 brachte die Kampagne „I Want My MTV“ mit Testimonials von Topstars wie Pete Townshend, Mick Jagger, David Bowie und Adam Ant den großen Durchbruch in den Staaten. Bereits 1984 erreichte MTV die Gewinnzone, worauf im August dieses Jahres der Börsengang folgte. Im selben Jahr wurde der Sender VH-1, als MTV-Ableger für Rock und Pop der 60er Jahre bis heute, gegründet.

Am 1. August 1987 ging MTV Europe an den Start: Elton John gab mit dem Video „Money For Nothing“ von den Dire Straits den Startschuss für den ersten europäischen 24-Stunden-Musikkanal. VJs aus ganz Europa wie Ray Cokes, Christiane Bakker, Steve Blame, Paul King und Lisa L’Anson moderierten die neuen Sendungen. Mit der Diversifizierung der Musikstile entwickelte MTV zunehmend Formate, die durch eine Musikrichtung bestimmt wurden, und produzierte Sendungen, die zum Teil Kultstatus erlangt haben. 1990 wurde die erste MTV Unplugged Sendung mit Squeeze, Syd Straw und Elliot Easton von den Cars ausgestrahlt.

1992 wurde das erste Mal „The Real World“ gesendet – es folgten fünf weitere Serien der Doku-Soap. 1993 durften erstmals die TV-Anarchisten Beavis and Butthead ihr Unwesen im Programm treiben. Vor der geschichtsträchtigen Kulisse des Brandenburger Tors in Berlin wurden 1994 zum ersten Mal die MTV Europe Music Awards verliehen.

1996 ermöglichte eine neue, digitale Sendetechnik das ursprünglich einheitliche, englischsprachige Programm von MTV Europe durch regionale Programmsignale zu ersetzen: MTV konnte fortan sein Programm auf die Bedürfnisse und Musikvorlieben des jeweiligen Landes abstimmen.

Seit 7. März 1997 können Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz das deutschsprachige Programm von MTV empfangen und darin spektakuläre Live-Events und Sendungen zu Musik, Mode, Lifestyle und Sport in deutscher Sprache verfolgen. Oder zusehen, wie sich in der deutschen Fassung der Knet-Animation „Celebrity Deathmatch“ auch deutsche Prominente im Ring verkneten. MTV ist längst mehr als nur Musikfernsehen und zeigt nun auch Anime-Serien wie „Golden Boy“ und „Lupin III.“, Comics wie „Spy Groove“ und die Boygroup Satire „2gether“.

Nach einer U-Bahn-Show mit Christoph Schlingensief wird es demnächst eine Sendung mit Deutschlands Pop-Literaten Benjamin von Stuckrad-Barre geben. MTV will sich auch im 21. Jahrhundert als dynamische Marke beweisen, die nicht nur präzise Sensoren für die Wünsche und Bedürfnisse des Publikums hat, sondern auch selbst Trends setzt.

Im Mai 2001 startete in Deutschland der 24-Stunden-Clipkanal MTV2 Pop, der VH-1 ablöste. MTV ist eine der führenden Marken im Entertainment Bereich für Jugendliche und kann von 330,7 Millionen Haushalten in 140 Ländern in 17 Sprachen empfangen werden. Laut einer Studie von Interbrand 2000 ist MTV eine der „World’s Most Valuable Brands“. MTV strahlt 29 regionale Sender in Asien, Europa, Latein Amerika, Russland und in den USA aus und betreibt 15 regionale Webseiten sowie Digitalkanäle für Europa und die USA. MTV hält darüber hinaus Anteile an Verlagen, Radiosendern, Musikverlagen und betreibt mit MTV Films eine eigene Filmabteilung.