Am Dienstag den 8. August, startete Audiotainment Südwest, das Medienhaus hinter bigFM, sein neues KI-Webradio namens „bigGPT“. Bereits im Juni wurde der neue KI-Radiosender in der Fachpresse angekündigt. Die Sendergruppe nutzt für das Projekt Technologie aus Ohio. Futuri Media hat ein System namens „RadioGPT“ entwickelt, das als Whitelabel-Lösung Sendern angeboten und von diesen individuell angepasst werden kann.
Update: Das Webradio ist pünktlich gestartet und präsentierte in der ersten Stunde eine etwas chaotisch-turbulente Musikmischung aus den Charts von Youtube, TikTok und Shazam. Unterbrochen wurde das Programm von Eigenwerbung sowie kleinen Nachrichtenschnippseln aus der Tech-Szene. Die spannendste Komponente am KI-Experiment ist der Umgang mit Hörer-Feedback. BigLayla antwortet recht ausführlich auf Fragen wie: Welche Zielgruppe wollt Ihr ansprechen?
Die Redaktion von MEEDIA hat den Ankündigungsartikel von vorgestern am achten August aktualisiert:
Die Eröffnungssendung wurde von der virtuellen Moderatorin „bigLayla“ präsentiert, die nicht nur das tagesaktuell zusammengestellte Musikprogramm vorstellen wird, sondern auch KI-Themen zur Diskussion stellt und mit dem Publikum interagiert. Die virtuelle Moderatorin war bereits am Montag in der Morning-Show bei „bigFM“ zu Gast und „unterhielt“ sich mit den Frühmoderatoren Kristina Fixemer und Rolf Vogl.
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„Wir wollen diese neue KI-Technologien weder hochjubeln noch verdammen. Wir haben ein sehr neugieriges und engagiertes Team und wollen für die KI-Anwendungen im Medienbetrieb eigene und neue Erfahrungen sammeln“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung Kai Fischer. Die Programm-Geschäftsführerin Valerie Weber beschreibt, wie das Team die künstlichen Moderatorinnen und Moderatoren in einer Art Trainingslager für KI-Persönlichkeiten vorbereitet hat. Man möchte nicht nur das Radio imitieren, sondern einen neuen synthetischen Audio-Kommunikations-Raum schaffen, in dem die KI-Moderatorin klare Positionen vertritt und mit den Hörern in Diskussion tritt. „Denn die Maschine ist nur so klug, wie sie Feedback von User: innen und Programmier:innen bekommt“, so Weber.
Das Programm von „bigGPT“ basiert auf den GPT-Modellen und den Vorgaben von Redakteuren, die der Software tagesaktuelle journalistische Aufgaben für die Berichterstattung und Musikzusammenstellung geben. Andy Abel, der Digitalchef von Audiotainment Südwest, betont, dass „bigGPT“ nicht nur eine AI-Audio-Entwicklung aus Amerika ist, sondern dass sie auch in Deutschland an der Technologie mitgearbeitet haben, um die Chancen der neuen KI-Technologie im Broadcasting zu erforschen. Sieben Kollegen und Kolleginnen aus Mannheim haben sich aufgemacht, die Möglichkeiten der Technologie für die Mediengattung auszuloten.
Die Technologie dahinter, „RadioGPT“, basiert auf der Kombination verschiedener Software-Komponenten, die das amerikanischen Unternehmen Futuri Media kombiniert hat. Komponenten wie Topic Pulse, Echo Automation und AI Voice mit GPT-4 von Open AI. Dadurch kann die KI menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Sprachverständnis und Problemlösung erlernen und anwenden.
Alexander Heine, der Verantwortliche für das Prompting und das Moderationstraining der KI-Stimmen, erklärt, dass das Programm zunächst auf eine technisch interessierte Zielgruppe ausgerichtet wurde, insbesondere junge Männer zwischen 15 und 35 Jahren. „bigGPT“ soll keine Konkurrenz zu herkömmlichen Radiosendern sein, sondern ein spezifisches Angebot für die 30 Prozent der Nicht-Hörer im Markt darstellen.
„BigGPT“ besteht vollständig aus computer-generierten Inhalten und synthetischen Stimmen, die auf einem dem Large Language Modell GPT basieren. Die Technologie arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, gesammeltem Wissen und lokalen Informationen aus dem Netz. Stefan Hollaender, der technisch verantwortliche Koordinator, betont die Wichtigkeit ethischer Regeln für KI-generierte Inhalte. „Natürlich ist uns bewusst, dass durch eine KI generierte Inhalte mit Vorsicht zu betrachten sind. Aus diesen Gründen haben wir uns selbst ethische Regeln auf Basis von journalistischen Standards gegeben. Dazu gehört ein 4-Augen-Prinzip, wobei wir die KI zwar selbst arbeiten lassen, aber nichts veröffentlichen, was nicht Redakteur:innen kurz zuvor gegengehört haben. Zu Beginn gehen deshalb täglich nur zwei Sendungen on-air und diese werden dann im Pilotbetrieb wiederholt.“
Andy Abel erläutert das erklärte Ziel, sich mit KI-Spezialisten aus Deutschland und anderen interessierten Medienmachern vernetzen zu wollen: „Bei der Entwicklung mit an Bord sind neben der Audiotainment Südwest und RadioGPT in Ohio auch Zaibr Innovation aus Brandenburg. Dabei ist Zaibr Innovation, eine hochinspirierende IT-Consulting-Firma aus Brandenburg, die sich auf Prompt Engineering Development und Chat GPT spezialisiert hat. Es ist wunderbar, dass neben den Expert:innen aus Ohio, es nun zu einer inner-deutschen Kooperation eines Medienhauses im Südwesten mit einer IT-Firma aus dem Nordosten kommt. Danke an alle, die uns bei diesem KI-Experiment so begeistert unterstützen.“



