Umfrage zur neuen Retouren-Regelung der BMG

Die , kleinen Händlern keine Retouren mehr zu gewähren, schlug in der Branche hohe Wellen. MUSIKWoche sprach mit den Betroffenen sowie mit zwei Großhändlern und fragte sie nach den Auswirkungen.

Jörg Loose, Inhaber Plattenlädle Reutlingen: „Von mir aus kann BMG Pleite gehen. Ich kaufe beim Großhändler sowieso billiger ein als bei BMG Ariola. Die Majors wollen doch gar nicht mehr mit den Fachhändlern kooperieren, sondern bedienen nur noch die Müllers und Mediamärkte. Unser Laden wird von der Industrie sowieso kaum betreut. Charts-Ware kauft bei mir kaum jemand. Bei einem EK-Preis von 25 Mark pro CD müsste ich 40 Mark vom Kunden verlangen. Das kann ich vergessen. Dafür bediene ich die Kunden mit Alternative Rock und HipHop – verstärkt wieder auf Vinyl. Dass solche Vorschläge wie von Herrn Kölbl das Verhältnis zwischen Fachhandel und Industrie nicht gerade verbessern, ist klar. Doch vielleicht kommt die Tonträgerindustrie irgendwann wieder darauf, das sie den Fachhändler nötig hat – spätestens dann, wenn die Bandbreite der angebotenen Musik noch weiter abnimmt und nur noch Hupfdohlen den Markt bevölkern.“

Bernd Schuberth, Inhaber von B&B Music-Shop in Weisswasser: „Für einige Fachhändler ist das der Dolchstoß. Wir Händler sind nicht zu dumm zum Disponieren. In Zukunft werden wir vorsichtiger einkaufen müssen. Ich rechne damit, dass die BMG im Weihnachtsgeschäft durch die neue Regelung erhebliche Probleme bekommt. Wenn die Entwicklung so weitergeht und auch andere Firmen mitziehen, dann stirbt der Fachhandel aus.“

Renate Pietsch, Inhaberin des Plattenladens TD-CD in Lengerich: „Das ist eine Katastrophe. Wir wurden nicht über die Neuregelung informiert. Ja, ich befürchte, dass die anderen mitziehen werden. Gerade wir kleinen Händler leben vom Service, das heisst, Kunden schnell CDs bestellen zu können. Das ist mit den Großhändlern nicht möglich. Die großen Plattenfirmen wollen uns offenbar vom Tisch haben. Sind die Kleinen weg, bestimmen die Großen den Preis.“

Peter van Dale, Inhaber des Tonträger-Geschäfts Scope in Köln: „Ich arbeite seit ein paar Jahren nicht mehr mit der Industrie zusammen, sondern nur mit Großhändlern. Seitdem ich das mache, läuft der Laden. Ich denke, dass die Majors von vielen ihrer Produkte nicht überzeugt sind, denn wer an ein Thema glaubt, gewährt ein Rückgaberecht. Andererseits muss ich auch sagen, dass derjenige kleine Händler, der gut disponiert, auch kein Problem mit Retouren hat.“

Ben Ijzendoorn, Inhaber Ohrwurm Records in Miltenberg/Main: „Wir haben kein Problem mit dieser neuen Regelung. BMG betreibt ja ohnehin kaum Außendienst für kleinere Händler. Überhaupt fühlen wir uns mit einer Ausnahme von den Majors absolut nicht ausreichend betreut. Die Majors reden nur noch über Internet und Marketing und vergessen dabei das Produkt, um das es geht. Wenn die Plattenindustrie meint, nur noch aufs Internet setzen zu wollen, verschätzt sie sich gigantisch und wird auf die Nase fallen.“

Meikel Zöllner, Geschäftsführer CD-Kiste Frankfurt/M.: „Ich kann auch ohne BMG leben und deren Produkte über den Großhandel ordern und dann eben über über diesen auch retournieren. Überhaupt bin ich mit dem Großhandel zufrieden. Dort haben die Leute wenigstens Ahnung von Musik im Gegensatz zu den Entscheidungsträgern der Industrie. Doch die werden sich umschauen, wie sie noch Sachen von unbekannten Interpreten loswerden wollen. Und wer kümmert sich um die Leute, die bei uns in den Laden kommen und uns ein Lied vorträllern, das sie haben möchten, aber Titel und Interpret nicht wissen? Die Abkehr vom Fachhandel lässt eine Servicewüste entstehen. Ich denke nämlich, dass andere Majors dem Beispiel von BMG folgen werden.“

Frank Pagenkemper, Geschäftsführer des Großhändlers MFP Tonträger: „Ich kann die Aktion der BMG durchaus nachvollziehen, da die Abwicklung der Retouren mit hohen Kosten verbunden ist. Ich hätte mir ein gemeinsames Gespräch aller Beteiligten mit der Industrie gewünscht. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass sich die Majors der kleinen und mittleren Händler entledigen wollen. Wenn sich die BMG durchsetzt, werden auch die anderen großen Plattenfirmen so eine Regelung einführen. Die kleinen Händler, die sich zu lange über die Entwicklung ärgern, müssen noch in diesem Jahr schließen.“

Uwe Broich, Geschäftsführer des Großhandel-Unternehmens Out Now: „Die Retouren-Quote wurde auch bei uns Großhändlern zurückgeschraubt. Ich hoffe, dass die BMG-Maßnahme keine Signalwirkung hat. Ob die anderen Major-Companys mitziehen, hängt von den Erfahrungen der BMG ab. Ich denke, dass das Unternehmen für die neue Regelung eine Testphase bis Weihnachten fährt und dann den Erfolg misst. Klar ist, dass ein Major die Solventa-Gruppe leichter bedienen kann als die unbetreuten Kunden. Für die kleinen Händler ist die Situation ungünstig: Wer Angst hat, bestellte Ware nicht verkaufen zu können, ordert beim nächsten Mal vorsichtiger.‘