Schweizer Urheber verlangen Quote für Schweizer Musik

Nur bei neun Prozent der in staatlichen Radioprogrammen der Schweiz gesendeten Musik handelt es sich um nationale Produktionen. Mit einer gesetzlich verankerten Quote wollen die Urheber dies langfristig ändern.

Bruno Marty, Geschäftsführer der Action CH-Rock, klagt: „1999 verteilte die SUISA 25 Millionen Franken an Autoren und Verleger. 23 Millionen davon flossen an ausländische Schwestergesellschaften.“ Und nur zwei Millionen Franken blieben in der Schweiz. Tatsächlich spielen die staatlichen Radioprogramme gemäß der SUISA-Statistik im Schnitt nur neun Prozent Schweizer Musik.

Deshalb hatte die Action CH-Rock schon 1997 eine Petition für mehr nationale Produktionen im Radio lanciert, allerdings ohne Erfolg. Die neuesten SUISA-Zahlen brachten das Fass nun erneut zum Überlaufen. Cla F. Nett, Vorstandsmitglied der Action CH-Rock sowie Jurist und Geschäftsführer der Schweizerischen Interpreten-Gesellschaft SIG, fordert eine Gesetzesänderung: „Im Bundesgesetz über Radio und Fernsehen muss die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) verpflichtet werden, während mindestens 20 Prozent der Musiksendezeit ihrer Radioprogramme nationales Musikrepertoire zu senden. Und für Privatradios, die Konzessionsgelder erhalten, soll dies auch gelten.“

Unterstützung erhalten die beiden Verbände von der SUISA. Roy Oppenheim, Leiter der SUISA-Kommunikation, erklärt: „Wir unterstützen diese klare und erfüllbare Forderung als Gegenleistung für eine Milliarde Franken Konzessionsgebühren aus den Taschen der Schweizer Bevölkerung.“ Er erinnert daran, dass die SRG-Sender „seit Jahren zwischen sieben und neun Prozent Schweizer Musik senden. Das ist weniger als bei den Tonträgerverkäufen in der Schweiz. In diesem Punkt verhält sich die SRG somit keineswegs marktkonform.“

Dem widerspricht Andreas Schefer, Programmleiter bei Radio DRS 3: Wir spielen die Musik, die den Präferenzen unseres Zielpublikums von 25 bis 45 Jahren entspricht. Der Anteil der Schweizer Musik im Programm ist überproportional.“ Schefer moniert zudem, dass die „Statistiken nicht in jedem Fall den Tatsachen entsprechen“, da es auch Schweizer Musiker wie zum Beispiel DJ BoBo gebe, die über ausländische Vermarktungsgesellschaften abrechnen und deshalb von der SUISA nicht zur Schweizer Musik gerechnet werden.

Und Quoten erachtet er grundsätzlich als problematisch: „Ein verquotetes Programm wäre unattraktiv und würde nicht den Wünschen des Publikums entsprechen. Zudem folgen Quoten nur einem quantitativen Ansatz und blenden andere Leistungen zugunsten der Schweizer Musik aus, zum Beispiel Interviews mit Interpreten.“ In diesem Punkt erhält er Unterstützung von Erwin Bach, Managing Director bei EMI Schweiz. „Ich erachte Quoten generell als untaugliches Fördermittel. Gute Musik fördert sich selbst am nachhaltigsten.“

Die IFPI-Schweiz hält sich noch bedeckt; Sekretär Dr. Peter Vosseler verweist auf die Generalversammlung von Anfang Mai. Doch die Anwesenheit von IFPI-Mitglied Vic Eugster bei der Pressekonferenz, in deren Rahmen kürzlich die Quotenforderung lanciert wurde, spricht Bände. Aktive Unterstützung sagte dagegen die SUISA zu: „Wir werden uns öffentlich, aber auch in Kontakten mit zuständigen Stellen, die etwas zum Entwurf für ein neues Radio- und Fernsehgesetz zu sagen haben, äußern und für diese legitime Forderung einsetzen“, bestätigt Oppenheim.

Nach Gesprächsrunden im Rahmen des Festivals M4Music und des Symposiums der Musikverlegervereinigung am 27. und 28. April signalisierte Programmleiter Schefer inzwischen Dialogbereitschaft. Und Bruno Marty und Cla F. Nett wären wohl auch mit einer freiwilligen Quote wie in Österreich zufrieden.