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Das Musikgeschäft in Jugoslawien
In musikwoche.de 19 erschien der erste Artikel einer dreiteiligen Reihe zur Situation der Musikbranche in der jugoslawischen Republik. Mike Hennessy, langjähriger Korrespondent von musikwoche.de und Experte für Fragen des Urheberrechts, schildert in diesem zweiten Teil die Lage der zuständigen Organisation SOKOJ.
Die SOKOJ (Savez Organizacija Kompozitora Jugoslavije) wurde am 12. Februar 1950 mit dem Ziel gegründet, Aufführungs-, Sende- und mechanische Rechte nationaler und ausländischer Autoren und Komponisten zu schützen.
1951 ratifizierte Jugoslawien die Berner Konvention, aber erst 1957 waren die darin geforderten Anpassungen des nationalen Urheberrechts vorgenommen. Bis zur Machtergreifung des Milosevic-Regimes waren 6750 Autoren, Komponisten und Publisher in der SOKOJ organisiert. Heute betreut die Gesellschaft das Staatsgebiet der im April 1992 gegründeten Bundesrepublik Jugoslawien und beschäftigt 63 Mitarbeiter.
Die Mitgliederzahl beläuft sich derzeit auf 4583 Komponisten, 1787 Autoren und Songwriter sowie auf zehn Publisher. Aufgrund der Lage in Jugoslawien gab es in den vergangenen zehn Jahren nur einen minimalen Austausch von Lizenzzahlungen zwischen SOKOJ und anderen Autorengesellschaften; unter anderem machten auch UN-Sanktionen Geldtransfers nahezu unmöglich. Die deutsche GEMA, deren Vertrag mit SOKOJ bis Dezember 2002 läuft, verzeichnet seit 1991 keinen Tantiemenaustausch mit der jugoslawischen Gesellschaft.
Ein großes Problem der SOKOJ war der Versuch der staatlichen Sendeanstalt RTS (Radio Television Serbia), die Gesellschaft mit Rückendeckung des Milosevic-Regimes aus dem Verkehr zu ziehen. RTS wollte die Aktivitäten der SOKOJ beenden und sie durch eine von ihr selbst geschaffene Organisation ersetzen: der Association of Authors and Interpreters (AAI). Diese erhielt von der jugoslawischen Regierung die Lizenz zur Verwaltung von Autorenrechten, während die Lizenz der SOKOJ entzogen und die Gesellschaft aus dem Handelsregister gestrichen wurde.
Die Pariser CISAC unterstützte SOKOJ in diesem Konflikt mit RTS: In einer Resolution vom Dezember 2000 verurteilte der CISAC-Verwaltungsrat die „anhaltende Weigerung der jugoslawischen staatlichen Sendeanstalt, ihre rechtlichen Verpflichtungen gegenüber Autoren und Rechteinha- bern zu erfüllen“. Zudem forderte die CISAC die jugoslawische Regierung auf, RTS zu zwingen, die Urheberrechtsverpflichtungen zu respektieren und der AAI die Verwaltung von Autorenrechten zu entziehen. Der Verwaltungsrat warnte die jugoslawische Regierung vor einer Ablehnung ihrer Forderung. Dies könne zu einem Verbot der Nutzung weltweit copyrightgeschützter Musik in Jugoslawien führen.
Zudem bezeichnete CISAC-Generalsekretär Eric Baptiste in Briefen an den jugoslawischen Ministerpräsidenten Momir Bulatonic und an das Ministerium für Entwicklung, Wissenschaft und Umwelt die herrschende Situation als „absurd“. Er argumentierte, dass die AAI nur gegründet worden sei, um den Interessen der RTS zu dienen und stellte dar, dass die SOKOJ mehr als 30 Jahre CISAC-Mitglied gewesen sei und die volle Unterstützung der CISAC in ihren Bemühungen um jugoslawische Urhebergesetzgebung habe.
Weiter heißt es in dem Brief: „Die Abschaffung des Rechts für SOKOJ, die Verwaltung von Autorenrechten weiter durchzuführen, führte zu großem Chaos und wird zu noch größerem Chaos führen, was sich negativ auf die Rechte von mehr als einer Million Autoren von Musik und anderer Rechteinhaber auf der ganzen Welt auswirkt.“ Nach dem Sturz von Slobodan Milosevic erhielt die SOKOJ schließlich die staatliche Lizenz zurück und ist wieder im Handelsregister eingetragen. Die Lizenz der AAI wird voraussichtlich widerrufen.
Die Wiederaufnahme der wechselseitigen Tantiemenzahlungen zwischen der SOKOJ und ihren Schwestergesellschaften aus der ganzen Welt steht als dringendes Thema auf den kommenden CISAC-Meetings zur Diskussion an. SOKOJ-Präsident Ivan Tasic glaubt, dass eine Lösung des Problems in greifbare Nähe gerückt sei. Er fügt hinzu, dass die SOKOJ ohne die fortwährende Unterstützung durch die CISAC während der vergangenen zehn Jahre nicht überlebt hätte.
Im Konflikt mit der RTS arbeitet Tasic seit einem Treffen am 16. Dezember vergangenen Jahres an einer Einigung mit RTS. Wie verlautet, bemühen sich Jugoslawiens Fernseh- und Radiostationen derzeit darum, Vereinbarungen mit der SOKOJ abzuschließen und Lizenzgebühren zu zahlen. SOKOJ schätzt diese Einnahmen für das laufende Jahr auf 1,5 Millionen Mark.
Das größte Problem für SOKOJ ist aber das hohe Niveau der Schallplattenpiraterie in Jugoslawien (musikwoche.de berichtete in Heft 19): Durch die überwältigende Dominanz der Piraten auf dem Markt ist SOKOJs Einkommen aus mechanischen Lizenzen gering. Von dem niedrigen Prozentsatz an legalen Verkäufen erhält SOKOJ Lizenzgebühren von acht Prozent des Händlerpreises. Da der Handelspreis einer legalen CD um die sieben Mark und der einer legalen Kassette 2,50 Mark beträgt, sind die Einnahmen minimal.






