Drei Klassiktonträger mit deutschen Künstlern erhielten bei der 43. Verleihung der Grammy Awards in Los Angeles die begehrten Preise. So siegten die Berliner Philharmoniker unter Leitung ihres designierten neuen Chefdirigenten Sir Simon Rattle mit ihrer Interpretation von Gustav Mahlers zehnter Symphonie EMI Classics für die beste Aufnahme eines Orchesters.
In der Rubrik „Beste Operneinspielung“ setzte sich die Gesamtaufnahme von Ferruccio Busonis „Doktor Faust“(Erato/Warner Classics) durch, bei der mit Dietrich Henschel, Dietrich Fischer-Dieskau, Markus Hollop, Torsten Kerl und Detlef Roth eine ganze Riege deutscher Gesangsgrößen mitwirkte.
In der Kategorie „Beste Chordarbietung“ triumphierte Helmuth Rilling, der Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, mit seiner Fassung von Krzysztof Pendereckis Werk „Credo“ (Hänssler Classic, deutscher Vertrieb: Naxos), das in Zusammenarbeit mit dem Oregon Bach Festival Choir und dem Oregon Bach Festival Orchestra entstand.
Maren Borchers, Leitung Presse und Promotion bei EMI Classics, sieht den Grammy-Erfolg ihrer Firma als Bestätigung, dass sich der EMI-Exklusivkünstler Rattle und das renommierte Orchester „gesucht und gefunden haben“, wie auch schon die guten Rezensionen in der Fachpresse und die überdurchschnittlichen Verkäufe gezeigt hätten.
Eine Extra-„Grammy-Kampagne“ für die Platte plant EMI Classics indes nicht, die Preisverleihung sei in erster Linie ein „Promothema“. Ihre Firma hoffe, dass „die breite Berichterstattung in den Medien das Album einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht“.
Laut Maria Kirchner, Senior PM bei Warner Classics, freue sich ihre Firma mit Dietrich Fischer-Dieskau und den anderen deutschen Sängern der „Faust“-Aufnahme über die künstlerische Anerkennung und das Prestige des Grammys, ist aber eher skeptisch, ob sich die Publicity für den Preis auch in deutlich wachsende Verkaufszahlen ummünzen lassen könne. „Das funktioniert in der Klassik erfahrungsgemäß nicht so wie im Pop-Bereich“.
Natürlich versuche Warner Classics „mit Pressemitteilungen und Informationen an den Handel, etwas in dieser Richtung zu bewirken“. Dies sei aber schwierig, zumal in Deutschland die Wichtigkeit solcher Preise im Klassikbereich leider nicht so hoch wie in anderen Ländern angesehen werde. „Etwa in Frankreich weisen die Firmen explizit mit Stickern auf den Covern auf Ehrungen und Auszeichnungen hin. Macht man dies in Deutschland, beschweren sich oft Kunden, dies mache die Optik der Cover kaputt.“
Marktchanchen in den USA
Für ein kleineres Label wie hänssler Classic sei der Grammy mit der Rilling-Aufnahme indes sehr wichtig, wie Günter Hänssler, Geschäftsführer des Hänssler Verlags, betont. Die langjährige exklusive Zusammenarbeit des Familienunternehmens mit Helmuth Rilling habe nun Früchte getragen.
Matthias Lutzweiler, Director International Sales & Marketing bei Hänssler, war selbst in Los Angeles, um in Rillings Vertretung dessen ersten Grammy, der zugleich der erste für hänssler Classic war, entgegen zu nehmen. Der Grammy werde in der Öffentlichkeit mit dem Oscar gleich gesetzt, was auch das große Echo in den Medien verdeutliche, erklärte Lutzweiler. So erschienen allein in Deutschland mehr als 150 Meldungen in der Presse zu Rillings Ehrung, Lutzweiler gab bereits in L.A. Interviews im Radio zur Preisverleihung bei SWR, HR, NDR und der Deutschen Welle.
Helmuth Rilling und Günter Hänssler luden mit weiteren Mitarbeitern des Hauses Hänssler und der Bachakademie Stuttgart zu einer Pressekonferenz ein, über die auch die „Tagesschau“ berichtete. Der Grammy sei Anreiz, „eine mit internationalen Verkäufen im fünfstelligen Bereich schon recht erfolgreiche CD“ nochmals anzukurbeln, berichtet Lutzweiler. Dies versucht hänssler Classic in Deutschland unter anderem durch Infos an den Handel, Pressepromotion und eine Bestickerung des Albums mit Grammy-Hinweis. Auch Extra-Displays sind angedacht.
Vor allem aber erhofft das Label erhöhte Absatzmöglichkeiten in den USA in Ketten wie Tower, Barnes & Noble, HMV oder den Virgin Megastores, die traditionsgemäß die Grammy-Gewinner prominent in den Läden platzieren.
Zudem biete der Grammy für hänssler Classic die Chance, den Bekanntheitsgrad des Labels zu erhöhen. Es sei schließlich das einzige deutsche Label neben der Deutschen Grammophon, das in diesem Jahr ausgezeichnet wurde. Und es sei nicht einfach, sich gegenüber Produktionen aus Amerika, für die oft viel höhere Budgets zur Verfügung stünden, durchzusetzen. Geholfen habe dabei, so Lutzweiler, dass Rilling das Album mit amerikanischen Musikern einspielte und auch die Uraufführung des Werkes in den USA stattfand.





