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Zune soll Microsofts Antwort auf den iPod werden

Microsoft hat die seit einigen Wochen kursierenden Gerüchte über einen Digitalplayer und den zugehörigen Onlineshop inzwischen bestätigt. Unter der Marke Zune soll noch in diesem Jahr ein erstes Gerät auf den Markt kommen, das sich vor allem mit WLAN-Funktionalitäten vom iPod absetzen und keine Gaming-Funktionen enthalten soll.

Microsoft hat die seit einigen Wochen kursierenden Gerüchte über einen eigenen Digitalplayer und den zugehörigen Onlineshop inzwischen bestätigt. Unter der Marke Zune soll noch in diesem Jahr ein erstes Gerät auf den Markt kommen, das sich vor allem mit WLAN-Funktionalitäten von Apples iPod absetzen und Microsoft Vorteile im Wettbewerb verschaffen soll.

Damit bricht der Softwareriese erstmals mit seiner bisherigen Strategie im Bereich Digitalmusik, die die Hardware-Entwicklung und -produktion Partnerfirmen wie Creative, iRiver, Samsung oder SanDisk überließ. Laut Christopher Stephenson, General Manager of Marketing bei MSN Entertainment Business, werde das Signet Zune als Dachmarke für eine Reihe von Playern und Produkten dienen, die in den kommenden Monaten nach und nach marktreif sein sollen. Endgültige technologische Details gab Stephenson noch nicht preis, ließ aber durchblicken, dass Kunden mit den Zune-Playern eine drahtlose Internetverbindung herstellen können werden. Auch ein direkter Austausch von Informationen zwischen den Geräten soll zumindest theoretisch möglich sein.

Unklar ist derzeit noch, inwieweit die Rechteinhaber diesen Plänen zustimmen werden. Bei Warner Music sei man „unglaublich begeistert“ über derartige Features, erklärte George White, beim US-Major als Senior Vice President für Strategy & Product Development zuständig, gegenüber dem „Billboard“. Aber da gebe es noch offene Fragen zu klären. „Das sind Dinge, die wir uns eigentlich immer von P2P-Services für den digitalen Handel erwartet hatten.“ Verträge zwischen Labels, Musikverlagen und Microsoft gibt es derzeit allerdings noch nicht.

Strittig scheint vor allem die Frage, wie viele Zunes untereinander Daten austauschen dürfen, wie oft ein Zune-Nutzer die Musik der anderen anhören kann, bevor er bezahlen muss, und wie die Rechteinhaber bei diesen Nutzungsformen vergütet werden. „Das ist ein Fall, den wir gerne klären würden“, so White. Diese P2P- bzw. Zune2Zune-Funktionalität sei ein schlagkräftiges Instrument zur Promotion von Musik. „Damit kann man Leute hervorragend für neue Musik begeistern.“

Für Microsoft soll das Thema Zune indes nicht bei der Musik Halt machen. Künftige Player sollen auch für Video und Games geeignet sein. Man verfolge eine „ganzheitliche Herangehensweise“ an Musik und Entertainment, heißt es. Stephenson geht davon aus, dass sich verschiedene Microsoft-Systeme künftig drahtlos miteinander verständigen können. Dann sollen Media-Center-PCs, die Xbox 360, Handys und Zunes per WLAN-Netz verknüpft werden können. Beobachter fürchten allerdings, dass Microsoft seinem Projekt einen allzu treffenden Namen verpasst hat: „Zune“ klingt englisch ausgesprochen fast wie „soon“ („bald“) und weckt Erinnerungen an oft unerfüllte Erwartungen aus Redmond.

Die Entwickler müssten erst noch den Beweis erbringen, dass sie ein ähnlich nahtloses Konzept wie Apple mit iTunes und iPod auf die Beine stellen können, meint Shaw Wu von American Technology Research. Bislang seien alle Versuche, an der Dominanz des iPod zu kratzen, gescheitert. Microsoft wäre besser beraten, seine bestehenden Partnerschaften mit anderen Herstellern intensiver voranzutreiben, ergänzt Stephen Baker von der NPD Group. Mit den Zune-Plänen tritt Redmond nämlich nun in direkte Konkurrenz zu seinen Kunden.

Bislang ist nicht bekannt, ob Downloadplattformen wie Napster, Urge, Yahoo! Music oder Rhapsody und die Geräte von Samsung, iRiver & Co. mit Zune kompatibel sein werden. Dass es Microsoft ernst meint mit Zune, verdeutlicht eine weitere Aussage von Stephenson: Man werde zur Markteinführung eine ähnlich intensive Marketingkampagne inszenieren wie beim Start der Xbox 360. Die soll angeblich eine halbe Mrd. Dollar gekostet haben.

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