Der Startschuss fiel Ende 2002: Damals machte die baden-württembergische Landesregierung unter dem CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel den Weg frei für die Popakademie am Standort Mannheim. Eine visionäre Entscheidung, denn damals standen die Zeichen im Musikgeschäft viel mehr auf Sturm denn auf Aufbruch.2002 schloss die deutsche Musikwirtschaft mit einem Umsatzminus von 11,3 Prozent ab; 2003 brach der Markt gar um 19,8 Prozent ein. Während die Musikwirtschaft also in einer schweren Krise steckte, gründete Baden-Württemberg im April 2003 in Mannheim offiziell die Popakademie, und schon im Juni 2003 folgte der erste Spatenstich für den Neubau der Akademiegebäude in der Hafenstraße im Stadtteil Jungbusch. Mit dabei waren damals der Sohn Mannheims Xavier Naidoo, der damalige Geschäftsführer der Deutschen Phonoakademie, Oliver Schulten, der damalige Staatsminister Christoph Palmer, der damalige Universal- Music-CEO Tim Renner sowie die Popakademie- Geschäftsführer Udo Dahmen, Hubert Wandjo und Dirk Metzger, der sich inzwischen um die Belange der Karslruher Kreativwirtschaft kümmert. Das erste Semester begann im Oktober 2003 mit 53 Studierenden; von da an setzte die Popakademie Kurs in Richtung Professionalisierung, und bis heute navigiert sie mit Erfolg. Das wirkt sich nicht nur in der Branche, sondern auch direkt vor Ort aus: „Die Popakademie und die gesamte Strategie haben die Stadt nachhaltig verändert“, sagt Sebastian Dresel als Beauftragter für Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Mannheim. Die Bedeutung der Institution für Stadt und Land sei immens: „Die Popakademie und das sie umgebende Förderumfeld haben aus einer musikwirtschaftlich ehemals weitgehend unbedeutenden, normalen deutschen Großstadt einen funktionierenden musikwirtschaftlichen Netzwerkknoten gemacht, von dem aus professioneller Zugang zum Musikmarkt möglich ist. Das ist, vor allem im Kontrast zur Situation von vor 15 Jahren, eine unbeschreibliche Entwicklung.“ Dabei spielt Mannheim im Vergleich zu den großen Musikstädten seine ganz eigenen Stärken aus. Dresel hebt zwei Aspekte hervor: „Mannheim ist keine Metropole wie Berlin – man muss konstruktiv damit umgehen. Wer hier an seiner Kar – riere oder an seinem Modell arbeitet, tut das aus professioneller Überzeugung.“ Diese „hochverdichtete Umgebung aus vielen unterschiedlichen, aber konzentrierten Mitstreitern, gepaart mit einem tiefenscharfen Unterstützungssystem aus Wirtschafts- und Kulturförderung“ werde man „andernorts so nicht finden“. Das weit gespon – nene Fördernetzwerk spielte von Anfang an eine tragende Rolle und bot die für den Aufbau einer Hochschule abseits der etablierten Pfade nötige Rückendeckung: Deshalb danken nun die Direk – toren dem Staatsministerium Baden-Württemberg, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Stadt Mannheim, den aktuellen und ehemaligen Gesellschaftern sowie Akteuren wie Xavier Naidoo oder Michael Herberger, dem Keyboarder, Songwriter, Produzenten und musikalischen Leiter der Söhne Mannheims. Doch auch die Leistungen des Popakademie- Teams sorgen dafür, dass die Stadtoberen dem Institut weiterhin den Rücken stärken: „Die Popakademie steht für den Mut, neue Wege zu gehen und Akzente zu setzen“, fasst der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Peter Kurz, in einem Grußwort zusammen. „Sie steht für fundiertes Wissen und für lebendige Kultur. Für professionelles Handeln und für Leidenschaft. Damit steht sie in herausragender Weise für Mannheim insgesamt.“ Auch international sind die Popakademiker bestens vernetzt: Sie verweisen auf Austauschmöglichkeiten und Verbindungen zu 17 Institutionen in Europa, den USA, Israel und China. Über die Grenzen Mannheims hinaus hat sich die Popakademie allerdings nicht nur mit dem Lehrangebot in den Bereichen Popmusikdesign und Musikbusiness einen Namen gemacht. Auch Aktivitäten abseits der Studiengänge spielen eine wichtige Rolle: Das reicht von Branchentreffs wie dem Kongress Zukunft Pop und dem Future Music Camp über Fortbildungs angebote und Gastvorträge im Rahmen der Ver anstaltungsreihe Open House mit Rednern wie Universal-Music-Boss Frank Briegmann, BAP-Musiker Wolfgang Niedecken, Produzent Moses Schneider oder Moderator Steve Blame bis hin zur School of Rock: Hier touren Teams aus Popmusikdesign-Studenten und Dozenten bereits seit 2005 jede Jahr durch Schulen in Baden-Württemberg, um „die Sinne für den kreativen Umgang mit Popularmusik zu schärfen und die Kreativität zu fördern“. Festwoche mit Jubiläumskonzert Mit diesen vielen Projekten stelle die Popakademie „ihren Anspruch als Kompetenzzentrum für die Musikbranche“ unter Beweis, betont Udo Dahmen im MusikWoche-Interview (Seite 14/15). Als Wettbewerber von Ausrichtern anderer Branchentreffs aber sieht er sich nicht: „Wir liefern zu den laufenden Diskussionen eigene Beiträge, in denen sowohl die Vordenker als auch die künftigen Kreativen über kommende Entwicklungen sprechen. Wir stehen mit unseren Plattformen wie Future Music Camp, Kongress Zukunft Pop und Branchenmeeting in einem sehr direkten Austausch mit den jungen Künstlern und der neuen Generation von Entscheidern in der Branche und liefern damit einen eigenständigen, zukunftsorientierten Beitrag.“ Einen eigenen Beitrag zum Zehnjährigen stellte die Popakademie in der Festwoche mit abschließendem Jubiläumskonzert am 19. Juli im Capitol Mannheim auf die Beine, bei dem unter anderem Maike Rosa Vogel, The Intersphere, Die Schlagzeugmafia und My Baby Wants To Eat Your Pussy auftreten.
Zehn Jahre Popakademie: Kreativer Kader
Der Startschuss fiel Ende 2002: Damals machte die baden-württembergische Landesregierung unter dem CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel den Weg frei für die Popakademie am Standort Mannheim. Eine visionäre Entscheidung, denn damals standen die Zeichen im Musikgeschäft viel mehr auf Sturm denn auf Aufbruch.






