Recorded & Publishing

www.musik-promotion.net geht in die Testphase: Digitale Allzweckwaffe für Radiosender

Mit der Website www.musik-promotion.net will der Dienstleister PhonoNet künftig Plattenfirmen die Möglichkeit geben, Radiosender digital zu bemustern. Das Projekt wird am 13. Juni offiziell vorgestellt. musikwoche.de hat einen ersten Blick auf die Website geworfen und mit Testern und Entwicklern gesprochen.

Nach einem Login in den geschützten Bereich der Website bietet sich dem Benutzer ein Anblick, wie er ihn von zahlreichen Journalisten-Lounges der Plattenfirmen kennt: Eine Liste der aktuellen Veröffentlichungen steht im Mittelpunkt, per Mausklick lassen sich die Titel anhören oder eine Bestellung für eine sendefähige Version aufgeben. „Diese kommt dann im WAV-Format verlustfrei komprimiert über das Internet auf den Server des jeweiligen Radiosenders“, wie Sven Kilthau-Lander, Director Promotion/Publicity/PR bei Mercury erklärt. Damit wird ein Hauptproblem umgangen, das die Sender in der Vergangenheit mit CD-Bemusterungen hatten: Der oftmals vorhandene Kopierschutz erschwerte das Einlesen der Titel in die Musikdatenbanken der Sender. Sehr nützlich auf der Website ist die umfangreiche Verlinkung auf Coverabbildungen, Künstlerbiographien oder die jeweils verantwortliche Plattenfirma. Eine „virtuelle Redaktionskonferenz“ vernetzt wiederum die Redakteure des Senders und macht die verschiedenen Playlists für die Teilnehmer sicht- und editierbar.

Für die Entwicklung von musik-promotion.net griff PhonoNet auf die Kompetenz des Arbeitskreises Promotion des Bundesverbands Phono zurück. In ihm fanden sich Merret Levermann (Vorsitzende, WEA), Susanne Hort (EMI), Hermann Kessler (BMG Ariola München), Gaby Bartolomeo (Sony Music International), Sven Kilthau-Lander (Mercury), Jeff van Gelder (Virgin), Doreen Schimk (edel) und Thorsten Hansen (Bundesverband Phono) zusammen. Derzeit testen Redakteure des Hessischen Rundfunks und von Radio Hamburg die Site. Tanja Strötzel, Head of Music bei Radio Hamburg, ist voll des Lobes: „Die Website ist sehr übersichtlich, und die Anforderung von Infos klappt hervorragend.“ Hermann Kessler, Leiter Radiopromotion bei BMG, sieht in dem Tool „unsere Zukunft“: „Viel wichtiger als der Aspekt, dass wir langfristig mit der digitalen Bemusterung Geld sparen, ist, dass wir unsere musikalischen Inhalte wieder sicherer machen und vor illegalem Kopieren schützen.“ Kessler erhielt als Reaktion auf den Artikel in musikwoche.de E-Mails von Radioredakteuren, die sich verunsichert zeigten. „Das kenne ich aber noch von der Umstellung von Vinyl auf CDs“, erklärt Kessler. Er ist sicher, dass sich der Dienst durchsetzen wird, und Jeff van Gelder, Head of Radio & TV Promotion bei Virgin Records Germany, stimmt ihm zu: „Langfristig wird die digitale Bemusterung zur Selbstverständlichkeit werden.“ Radiopromoter wird es nach Auskunft von Sven Kilthau-Lander aber auch in Zukunft geben, „der persönliche Kontakt ist unerlässlich“.