musikwoche.de: Was ist das Besondere an dieser, der inzwischen dritten Live-Platte von Bap?
Wolfgang Niedecken: Es gab von usn fast alle zehn Jahre ein Live-Album. „Bess demnähx“, die 1983 erschien, steht für die Zeit, in der wir erstmals bundesweit Erfolg hatten und unsere erste richtig große Hallentournee spielten. Die Phase um 1991, als mit „… affrocke!!“ unsere zweite Live-Platter erschien, war keine Zeit, die ich sehr genossen habe. An dem Album ist nachher sehr viel geschönt worden, es wurde ein sehr glattes Ding. Um ehrlich zu sein: Mir hat es nicht gefallen. Das war eher ein Album, das mir ein bisschen peinlich war.
mw: Bei „Övverall“ war das nun anders?
Niedecken: Genau. Es gab keine Overdubs. Wir haben zwei Abende in der KölnArena mitgeschnitten, so dass die CD und vor allem die DVD, die ein komplettes Konzert enthält, ein wirkliches Konzerterlebnis wiedergibt.
mw: Wie kam es dazu, dass nun CD, DVD und der Film gleichzeitig auf den Markt kommen?
Niedecken: Das war eigentlich Zufall. Denn das Live-Album entstand, weil es in der Fangemeinde das verstärkte Verlangen danach gab, nach zehn Jahren wieder ein Live-Album zu besitzen. Schon nach dem „Tonfilm“-Album war die Nachfrage danach sehr groß. Aber das wollten wir nicht, denn das eh schon live im Studio eingespielte Material auf Tonfilm einfach nur noch mal für eine Doppel-CD zu erweitern, kann es einfach nicht sein. Und das Normalste der Welt, zum Film einen Soundtrack herauszubringen, konnten wir auch nicht, denn dann hätten wir wieder einen Zusammenschnitt aus allen möglichen Phasen der Band veröffentlicht, den die Bap-Fans schon auf verschiedenen Alben zuhause haben.
mw: Was folgte daraus?
Niedecken: Wir haben uns deswegen überlegt, das neue Live-Album jetzt herauszubringen, um zu zeigen, wie die Band unter den Gesichtspunkten einer richtigen Rock’n’Roll-Tournee spielt – im Gegensatz zum Film, der die Band in einer anderen Phase zeigt. Das war nämlich die einzige Tour, wo wir vor sitzenden Leuten gespielt haben.
mw: Transportiert die neue CD auch ein neues Image, nachdem BAP in den 80er Jahren ja vor allem als politische Band wahrgenommen wurde?
Niedecken: Das war eher ein Medien-Image, denn bis Mitte der 80er haben wir unglaublich viel auf der Bühne geblödelt. Wir haben da schon unheimlich viel Scheiße gemacht… Irgendwann wurde das jedoch ernster und inzwischen sind wir im Laufe von vielen Berufsjahren natürlich gelassener geworden. Es gab zwar eine Zeit, in der ich versucht habe, den Leuten politische Zusammenhänge aufzudröseln, aber das habe ich komplett eingestellt. Das Politischste, was eine Band oder eine sonstige künstlerische Aktion tun kann, ist auf die Veränderbarkeit von Zuständen hinzuweisen. Was das für Veränderungen sind, und wie sie es verändern wollen, müssen die Leute selbst entscheiden. „It“s all in the songs“, wie Dylan einmal gesagt hat.






