musikwoche.de: Die PolydorIsland Group nennt sich „größte deutsche Pop-Company“. Woran lässt sich das festmachen? Tom Bohne: Natürlich am Künstlerstamm: Da ist zum einen der gesamte internationale Bereich, der von Island Mercury und A&M/Polydor nun zusammen bei der PIG aufläuft. Zum anderen das gesamte nationale Repertoire der ehemaligen Polydor, mit dem wir im letzten Jahr unseren Domestic-Marktanteil bei Singles und Alben um je ein Prozent steigern und dadurch bei den Jahres-Charts im Singles-Segment Platz eins und bei den Alben Platz zwei belegen konnten. So ist die größte Pop-Company gleichzeitig als Ziel und Anspruch zu sehen. Dafür werden wir weiterhin sehr hart arbeiten.
mw: Droht bei einem derart großen Repertoire nicht der Überblick verloren zu gehen? Wieviele Themen kann ein einzelner Produktmanager denn vernünftig betreuen? Bohne: Eigentlich sind es, gemessen an der Mitarbeiterzahl, sogar weniger Künstler als vorher bei der ehemaligen Polydor und Island Mercury zusammen. Zum Beispiel geben wir das Domestic-Repertoire von Island Mercury an die MotorUrbanDefJam Group ab – mit Ausnahme des Labeldeals mit 3p. Das liegt einfach daran, dass Island Mercury bisher eher rockig gesignt hat, PIG allerdings eine Pop-Company ist. Das heißt, unser nationales Repertoire bleibt im Prinzip das der „alten“ Polydor. Zudem wird Island/Zeitgeist zukünftig kein reines Track-driven Dance-Geschäft mehr betreiben, sondern sich noch viel mehr dem progressiven Pop widmen. Das wiederum heißt: Das Label Island wird von Grund auf für progressive Pop-Acts stehen und Zeitgeist sich eher um alben-orientierte Dance-Künstler à la Kai Tracid kümmern. Das Schnelldreher-Business überlassen wir eher Urban. Somit haben wir bei gesteigerter Man-Power weniger nationales Repertoire und genügend Platz, um aggressiv am Markt weiterhin spannende Pop-Acts zu akquirieren und mit genügend Betreuungsintensität bearbeiten zu können.
mw: Droht dann dafür im internationalen Bereich der Overkill? Bohne: Dort haben wir jetzt deutlich mehr Acts: solche, die von Island Mercury kommen, plus A&M und Polydor. Aber dafür werden wir in diesem Bereich viel fokussierter arbeiten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass wir auch dort mehr Personal haben. Bei Polydor gab es für International früher zweieinhalb Produktmanager ohne Marketingchef. Jetzt haben wir mit Lars Grewe einen Senior International Director plus vier Produktmanager.
mw: Wieviele Mitarbeiter hat die PolydorIsland Group nun? Bohne: Insgesamt werden 55 Leute bei uns arbeiten. Das sind 19 Personen mehr als bei Polydor. Damit sind wir aber in etwa auf gleicher Höhe mit der MotorUrbanDefJam Group. Bei Polydor National arbeiten wir mit elf, bei Island/Zeitgeist National und bei International mit jeweils acht Leuten. Das Verhältnis 19:8 zeigt, welchen Stellenwert wir dem nationalen Bereich beimessen.
mw: Wie soll das Umsatzverhältnis zwischen national und international künftig idealerweise aussehen? Bohne: Bei Polydor hatten wir im letzten Jahr einen nationalen Umsatzanteil von 70 Prozent. Für die Zukunft dürfte auf Grund des Anwachsens des internationalen Bereiches ein 50:50-Verhältnis ein vernünftiges Ziel sein.
mw: Dann muss einem ob des deutschen Produkts bei PIG nicht bange werden, oder? Bohne: Sicher nicht. Es gibt bei Universal schießlich die Task Force für deutschsprachigen Nachwuchs.
mw: Hört, hört! Wer leitet die? Bohne: Tim Renner und Jorgen Larsen. Außerdem sind dort Johannes Cordes, Tim Dobrovolny, Michael Kucharski, Joe Chialo, Petra Husemann-Renner, Daniel Pieper, Sven Kilthau-Lander und ich tätig. Die PolydorIsland Group hat sich als ganz großes Ziel gesetzt, im deutschsprachigen Sektor neue Künstler zu fördern und langfristig zu begleiten. Wir glauben, dass das Kulturgut deutsche Sprache unbedingt noch mehr transportiert werden muss. Zudem ist das ein wachsendes Marktsegment. Deutsche A&Rs haben es leider in den letzten Jahren versäumt, deutsche Künstler am Markt zu etablieren – mal abgesehen von Xavier Naidoo, Laith Al-Deen und Glashaus.






