Recorded & Publishing

Warner und EMI bereiten angeblich Fusionsverhandlungen vor

So oft schon wurde eine Fusion von EMI und Warner Music geplant und über angebliche Pläne spekuliert, dass neue Gerüchte kaum noch für Aufsehen sorgen. Doch nun scheint es tatsächlich wieder ernst zu werden mit dem Konsolidierungsprozess der Musikmajors. Die Banken sollen schon beauftragt sein.

So oft schon wurde eine Fusion von EMI und Warner Music geplant und über angebliche Pläne spekuliert, dass neue Gerüchte kaum noch für Aufsehen sorgen. Doch nun scheint es tatsächlich wieder ernst zu werden mit dem Konsolidierungsprozess der Musikmajors. Die Banken sollen schon beauftragt sein. Laut Informationen der Londoner „Sunday Times“ bereiten die EMI Group und die Warner Music Group (WMG) unverbindliche Verhandlungen vor, die zur Bildung des drittgrößten Musikkonzerns führen sollen. Unternehmensnahe Quellen verrieten dem Blatt, dass die Gespräche zwischen den beiden Firmen, die in den letzten Monaten immer nur sehr locker geführt wurden, in wenigen Monaten mit der klaren Absicht zum Zusammenschluss wieder aufgenommen werden sollen. Die Delegationen hätten den Auftrag zum „Deal-Machen“.

Für EMI sollen demnach die Banken UBS und Citigroup mit am Verhandlungstisch sitzen, die WMG hat dem Vernehmen nach Goldman Sachs und Lehman Brothers beauftragt. Bei den aktuellen Börsenwerten der beiden Majors geht es um eine Fusion in der Größenordnung von rund 7,5 Mrd. Dollar (6,1 Mrd. Euro). Ein ungenannter Berater der beiden Firmen sagte der „Sunday Times“: „Dieses Geschäft wird stattfinden. Nun geht es nur noch um den richtigen Zeitpunkt.“ Aber auch die Art und Weise der Firmenhochzeit wird zu diskutieren sein. Eine Fusion zweier gleichberechtigter Partner, wie sie beim Zusammenschluss von BMG und Sony Music praktiziert wurde, gilt branchenintern als bedenklich, da es sich als schwierig erwiesen hat, unterschiedliche Unternehmenskulturen, Führungsansprüche und Kompetenzverteilungen zusammenzuführen.

Als wahrscheinlicher gilt daher die Option, dass eine Firma die andere kauft. Beim gegenwärtigen Börsenkurs verfügt EMI über einen minimal größeren Marktwert. Doch im Kernmarkt des Musikgeschäfts – den Vereinigten Staaten – hat Warner mit 18 Prozent den weitaus größeren Marktanteil. EMI ist mit seinen zehn Prozent Anteil am US-Markt eher ein großer Indie als ein ernster Konkurrent für Warner, Universal und Sony BMG. EMI und Warner hatten in der Vergangenheit wiederholt versucht, einen Zusammenschluss herbeizuführen. Einmal verhinderten die Kartellwächter die Fusion.

Zuletzt scheiterte EMI mit seinem Kaufgebot für Warner Music im Jahr 2003. Damals erhielt die jetzige Führungsspitze der WMG um CEO Edgar Bronfman jr. den Zuschlag, als der Time-Warner-Konzern seine Musiksparte abstieß. Ein Veto der Wettbewerbshüter wird von Beobachtern indes heute kaum noch erwartet – die Branche hat sich in den letzten Jahren so sehr verändert und an Umsätzen verloren, dass ein Einspruch von EU-Kommission und FTC als unwahrscheinlich gilt.

Allerdings würden sich die Wettbewerbshüter die Verlagsabteilungen der Fusionskandidaten genauer ansehen. EMI Music Publishing ist mit seinen rund 20 Prozent Weltmarktanteil bereits jetzt Marktführer. Zusammen mit Warner/Chappell hätte man gut 35 Prozent Marktanteil. Die Verlage von BMG und Universal kommen nur auf jeweils 12,5 Prozent, Sony/ATV gar nur auf 7,5 Prozent.

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