Kurz bevor der EMI-Vorstand in der Woche vor Pfingsten das Übernahmeangebot von Terra Firma in Höhe von 265 Pence je Aktie angenommen hatte, wollte die Warner Music Group (WMG) zusammen mit Investor Cerberus eine Gegenofferte lancieren. Doch offenbar konnten sich die beiden Kaufinteressenten nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen.
Der „Sunday Telegraph“ berichtete unter Berufung auf Insiderquellen, dass Warner und Cerberus einen Zweistufenplan verfolgten, der einerseits Terra Firma ausbooten und andererseits den EMI-Aktionären mehr Geld ohne kartellrechtliches Risiko versprechen sollte. Demnach hätte eine Cerberus-Offerte zunächst mit dem Terra-Firma-Gebot gleichziehen sollen und die WMG hätte bei einem erfolgreichen Weiterverkauf von EMI später einen Aufpreis an die EMI-Aktionäre bezahlt. Somit seien die Briten von den wettbewerbsrechtlichen Unsicherheiten der Majorfusion entlastet worden.
Warum es letztlich doch nicht zu einem gemeinsamen Vorgehen von Warner und Cerberus kam, ist nicht bekannt. Stattdessen wird nun wieder vermutet, dass der US-Konzern und diverse Private-Equity-Firmen an separaten Angeboten für die EMI Group arbeiten. Die „Financial Mail“ bringt nun auch Roger Ames wieder ins Spiel. Der einstige WMG-Chef war monatelang als Berater für EMI tätig und hatte erst Anfang des Monats die Leitung von EMI Nordamerika übernommen. Dem Vernehmen nach soll Ames auf der Wunschliste von Cerberus stehen und den gesamten Major leiten, sollte der Investor als Käufer zum Zug kommen.
Mit dem derzeitigen EMI-Führungsteam plant offenbar nur Terra Firma auch in Zukunft noch. Warner würde bei einem Zuschlag selbst das Ruder übernehmen. In anderen Szenarien gelten Jim Fifield, Charles Koppelman und Michael Ovitz als mögliche Spitzenmanager nach einem Buyout. Sollte CEO Eric Nicoli tatsächlich seinen Posten räumen müssen, steht ihm nach fast acht Jahren an der Spitze des Unternehmens eine Abfindung von gut drei Millionen Pfund (umgerechnet über 4,4 Millionen Euro) zu, berichtet der „Telegraph“. An regulärem Salär würden ihn 1,6 Millionen Pfund erwarten, zusätzlich besitzt der 55-Jährige EMI-Anteile und Aktienoptionen, die bei einem Kurs von 265 Pence pro Aktie mehr als 1,4 Millionen Pfund wert sind.
Ins Pfingstwochenende ging das EMI-Papier mit einem Kurs von 275,25 Pence – mehr als zehn Pence über dem Terra-Firma-Gebot.





