Die baldige Fortsetzung des Fusionsflirts zwischen EMI und Warner Music scheint derzeit fraglich. EMI will mehr Geld, das Warner derzeit wohl nicht hat. Vor allem die Entwicklung der Börsenkurse spricht im Moment gegen einen Deal.
Die Papiere der EMI Group schlossen am 13. März zwar erneut im Minus, doch ein Wert von 237,50 Pence ist inzwischen völlig normal für den britischen Major. Bedenklicher ist da schon das Abschneiden der Warner Music Group an der Wall Street: Die US-Firma liegt mit nur noch 17,62 Dollar auf dem Tiefstwert der letzten 52 Wochen. Die WMG-Aktie gab am Dienstag um 3,66 Prozent nach, nachdem sie schon in den Tagen davor immer tiefer gesunken war. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Fusionsverhandlungen mit EMI im Sommer 2006 kletterte Warner bis auf 31 Dollar pro Anteilsschein.
Angesichts des mangelnden Vertrauens der Anleger fehlt CEO Edgar Bronfman jr. nun der Spielraum für große Offerten in Richtung London. 280 Pence pro EMI-Aktie soll das höchste der Gefühle für Warner sein, hat die „Times“ erfahren. Das würde bedeuten, dass Warner im Vergleich zum letzten 260-Pence-Angebot 160 Millionen Pfund mehr – also insgesamt 2,24 Milliarden Pfund – aufbringen müsste, um den Mitbewerber zu schlucken.
Aber selbst ein solches Angebot dürfte die EMI-Chefs Eric Nicoli und John Gildersleeve kaum umstimmen – selbst wenn EMI derzeit nur 1,9 Milliarden Pfund wert ist. Was unter anderem daran liegt, dass sich Warner noch nicht bereit erklärt hat, die Kosten für ein etwaiges Scheitern der Fusion bei den Wettbewerbshütern der EU zu tragen. Eine öffentliche Festlegung auf solche Konditionen scheint der US-Konzern derzeit tunlichst vermeiden zu wollen.
Auch die Höhe eines Übernahmeangebots wollen die Amerikaner nicht selbst aussprechen. Dies würde nach den britischen Börsenregeln nämlich bedeuten, dass binnen eines halben Jahres keine niedrigere Offerte mehr gemacht werden darf. Darum gehen Beobachter davon aus, dass Bronfman in Ruhe abwarten wird, wie sich EMI in den kommenden Monaten entwickelt.





