Die Warner Music Group geht mit ihrem Transparenzbericht in die zweite Runde: So zeichnet der am 26. Januar vorgelegte „Environmental, Social, Governance (ESG)“-Report Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit und im Umgang miteinander nach. Zugleich nutzt die aktuell doppelt besetzte Konzernspitze die Präsentation des Berichts aber auch für einen öffentlichen Schulterschluss in der kurz bemessenen Übergangszeit.
„In einer oftmals zerrissenen Welt hat Musik die Kraft, den Einfluss und auch die Reichweite, Menschen zusammenzubringen“, schreiben also in einem gemeinsamen Vorwort der Ende Januar vom Posten des CEO scheidende Stephen „Steve“ Cooper und der bereits seit Jahresbeginn als Co-CEO amtierende Robert Kyncl, der mit dem Abschied Coopers die alleinige Leitung des Musikkonzerns übernimmt. Die gesamte Musikkultur sei heute zugleich globaler und regionaler ausgerichtet als je zuvor. Die eigenen Bemühungen in Sachen Diversität, Gleichheit und Inklusion sowie Nachhaltigkeit und Fairness betrachte man ebenfalls unter diesem Gesichtspunkt: „Unsere Reise kann nie abgeschlossen sein und steht noch ganz am Anfang, aber einige lokale Initiativen sind bereits zu wichtigen Wegweisern für unser unternehmensweites Vorgehen Prioritäten geworden“, schreiben Cooper und Kyncl und machen klar: „Wir können unsere globalen Versprechen nicht ohne die Bemühungen unserer lokalen Teams halten.“
Anschließend geht es im „ESD“-Bericht unter anderem um tonnenweise eingesparte Treibhausgase: So streicht Warner Music unter anderem erste Erfolge beim Klimaschutz heraus und verweist auf eine deutliche Reduktion des eigenen CO2-Fußabdrucks nach Scope 1 und Scope 2 im Vergleich zum vorpandemischen Jahr 2019.
In Klimabilanzen spricht man von Scope 1 und 2, wenn es erstens um den direkt im Unternehmen verursachten CO2-Ausstoß und zweitens die indirekte Freisetzung klimaschädlicher Gase zum Beispiel durch Energielieferanten geht; Scope 3 meint dann drittens die anteilige Bilanz am Fußabdruck der Lieferketten. Diese wolle man nun künftig ebenfalls stärker in den Fokus rücken, kündigt Warner Music an, und will sich zudem die Reisetätigkeiten der Mitarbeitenden vorknöpfen.
Auf erste Erfolge verweist der Musikkonzern zudem bei der Fertigung von Tonträgern. Die dürfte schließlich durch den Einsatz von Kunststoffen und Chemikalien, aber auch durch die Versandlogistik eine der wohl größten Baustellen der Musikwirtschaft in Hinblick auf den Klimaschutz sein. Hier habe man allein durch die Umstellung zahlreicher LP-Pressungen von 180 Gramm auf 140 Gramm im vergangenen Jahr bereits 460 Tonnen an Material einsparen können. Bei der Herstellung von CDs stelle man zudem zunehmend vom Jewel Case auf Digipacks um.
Als Aushängeschild dient dem Konzern hierzu die britische Niederlassung: So seien 2022 in UK bereits 94 Prozent der Frontline-Veröffentlichungen von LPs als 140-Gramm-Pressungen in den Handel gegangen und 90 Prozent der Frontline-CDs in Pappverpackungen.
Dem Arbeitsklima und Wohlbefinden der Mitarbeitenden weltweit sowie Fragen der Diversität, Gleichheit und Inklusion widmet Warner Music mehrere Kapitel, bevor es dann um eine erste Bilanz der Fairness-Initiative des Unternehmens geht. Hier habe man im Rahmen des „Legacy Unrecouped Advances“-Programms inzwischen allein im Recorded-Bereich rund 4500 Kreativschaffende identifiziert, die schon im vergangenen Jahr von dem Vorstoß profitieren konnten; weitere 1600 kommen aus dem Verlagsgeschäft hinzu.
Das Programm richtet sich an Künstler:innen, die noch vor dem Jahr 2000 einen Vertrag bei Warner Music unterzeichnet und nach der Jahrtausendwende keine Vorschüsse mehr erhalten haben. Hier hat Warner Music angekündigt, offene Rechnungen aus längst vergangenen Zeiten, etwa für Vorschüsse sowie anteilige Produktions- oder Marketingkosten, nicht mehr länger gegen aktuelle Einnahmen aus dem Streaming aufrechnen zu wollen.





