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Warner Music liebäugelt mit feindlicher Übernahme von EMI

Die EU schickt die Prüfung von Sony BMG in die Verlängerung, der Wert von Warner dümpelt auf Tiefstwerten und in Sachen DRM haben EMI und Warner unterschiedliche Ansichten. Dennoch plant Warner Music einen neuen Vorstoß zur EMI-Übernahme.

Die Europäische Kommission hat die Fusionsprüfung von Sony BMG auf unbestimmte Zeit in die Verlängerung geschickt, der Börsenwert der Warner Music Group (WMG) dümpelt seit Wochen auf Tiefstwerten und in Sachen DRM haben EMI und Warner grundsätzlich unterschiedliche Ansichten. Dennoch plant die WMG-Spitze einen erneuten Vorstoß zur Übernahme der EMI Group.

Diesmal wollen die Amerikaner allerdings die enttäuschten Aktionäre des britischen Majors direkt ansprechen. Die „Sunday Times“ berichtete am Osterwochenende von Überlegungen im Warner-Lager, die auf eine feindliche Übernahme der EMI Group hinauslaufen. Nachdem die EMI-Spitze um CEO Eric Nicoli und Chairman John Gildersleeve mehrere Offerten aus New York zurückgewiesen hatte, soll den wichtigsten Anteilseignern des britischen Unternehmens nun ein persönliches Angebot gemacht werden.

Bei manchen Aktionären könnte diese Strategie aufgehen – die wiederholt geplatzten Deals zwischen EMI und Warner stießen bei einigen strategischen Investoren auf Unverständnis. Auch wenn einige professionelle Beobachter von einer EMI-Warner-Hochzeit abraten, solange die EU nicht geklärt hat, ob der Zusammenschluss zu Sony BMG kartellrechtlich einwandfrei war, scheint man im Warner-Lager diesbezüglich wenig Bedenken zu haben.

Gerade jetzt, wo die europäischen Wettbewerbshüter Sony BMG genauer unter die Lupe nehmen, sei der richtige Zeitpunkt, um die Weichenstellung für das künftige Gesicht der Branche vorzunehmen. Nach Ansicht der Amerikaner soll dieses künftig drei starke Majors und einen starken Independentsektor aufweisen. Obendrein ist das Management bei Warner Music wenig begeistert vom Beschluss der EMI, künftig auf den Einsatz von DRM beim Downloadverkauf zu verzichten. Der Alleingang der Briten wird als „gravierender Fehler“ gesehen.

Das sehen offenbar auch einige der EMI-Anleger so: Hugh Hendry, Chairman des Hedge Fonds Eclectica, sagte der „Times“, er sei „entsetzt“, dass die EMI-Führung mit dieser Entscheidung „ungestraft durchkam“. In Anbetracht der unsicheren Zukunft des Unternehmens sei der DRM-Stopp „eine sehr große Entscheidung gewesen für eine Firma, bei der Shareholder wie wir eine recht niedrige Meinung vom Management haben“.

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