Inmitten der Kritik an den US-Behörden über mangelhafte Katastrophenschutz- und schlecht koordinierte Hilfsmaßnahmen für die „Katrina“-Opfer erweist sich ein Handelsunternehmen als leuchtendes Vorbild, das in jüngster Zeit eher mit Negativschlagzeilen glänzte. Einzelhandelsgigant Wal-Mart ist derzeit Privathelfer Nummer eins und lässt die ohnehin unter Kreuzfeuer stehende Bush-Regierung zusätzlich schlecht aussehen.
Bis zum 6. September spendete das weltweit größte Handelsunternehmen 20 Mio. Dollar in bar, 1500 LKW-Ladungen mit Hilfsgütern, 150 internetfähige Computer für die Auffanglager und Nahrungsmittel für 100.000 Mahlzeiten. Die Lieferungen dauern unterdessen noch an. Täglich verlassen Dutzende Trucks unter Polizeibegleitung das Distributionszentrum. Doch neben der Soforthilfe kümmert sich Wal-Mart auch um die mittelfristige Perspektive seiner Mitarbeiter: Alle durch die Katastrophe entwurzelten Wal-Mart-Angestellten sollen in einer anderen Filiale wieder Anstellung finden, versprach CEO H. Lee Scott jr. Mit dieser Job-Garantie beeindruckte Scott sogar die beiden Ex-Präsidenten Bill Clinton und George H.W. Bush, die derzeit gemeinsam Geld für die Opfer sammeln.
Die Bemühungen von Bushs Sohn, amtierender Präsident der USA, verblassen indes im Vergleich zur Entschlossenheit des Wal-Mart-Managements. Noch bevor „Katrina“ mit voller Wucht die Golfküste erreicht hatte, standen im Wal-Mart-Auslieferungslager in Brookhaven (US-Bundesstaat Mississippi) 45 Laster mit Hilfsgütern wie Wasser, Nahrungsmittel, Toilettenpapier, Kleidung, Windeln, Zahnbürsten oder Treibstoff zur Abfahrt bereit. Aaron Broussard, Gemeindevorstand von Jefferson Parish, einem Vorort von New Orleans, erklärte bei einer Pressekonferenz: „Wenn die amerikanische Regierung so reagiert hätte wie Wal-Mart, dann befänden wir uns nicht in einer so immensen Krisensituation.“
CEO Scott sieht im Handeln seiner Firma nichts ungewöhnliches: „Ich will, dass unsere Reaktion unserer Größe entspricht“, sagte er laut „Washington Post“ bereits am 31. August bei einer Notfallsitzung des Topmanagements. Die Bewältigung der Krise bedeutet für Wal-Mart auch die Instandsetzung zahlreicher Filialen. Zwischenzeitlich waren 126 Wal-Marts im Katastrophengebiet außer Betrieb, und zahlreiche Stores wurden von Flutopfern ausgeräumt.
Mit seiner Hilfsbereitschaft gelingt Wal-Mart nun auch eine Imagekorrektur in den USA. Das Unternehmen steht seit Monaten wegen schlechter Bezahlung, hoher Überstunden und Benachteiligung weiblicher Mitarbeiter in der Kritik.





