Recorded & Publishing

Wachstumsmotor Digitalgeschäft läuft noch nicht rund

Die deutsche Musikbranche verbuchte nach dem ersten Halbjahr zwar erneut ein Minus, doch die tragenden Säulen des Geschäfts sind stabil. Der Verkauf von CD-Alben stagniert, Musik-DVDs legen weiter zu und Downloads sind der Renner. Doch wächst der Onlinemarkt schnell genug?

Die deutsche Musikbranche verbuchte nach dem ersten Halbjahr zwar erneut ein Minus, doch die tragenden Säulen des Geschäfts sind stabil. Der Verkauf von CD-Alben stagniert, Musik-DVDs legen weiter zu und Downloads sind der Renner. Doch wächst der Onlinemarkt schnell genug?

Rund 10,2 Mio. Einzeltracks und 700.000 digitale Bundles verkauften die diversen Downloadshops in den ersten sechs Monaten. Das sind 36 bzw. 40 Prozent mehr als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Eigentlich eine positive Entwicklung, doch ein Blick auf andere Märkte zeigt: Das deutsche Digitalgeschäft lahmt im internationalen Vergleich. In den USA legte das Downloadsegment im ersten Halbjahr 77 Prozent zu, in Großbritannien verkaufte die Branche schon zur Jahresmitte fast so viele Downloads wie im gesamten Jahr 2005.

„Trotz dieser erfreulichen Zuwächse bleibt festzustellen, dass die digitalen Formate hinter dem Wachstumspotenzial dieses Segmentes weit zurückbleiben“, erklärte Verbändechef Michael Haentjes bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Im Gespräch mit MusikWoche bringt es Bundesverbandsvorstand Kurt Thielen noch deutlicher auf den Punkt: „Wir hinken den USA und UK hinterher.“ Dies sei kein grundsätzliches Problem des deutschen Marktes, eher eine konjunkturelle Delle, die u.a. mit der anhaltenden Konsumzurückhaltung der Deutschen zu tun habe.

„Wir müssen eben alle stärker an der Weiterentwicklung dieses Geschäfts arbeiten“, meint der Geschäftsführer von Zebralution. Außerdem werde der deutsche Markt im Vergleich mit dem britischen in einem Punkt immer das Nachsehen haben: „In UK ist die Loyalität der Fans gegenüber dem Künstler einfach stärker ausgeprägt. Die Deutschen haben da offenbar weniger Skrupel, sich aus illegalen Onlinequellen mit Musik zu versorgen.“ Thielen ist dennoch zuversichtlich: „Das stärkere Wachstum kommt im zweiten Halbjahr.“

Oke Göttlich, Geschäftsführer des Digitalvertriebs finetunes, beurteilt die Lage ähnlich: „Der deutsche Markt hat u.a. deswegen ein Problem, weil wir nicht die gleiche Abdeckung mit Special-Interest-Shops haben wie in den USA oder UK.“ Es fehle einfach an einer Vielzahl „barrierefreier, kundenfreundlicher Angebote“.

Eine Ursache für den Mangel an Wettbewerb im deutschen Downloadhandel könnten die im internationalen Vergleich relativ hohen Kosten für mechanische Rechte sein. Während die Urheberrechtsgesellschaft MCPS in Großbritannien rund acht Prozent Tantiemen beim Verkauf von Downloads verlangt, fallen in Deutschland bei der GEMA gut zwölf Prozent an. Bei den ohnehin niedrigen Händlermargen im Digitalgeschäft ist dies für potenzielle Shopbetreiber durchaus eine Erschwernis beim Einstieg ins Geschäft. Zumal der Tarif beim Verkauf von CDs deutlich niedriger liegt.

Göttlich hält die Situation nicht für ausweglos: „Der Markt als Ganzes müsste Downloadshops stärker unter die Arme greifen. Besonders die für die Branche wichtigen Onlinehändler, die Nischen bedienen wollen, brauchen mehr Unterstützung.“

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