Recorded & Publishing

VUT warnt vor dramatischen Folgen weiterer Konsolidierungen

Nach der Übernahme von Zebralution gab Bookwire kürzlich bekannt, das Geschäft mit E-Books und Hörbüchern auf die eigene Plattform überführen zu wollen und den Musikbereich von Zebralution eigenständig aufzustellen. Beim VUT beobachtet die Vorstandsvorsitzende Birte Wiemann die Entwicklung mit Vorsicht.

“Der VUT ordnete schon den Erwerb von Zebralution durch die GEMA 2019 als problematisch ein, weil die Übernahme eines Digitalvertriebs nicht nur klar den Markt verzerrte, sondern zeitgleich weit über die Kernaufgabe einer Verwertungsgesellschaft hinausschoss“, erinnert die VUT-Vorstandsvorsitzende Birte Wiemann an die einstige Diskussion um den Deal. „Da mutet es sieben Jahre später seltsam an, wenn die GEMA beschließt, sich auf ihre Kernkompetenz besinnen zu wollen,und Zebralution deshalb abstößt.“

Tatsächlich hat die Verwertungsgesellschaft ihre Tochtergesellschaft zuletzt an Insight Partners veräußert. Beim Abschluss des Deals trat indes anstelle der US-Beteiligungsgesellschaft deren Tochter Bookwire als Käufer auf. 

„Wie genau es kam, dass zuerst die Investmentfirma Insight Partners und dann doch Bookwire als finaler Käufer auftraten, werden Außenstehende wohl nicht mehr erfahren“, meint Birte Wiemann dazu. Sie ergänzt: „Und die GEMA wäre äußerst schlecht über die Branche informiert, wenn sie die sich abzeichnenden Entwicklungen nicht wissentlich in Kauf genommen hätte.“

Ende April hatte Bookwire angekündigt, das Geschäft mit E-Books und Hörbüchern im Zuge der Integration von Zebralution auf die eigene Plattform überführen zu wollen; zwölf Stellen sollen davon betroffen sein. Der Musikbereich von Zebralution werde derweil als eigenständige Gesellschaft aufgestellt, hieß es aus Frankfurt. Beim VUT betrachtet man diese Entwicklung mit Sorge.

„Mit den ersten Kündigungen bei Zebralution und der Ausgründung des Musikgeschäftes durch Bookwire brauen sich nämlich weitere Gewitterwolken am gar nicht mal so fernen Horizont zusammen“, meint Birte Wiemann: „Sollte Bookwire tatsächlich überlegen, die Musiksparte des digitalen Vertriebs abzustoßen, kann der VUT als Vertretung der unabhängigen Musikunternehmer:innen in Deutschland nur mit aller Deutlichkeit appellieren, die dramatischen Folgen weiterer Konsolidierungen glasklar im Blick zu haben.“

Denn der Marktzugang für unabhängige Firmen und unabhängiges Repertoire werde durch solch einen Schritt „systematisch immer weiter eingeschränkt“, fürchtet Wiemann, ohne dabei eigens auf jüngste Übernahmen wie die der Downtown-Firmenfamilie durch Universal Music, den Kauf der unabhängigen Musikplattform Revelator durch Warner Music oder den Zusammenschluss von BMG und Concord hinzuweisen. Ihr Fazit ist indes eindeutig: „Dementsprechend wäre es kurzsichtig und unverantwortlich, wenn an dieser Stelle weitere unabhängige Musikkataloge in multilateralen Major-Strukturen versenkt würden.“