Recorded & Publishing

VUT kritisiert Revelator-Deal

Im Namen des VUT übt Verbandschefin Birte Wiemann Kritik an der Übernahme der unabhängigen Musikplattform Revelator durch die Warner Music Group. Für sie würde Vielfalt nur bewahrt werden, „wenn es die Möglichkeit einer unabhängigen Entscheidung gibt, welche Infrastruktur ich nutzen will, um am Markt stattzufinden“.

Birte Wiemann, Vorstandsvorsitzende des Verbands unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT), reagiert auf den Anfang April 2026 bekanntgegebenen Deal zwischen der Warner Music Group (WMG) und Revelator mit Ernüchterung: „Dass wir Independents, die wir als ‚independently owned‘ Musikunternehmen sprechen, mittlerweile schon froh sind, wenn ausnahmsweise einmal Warner statt Universal eine weitere Independent-Struktur schluckt, ist ein deutliches Zeichen dafür, welch dickes Fell wir mittlerweile haben“, verkündet sie in einem Statement.

Wiemann zieht dabei eine Parallele zur Übernahme der Downtown-Firmenfamilie durch Universal Music im Februar – einem Deal, gegen den der VUT gemeinsam mit dem europäischen Dachverband Impala eine eingehende Prüfung durch die EU-Kommission durchgesetzt hatte. „Exakt ins Muster der Downtown-Übernahme von Universal passt die Revelator-Übernahme durch Warner, wenn auch das finale Größenverhältnis ein anderes ist“, schreibt die Verbandschefin. Der Deal sei zwar nicht verhindert worden, habe sich aber durch den Einsatz von Impala zumindest aufbrechen lassen.

Das Kernproblem sieht die VUT-Chefin in der schwindenden Infrastruktur für unabhängige Marktteilnehmer: „In der Pressemitteilung ist die Rede von einem ‚definitive agreement‘ der Übernahme der ’state-of-the-art independent music platform‘ Revelator, was schlussendlich bedeutet, dass die Einflugschneise für Künstler:innen und Labels, die sich ganz bewusst für einen Marktzugang jenseits von Major-Strukturen entscheiden wollen, einmal mehr enger wird.“

Wiemann betont dabei, dass Vielfalt im musikwirtschaftlichen Ökosystem große wie kleine Player brauche – die entscheidende Frage sei aber die Wahlfreiheit: „Vielfalt bewahren wir nur, wenn es die Möglichkeit einer unabhängigen Entscheidung gibt, welche Infrastruktur ich nutzen will, um am Markt stattzufinden. Diese Entscheidungsfreiheit ist mit der neuesten Übernahme wieder ein wenig kleiner geworden – auf Kosten unserer kulturellen Vielfalt.“

Das im Jahr 2012 gegründete Unternehmen Revelator entwickelte cloudbasierte Lösungen für den digitalen Musikvertrieb, die Rechteverwaltung sowie Echtzeitanalysen. WMG-CEO Robert Kyncl erklärte bei der Bekanntgabe, die Kombination der Revelator-Technologie mit der globalen WMG-Infrastruktur werde die Mission, Labels und Artists weltweit zu unterstützen, „deutlich beschleunigen“.

Auch der Indie-Dachverband Impala meldete sich kritisch zu Wort: Die Vorsitzende Helen Smith bezeichnete den Deal als „schlechte Nachrichten für Künstler:innen, Fans und die Vielfalt Europas insgesamt“ und forderte EU- sowie nationale Regulierungsbehörden auf, einen strategischen Ansatz für Kultur zu verfolgen. Den Abschluss der Transaktion erwartet WMG noch im laufenden Quartal.