Für die Teilnehmer der Umfrage stehen zwei Gründe im Vordergrund: Tatsächliche oder von den Kunden empfundene Preissteigerungen (38,5 Prozent der Stimmen) und eine Flaute bei attraktiven Neuveröffentlichungen (31,3 Prozent). Ein Fünftel machte die wirtschaftliche Lage verantwortlich, rund sieben Prozent konnten keine Konsumzurückhaltung spüren (siehe Grafik). Felix Kautsky, Geschäftsführer von Der Hit-Finder, führt die Kaufzurückhaltung auf die wachsende Konkurrenz durch Internet und CD-Brenner zurück: „Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang der CD-Kopierschutz und die damit zusammenhängende Verschlechterung des Produktes CD bei gleich bleibend hohem Preis. Jetzt soll der ehrliche Kunde für die Taten von Dieben bezahlen. Es gibt keine Kaufzurückhaltung, nur der Verkäufer hat sich geändert, und der befindet sich mit jeder tollen neuen ‚Idee‘ der Industrie weiter im Aufschwung. Also: Den Kunden immer mehr ärgern, und es gibt in Kürze nur noch Raubkopien. Hat schon jemand darüber nachgedacht, die Diebe ganz normal auf dem Schulhof zu verhaften? Den ehrlichen Kunden würde man damit zumindest nicht ärgern.“ Thomas Stuke, Inhaber des TC Musikverlags, hält die „eurobedingte Verteuerung der Lebenshaltungskosten“ für das Problem. „Die Konsumenten müssen mehr Geld für das tägliche Leben ausgeben, so dass das Budget für Tonträger schrumpft. Daher ist es wichtiger denn je, mehr Zeit (und Geld) in den Aufbau von Künstlern zu investieren, damit Gesichter und Charaktere aufgebaut werden.“ Für Gerhard Gehre, Inhaber des Compact Disc Center in Freiburg, sind zudem die Einkaufspreise zu hoch: „Und mit dem Kopieren hat der ‚Kunde“ eine preisgünstige Alternative gefunden und rächt sich jetzt an den jährlichen, deutlich über den Inflationsraten liegenden Teuerungen. Wir werden von Kunden überrannt, die nach Produkten fragen, aber nicht bereit sind, deutlich über 15 Euro zu zahlen.“
Nehrmann beklagt Verschwendungssucht
Berlin (mw)
Elena Nehrmann, Promoterin bei V2 records, kann „dieses Gejammere der Branche nicht mehr ertragen“. Jeder wisse, „dass CDs zu teuer sind“, macht sie ihrem Unmut über die derzeitige Lage der Branche Luft. „Es ist mir ein Rätsel, warum die großen Konzerne nicht auf die Idee kommen, die Platten billiger zu machen und stattdessen bei den Vorschüssen für die Künstler zu sparen. Vielleicht auch einfach die eigenen Ansprüche zurückschrauben – zum Beispiel wenn es um Reisekosten, Firmenfahrzeuge, Partys feiern oder Büroeinrichtungen geht. Sicher ist das nur Kleinvieh. Aber das macht bekanntlich auch Mist und spiegelt vor allem eine allgemeine Verschwendungshaltung wider, die der Branche derzeit einfach nicht gut ansteht. Und warum wehren sich die Plattenfirmen nicht Seite an Seite dagegen, dass Viva und MTV sich jede noch so kleine Produktion bezahlen lassen, um ihre Sendezeit voll zu machen? Warum lassen sie sich von den Sendern vorschreiben, wie ein Video auszusehen hat, das dann 120.000 Euro kostet und letzten Endes womöglich doch nicht gesendet wird? Es ist offenbar auch noch niemand auf die Idee gekommen, dass es vielleicht von Nutzen wäre, wenn man Produktmanagern eine richtige Aus- oder Fortbildung angedeihen ließe. Was soll schon dabei herauskommen, wenn ein Praktikant sich zum Senior PM hochdient und seine Lehrherren vorher denselben Weg gegangen sind? Wenn der Lehrer schon tonnenweise Euros in den Orbit schießt, woher soll der Schüler dann etwas anderes können? Und wie soll er auch mal andere Marketingstrategien ausprobieren, wenn er keine anderen kennengelernt hat? Ach ja – wenn ich König von Deutschland wär…“






