Nach zehn Jahren unter dem Dach der Warner Music Group kaufte jüngst ein Konsortium mit vier erfahrenen Managern . Nun wollen die vier den Digitaldienstleister international auf eine neue Ebene hieven.
„Wir sind mit der nun gefundenen Konstellation sehr glücklich“, sagt Kurt Thielen im Gespräch mit MusikWoche. Wir, das sind die vier gleichberechtigten Gesellschafter des neu formierten Unternehmens Zebralution: Kurt Thielen, der die Firma einst im Frühjahr 2004 aus der Taufe hob und sich bei der Namensgebung von seinem liebsten Fußballverein, den Zebras vom MSV Duisburg, inspirieren ließ, fungiert als Geschäftsführer, ebenso wie Sascha Lazimbat, der ebenfalls bereits in den Anfangstagen des Digitaldienstleisters mit an Bord war, in den vergangenen Jahren aber unter anderem mit A2 Electronic Publishing im Buchmarkt sowie als Berater aktiv war. Hinzu kommen Christof Ellinghaus, Inhaber von City Slang, und Konrad von Löhneysen, Managing Director und Head of A&R von Embassy of Sound and Media.
„Wir kennen uns zusammengerechnet seit mehr als 100 Jahren, dieser Deal war so wohl nur in dieser Konstellation möglich“, analysiert Kurt Thielen die ganz besondere Zusammenarbeit an der Spitze des nun wieder unabhängigen Unternehmens: „Zebralution war schon immer ein Indievertrieb, das führen wir nahtlos fort.“
Wichtig sei zudem, dass die Trennung vom Warner-Music-Konzern keine Lücken ins Portfolio der Vertriebsfirma reißt, wie Sascha Lazimbat betont: „Die Geschäftsbeziehungen bestanden immer zwischen Zebralution und den Vertriebslabels, dadurch sind alle Verträge weiterhin gültig.“ Auf der Seite der Labels ändere sich somit nichts, „auch die Ansprechpartner bei uns bleiben gleich“. Anders sehe das auf Seiten der angeschlossenen Digitalshops und Plattformen aus, wo zum Beispiel bei der Auslieferung an indische Digitalanbieter teils noch auf die Infrastruktur von Warner Music zurückgegriffen werde. Für diese Fälle habe man eine Übergangsregelung getroffen, erläutert Christof Ellinghaus: „Operativ laufen die Geschäfte nahtlos weiter und für eine gewisse Zeit der Umstellung werden wir auf die Strukturen von Warner Music in Burbank in Kalifornien zurückgreifen können.“
Zebralution bleibt dezentral
Die Übernahme steht im Zusammenhang mit einem Pakt, den Warner Music bereits 2013 mit dem Impala-Dachverband der europäischen Indies und der Lizenzplattform Merlin aushandelte. Damals ging es darum, Universal Music beim Schlucken von EMI Music Zugeständnisse abzutrotzen, was schließlich zum Kauf der Parlophone-Gruppe durch Warner Music führte. Warner Music wiederum hatte sich im Gegenzug bereit erklärt, einen gewissen Anteil am neu erlangten Umsatzvolumen an die unabhängige Unternehmerlandschaft weiterzuveräußern. Das führte zum Beispiel bereits dazu, dass die Radiohead-Aufnahmen inzwischen über XL und die Beggars Group vermarktet werden, und Chrysalis-Gründer Chris Wright zusammen mit Blue Raincoat Music einen Teil seiner einstigen Recording-Rechte zurückkaufen konnte. Während es hierbei allerdings um Katalogdeals ging, spielt Zebralution eine Sonderrolle: Schließlich handelt es sich um den bislang einzigen Verkauf einer Gesellschaft im Zuge des Impala-Pakts. „Unser Dank gilt den tollen Kollegen von Warner Music für zehn Jahre hervorragende und freundschaftliche Zusammenarbeit und auch dafür, dass sie sich jetzt mit uns freuen“, sagt Kurt Thielen. Die Vorbereitungen für die Übernahme zogen sich allerdings bereits seit dem Schulterschluss zwischen Warner, Impala und Merlin hin, räumen die vier neuen Gesellschafter ein. Deren Zuständigkeiten bei Zebralution sind fix verteilt:
Kurt Thielen verantwortet das Marketing, Sascha Lazimbat betreut die Legal und Business Affairs, Konrad von Löhneysen kümmert sich um die Akquise und Christof Ellinghaus um die Internationalsierung. „Die Aufgabe von Kurt Thielen und mir ist es, das umzusetzen, was die beiden anderen anschleppen“, schmunzelt Sascha Lazimbat. Hinzu kommt am Standort Rösrath Chris Bornefeld-Ettmann, der weiterhin den Bereich Operations verantwortet.
Das Unternehmen Zebralution kann weltweit auf zusammen 22 Mitarbeiter bauen und soll mit seinen verschiedenen Niederlassungen in Deutschland auch weiterhin dezentral organisiert bleiben: „Besser geht es nicht“, meint Thielen. Die Kommunikation zwischen Berlin, Rösrath und der Keimzelle im Ruhrgebiet sei gelernt und funktioniere: „Meist ist es so besser, als wenn zwei Mitarbeiter in Büros nebeneinander hocken und sich E-Mails schreiben.“ Im Bereich Administration und Buchhaltung greift Zebralution künftig noch mehr auf TMO – The Music Office als Dienstleister zurück. Auch hier gibt es bereits eine gewachsene Verbindung. Schließlich sitzt die Firma mit Geschäftsführerin Bianca Wieczorek wie Zebralution und Embassy of Music ebenfalls in der Pfuelstraße und ist auch für die Embassy-Familie tätig.
Alle bringen ihre Netzwerke ein
Die Reaktionen aus der Branche seien durchweg positiv ausgefallen, berichtet Konrad von Löhneysen: „Ich habe sehr viel positives Feedback erhalten, das hat mit wirklich überrascht.“ Von diesem Momentum wolle man nun profitieren, sagt Sascha Lazimbat, und schraubt die Ziele hoch: „Wir wollen im Vertriebsbereich die beste Digitalcompany der Welt werden.“ Die Aussichten für die gemeinsamen Aktivitäten bei Zebralution beurteilt auch Konrad von Löhneysen ausgesprochen zuversichtlich: „Angesichts der Entwicklung im Streamingmarkt hat es heute noch einmal eine ganz andere Attraktivität, einen professionellen Digitaldienstleister an seiner Seite zu wissen, als noch vor ein paar Jahren.“ Schließlich würden sich inzwischen viele Künstler oder deren Managements ganz bewusst dafür entscheiden, im Musikmarkt eigene Wege zu gehen. „Zebralution kann durch die langjährige Expertise aller Ansprechpartner viel mehr bieten als ein reiner Aggregator – wir setzen uns für die von uns betreuten Inhalte weit jenseits von der Standardvertriebsarbeit ein.“ Das gewinne im internationalen Streamingmarkt weiter an Bedeutung, sagt Kurt Thielen: „Die Zeiten, in denen man eine Platzierung im Shop bekam, weil man so schöne blaue Augen hat, sind lange vorbei.“
Christof Ellinghaus wertet dabei die langjährige Erfahrung der vier Gesellschafter als entscheidenden Faktor für künftige Erfolge von Zebralution: „Jeder bringt sein ganz eigenes Netzwerk ein.“ Seine spezielle Aufgabe sieht er darin, weltweite Verbindungen spielen zu lassen, „und die Internationalisierung von Zebralution voranzutreiben“. Die Zusammenarbeit mit dem Digitalvertrieb bildet dabei auch für sein Label City Slang eine Lösung: „Ich will bei City Slang in wenigen Jahren nur noch einen digitalen Ansprechpartner haben – idealerweise mich selbst.“
Darüber hinaus können sich Ellinghaus und von Löhneysen Zebralution als weiteres attraktives Angebot für ihre zahlreichen Labelkontakte vorstellen, als bedeutende Alternative zu klassischen Lizenzdeals beispielsweise. „Mal eben 250.000 Exemplare wie vom letzten Deichkind-Album verkaufen, wie City Slang das als Labelservice letztes Jahr getan hat, auch so etwas können wir in Zukunft anbieten“, sagt Ellinghaus und macht klar: „Wir haben hier eine tolle Basis, um die ganze Welt zu erobern.“
Im deutschen Heimatmarkt verbucht Zebralution derzeit laut Thielen einen geschätzten Anteil von rund drei Prozent am digitalen Musikgeschäft. Hinzu kommt der Vertrieb von Hörbüchern, der als zweites Standbein ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt: „Auch das wollen wir weiter ausbauen, national und international“, gibt Thielen als Ziel aus: „Wir haben schließlich noch viel vor mit der neuen Company.“





