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Büro für Popkultur und Musik Sachsen stellt Musikreport vor

Am 13. November 2026 präsentiert das Büro für Popkultur und Musik Sachsen (BPM) den Musikreport Sachsen 2026 bei der Stadt Nach Acht Konferenz in Leipzig. Damit liefert das Büro die erste umfassende Bestandsaufnahme der Szene in dem Bundesland und will Handlungsbedarf für sächsische Popularmusik aufzeigen.

Die neue Studie untersucht systematisch das sächsische Musikökosystem im Bereich Popularmusik. Sie will aufzeigen, welche Strukturen bereits bestehen und wo langfristig Unterstützung benötigt wird. „Musik prägt Sachsen. Sie schafft kulturelle Räume, verbindet Menschen, stärkt Regionen und ist zugleich ein Wirtschaftsfaktor. Doch wie funktioniert das Musikökosystem des Freistaats als Ganzes? Wo liegen seine Stärken und wo seine strukturellen Schwachstellen?“, fragt man sich beim Büro für Popkultur und Musik Sachsen.

Der Musikreport Sachsen 2026 gebe mit besonderem Blick auf die Popularmusikszene erstmals eine systematische Antwort auf diese Fragen. Der Report diene als Bestandsaufnahme und stütze sich dabei nicht nur auf wirtschaftliche Kennzahlen, sondern analysiere auch verschiedene Wirkungsketten, um Beziehungen, Netzwerke, informelle Arbeit und gesellschaftliche Funktionen sichtbar zu machen. „Bislang erfassten amtliche Wirtschaftsstatistiken die Popularmusik nur ausschnittsweise. Ehrenamtlich getragene Vereine, Kollektive, Nachwuchsinitiativen und soloselbstständige Künstlerinnen und Künstler blieben in herkömmlichen Kennzahlen weitgehend unsichtbar. Der Report schließt diese Lücke mit einem ökosystemischen Forschungsansatz“, heißt es aus Leipzig.

Die Untersuchung habe offizielle Strukturdaten mit Erfahrungen aus der Praxis verbunden. Ausgewertet wurden amtliche Strukturdaten aus den Jahren 2019 bis 2025 und Daten der Künstlersozialkasse. Hinzu kommen eine explorative Datenbank mit 8296 Akteurseinträgen, eine Online-Befragung mit 200 Teilnehmenden, 13 Fachinterviews und zwei Workshops mit insgesamt 40 Beteiligten.

Das zentrale Ergebnis lautet: „Sachsen verfügt über ein vielfältiges, hochproduktives und gesellschaftlich wirksames Musikökosystem. Gleichzeitig zeigt sich, dass Strukturen teilweise prekär und aktuell nicht nachhaltig abgesichert sind.“

Entsprechend sagt Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz: „Popularmusik ist nicht nur ein wichtiger Teil der sächsischen Kulturlandschaft, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Hinter der Szene stehen zahlreiche Soloselbstständige, Unternehmen und Kreative, die Wertschöpfung schaffen und die Kultur- und Kreativwirtschaft stärken. Der Musikreport zeigt, wie eng diese Akteure miteinander verflochten und wie wichtig tragfähige Strukturen für die Entwicklung der Branche sind.“

Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, betont, der Musikreport zeige, dass die Popularmusik ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität Sachsens sei. „Die kreative Vielfalt, die Strukturen vor Ort in Stadt und Land und das enorme ehrenamtliche Engagement in vielen Bereichen der popularmusikalischen Szene schaffen das Fundament dafür. Die vorliegende Analyse gibt wertvolle Einblicke auch für die künftige Weiterentwicklung der Popularmusik in Sachsen. Ich danke allen Beteiligten sowie den Verantwortlichen des Musikreports.“

Die wissenschaftliche Leitung und redaktionelle Verantwortung für den Report liegen bei Diana Heinbucher aus Chemnitz und Jörg Kosinski aus Leipzig. Der Musikreport Sachsen 2026 will Politik, Verwaltung und Praxis das notwendige Orientierungs- und Entscheidungswissen für die kommenden Jahre an die Hand geben. Er mache deutlich: Erhalt und Unterstützung bestehender Strukturen seien weitaus günstiger und wirksamer als deren spätere Reaktivierung nach einem Kollaps.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Tatsache, dass die wirtschaftliche Lage für viele prekär bleibe: Das durchschnittliche Jahresarbeitseinkommen der bei der Künstlersozialkasse versicherten Musikschaffenden in Sachsen betrug im Jahr 2025 vor Steuern und Sozialabgaben 14.656 Euro . „Eine zentrale Herausforderung ist, Produktionen, Tourneen und Veranstaltungen vorzufinanzieren, bevor Einnahmen entstehen.“

Auch sei das Ökosystem größer, als amtliche Statistiken erkennen lassen: Neben einem statistisch erfassbaren Kern schätzt der Report die Gesamtzahl der Akteurinnen und Akteure der sächsischen Musikszene auf 11.000 bis 25.200, darunter 3000 bis 9000 originär Musikschaffende. Die Ergebnisse zeichnen zudem das Bild einer multiprofessionellen, wandlungsfähigen und hochmotivierten Szene. Der amtlich erfassbare Kern der Musikwirtschaft erwirtschaftete 2024 rund 296 Millionen Euro Umsatz. Mit einem breitgefächerten Genremix – angeführt von Elektronik/Club/Dance (30 Prozent), Pop/Indie (14 Prozent) und Rock/Alternative (14 Prozent) – zeigte sich die stilistische Vielfalt der Szene.

„Musik findet im ganzen Land statt, die Infrastruktur ist jedoch ungleich verteilt: Akteurinnen und Akteure sind in allen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten vertreten. Spielstätten und damit wichtige Auftritts- und Entwicklungsräume konzentrieren sich dagegen stärker auf die urbanen Zentren“, heißt es in dem Report. Das Musikökosystem wirke wechselseitig: Der Report analysiert das Zusammenspiel aus künstlerischer Kreation und Produktion, Live- und Musikspielstätten, Verwertung und Distribution sowie Communitys und Szenestrukturen. „Erstmals wird wissenschaftlich nachgewiesen, dass zum Beispiel der Verlust einer einzigen Spielstätte kaskadenartige negative Folgen für alle vier Bereiche nach sich ziehe.

Zudem weist der Report darauf hin, dass Förderstrukturen nicht immer zum Bedarf passen würden: Im Bereich der künstlerischen Kreation und Produktion haben 59 Prozent der befragten Personen noch nie ein Förder- oder Unterstützungsangebot beantragt. Der Report sieht mögliche Ursachen in Zugangshürden, fehlender Vermittlung von Wissen und Förderverfahren, die nicht ausreichend auf Soloselbstständige und ehrenamtlich getragene Strukturen zugeschnitten sind.

Der Report verweist darauf, dass das ehrenamtliche Rückgrat und die unsichtbare Arbeit das Ökosystem tragen würden: „Communityarbeit, Netzwerkarbeit, Wissensvermittlung und Nachwuchsbegleitung halten die Szene zusammen. Ein großer Teil dieser Arbeit wird ehrenamtlich geleistet, nicht angemessen vergütet und ist damit langfristig nicht abgesichert. Musik entfaltet gesellschaftliche Wirkung: Die Befragung zeigt hohe Zustimmungswerte für Teilhabe, Begegnung, Vertrauen und lokale Identität. Musik schafft damit nicht nur kulturelle Angebote, sondern auch soziale Verbindungen und Räume für gesellschaftlichen Austausch.“

Zusammenfassend bilanziert Alex Pagel, Leiterin BPM Sachsen: „Aus einem Gefühl wird ein Beleg. Dass Sachsen ein musikaktives und -kreatives Bundesland ist, wussten wir einzuschätzen. Mit dem vorliegenden Report besitzt der Freistaat Sachsen nun erstmals ein wissenschaftlich fundiertes Werkzeug dafür. Damit kann die Popularmusiklandschaft gezielt gestärkt und über die Landesgrenzen hinaus als dynamisches Musikland weiter positioniert werden.“

Der Musikreport Sachsen 2026 ist ab dem 13. November 2026 online unter www.bpm-sachsen.de abrufbar.