Recorded & Publishing

Lucian Grainge lobt Frank Briegmann vor internationalen Investoren

Dass der Vorstandsvorsitzende eines international agierenden Konzerns bei einer Gesprächsrunde mit Investoren einzelne Mitarbeitende namentlich erwähnt, dürfte eine große Ausnahme sein. Umso eindrucksvoller, dass Lucian Grainge im Anschluss an die Vorstellung der jüngsten Zwischenbilanz der Universal Music Group den deutschen Spitzenmanager Frank Briegmann in den Fokus rückte. Um Streaming, AI Slop und DSPs ging es aber auch.

Um der Universal Music Group im Zuge einer fortlaufenden Transformation einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zu sichern, wolle man kreative Entscheidungen weiterhin lokal treffen, zugleich aber die globale Reichweite des Musikkonzerns nutzen, sagte Sir Lucian Grainge jüngst in einer Gesprächsrunde zur kurz zuvor präsentierten Zwischenbilanz fürs dritte Geschäftsjahresquartal der Universal Music Group. Dazu, so unterstrich der Chairman & CEO, gebe man „unseren besten Führungskräften den nötigen Handlungsspielraum“. Und Lucian Grainge hatte auch noch einen passenden Namen dazu parat:

„Frank Briegmann ist ein Beispiel dafür“, führte Grainge also aus und erklärte den Zuhörenden aus dem internationalen Finanz- und Mediengeschäft, dass Briegmann „seit vielen Jahren“ die Geschäft des Musikkonzerns in Mitteleuropa sowie in den nordischen Ländern leite: „Durch seine kreative Führung, sein Gespür für wirtschaftliche Zusammenhänge, seine technologische Expertise und seinen Respekt für die jeweiligen lokalen Kulturen hat er zahlreichen Künstlern dabei geholfen, langfristige Karrieren aufzubauen.“ Aufgrund seiner bisherigen Erfolgsbilanz habe er Briegmann zuletzt einen größeren Marktbereich anvertraut, nun verantworte er „neben dem Großteil Europas auch Kanada, Australien und Neuseeland“, sagte Grainge, der zudem die damit verbundenen Ziele formulierte. „Sein erweiterter Aufgabenbereich wird diese Märkte enger miteinander vernetzen, die Zusammenarbeit beschleunigen und mehr Artists dabei helfen, ein Publikum über Ländergrenzen hinweg zu erreichen – und das alles, ohne die spezifischen Eigenheiten der jeweiligen Märkte zu beeinträchtigen.“

Abseits von diesem durchaus persönlichen Exkurs ging es im Rahmen der Gesprächsrunde aber vor allem um im Streaming und die Entwicklung in Sachen KI: Streaming, so unterstrich Grainge, habe noch viele Jahre des Wachstums vor sich: „Das Geschäftsmodell funktioniert, aber es könnte noch besser laufen“, wie er mit einem Verweis auf die Flutwelle an KI-Schrott sagte, die täglich aufs musikalische Wirtschaftssystem zusteuere. Landeten Anfang 2025 noch rund 10.000 KI-Tracks auf den Plattformen, so seien es inzwischen mehr als 90.000 Titel, die vollständig AI-generiert seien.

„Deren Zahl klettert schneller als die Schutzmaßnahmen“, räumte Grainge ein. Zwar habe man in Hinblick auf deren Kennzeichnung ebenso Erfolge vorzuweisen wie bei rechtlichen Auseinandersetzungen, und auch die Plattformbetreiber hätten längst bedeutende Schritte eingeleitet, was man sehr begrüße, aber das Ausmaß des Problems lasse sich mit diesen Maßnahmen kaum eingrenzen.

Als Beispiel dafür nutzte Grainge den Blues: Dieses Genre stehe zwar bloß für einen Bruchteil des weltweiten Musikkonsums, sei aber von großer kultureller und historischer Bedeutung: „In den Blues-Charts einiger großer Streamingplattformen finden sich unter den zehn bestplatzierten Alben bis zu fünf, die von KI-generierten Acts stammen – ohne dass dies klar gekennzeichnet oder offengelegt wird“, klagte Lucian Grainge anschließend: „Der Blues gilt als ein Leitstern für Authentizität in der Musik, die aus zutiefst persönlichen menschlichen Erfahrungen schöpft; doch seine Charts sind nun von KI-Inhalten durchsetzt, die jene emotionale Wirkung synthetisch nachahmen.“ Das solle kein Argument gegen die KI-Entwicklung sein, unterstrich der UMG-Konzernchef. Vielmehr solle es als Plädoyer dafür gelten, dass es „lizenzierte Innovationen“ brauche sowie Transparenz und faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen. 

Schließlich gehe es längst nicht mehr um harmlosen digitalen Beifang, vielmehr würden massenhaft erzeugte minderwertige KI-Inhalte das Erlebnis der Fans beeinträchtigen und den Wert der Arbeit von echten Kunstschaffenden schmälern. Um das zu ändern, will Grainge an den Vergütungsschrauben drehen: „Kurz gesagt: Auf unethische Weise erzeugte KI-Musikstücke sollten niemals auf derselben Grundlage vergütet werden wie Musik, die eine echte und dauerhafte Nachfrage schafft“, sagte der Universal-Music-Konzernchef. Und die DSPs will er dazu mit ins Boot holen, denn: „Streamingdienste sind schließlich auf jene Artists und deren Musik angewiesen, die Abonnenten anziehen und dauerhaft binden. Deshalb muss die Struktur unserer Verträge mit den DSPs angepasst werden, damit die Vergütung den Wert, den verschiedene Inhalte jeweils schaffen, besser widerspiegelt.“