Das amerikanische Musikgeschäft ergötzt sich in diesen Tagen an einem Sommertheater, das an deutlichen Worten nichts zu wünschen übrig lässt. Tony Brummel gilt als einer der großmäuligsten Lautsprecher der US-Branche und hat mit seinem Indie-Label seit Jahren ein goldenes Händchen für Newcomer mit Stehvermögen und Durchsetzungskraft. Doch nun hat der Inhaber von Victory Records und ausgewiesener Major-Hasser gründlich die Nase voll. Der Grund für seinen unversöhnlichen Zorn sind die Warner Music Group (WMG) und deren Management.
Die Band Taking Back Sunday, eine Entdeckung Brummels und seit kurzem zur WMG „übergelaufen“, hat von ihrem 2004er-Album „Where You Want To Be“ rund 600.000 Einheiten verkauft und sich damit für eine Gold-Auszeichnung qualifiziert. Von solchen Symbolen hält Brummel wenig, und nach der aus seiner Sicht schmutzigen Abwerbung der Band durch Warner verzichtete der Labelchef auf eine Verleihung. Doch bei der RIAA und im Branchenmagazin „Billboard“ wird das Album nun mit Gold gelistet – obwohl Victory Records dies bewusst nicht beantragt hatte. Die laut RIAA-Statuten für Edelmetall nötigen Verkaufsdaten lieferte Warner Bros., das neue Label von Taking Back Sunday. Brummel hält das für einen Affront von Warner; die Firma habe kein Recht, Absatzzahlen für ein Album an die RIAA zuliefern, das sie gar nicht verkauft hat.
In einer E-Mail an Lyor Cohen, den Nordamerikachef der WMG, die in Kopie u. a. auch an CEO Edgar Bronfman jr., Finanzchef Michael Fleisher, Warner-Bros.-Chairman Tom Whalley und die Warner-Veteranen Jac Holzman und Seymour Stein ging, wäscht Brummel nun der WMG-Spitze gehörig den Kopf. „Mich zu bescheißen und Spielchen mit mir zu spielen, ist eine Sache“, so Brummel in Anspielung auf die Abwerbung der Band. „Mich dumm aussehen lassen, eine andere. Die Marke Victory sowie jahrelange Arbeit und Opfer der Mitarbeiter und Künstler zu entweihen, ist inakzeptabel.“ Warner Music habe nun einen neuen „Feind auf Lebenszeit“. Eine Reaktion der WMG liegt derzeit nicht vor.






