Recorded & Publishing

Verwertungsgesellschaften: Maßnahmen zur Schadensbegrenzung

Der Einbruch bei den Tonträgerverkäufen beeinflusst
zunehmend negativ die Einnahmen der Verwertungsgesellschaften aus mechanischen Rechten. Die belgische SABAM und die holländische BUMA-STEMRA wollen daraus rechtzeitig die Konsequenz ziehen.

Beide Urheberrechtsgesellschaften haben eine Untersuchung in Auftrag gegeben, inwieweit sich die Verwaltung der mechanischen Rechte zu einem Joint Venture zusammenführen lässt. Cees Vervoord, CEO BUMA-STEMRA, und Jacques Lion, CEO SABAM, weisen darauf hin, dass es eine solche Initiative bisher nur einmal gegeben hat – 1936, als das Nordisk Copyright Bureau die Administration der mechanischen Rechte für Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden übernahm. „Die europäischen Verwertungsgesellschaften haben oft über mögliche Kooperationen gesprochen“, sagt Jacques Lion. „Aber solche Initiativen kamen in der Regel wegen ihrer Komplexität und kultureller Empfindlichkeiten nicht sehr weit. Wir sind deshalb sehr stolz auf diesen Schritt und schon gespannt auf die ersten Ergebnisse der Untersuchung.“ Gemischte Arbeitsgruppen sollen in den kommenden Monaten verschiedene Aspekte der Kollaboration durchleuchten: IT-Unterstützung, Datensynchronisierung und Harmonisierung der Arbeitsprozesse. Ziel ist es, die besten Elemente beider Organisationen zu kombinieren. „Die Untersuchung wird zeigen, welche Konsequenzen die Kooperation hat und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um sie zum Erfolg zu führen“, sagt Lion.

Wie bekannt, haben die Verfügbarkeit von illegalen Soundfiles im Internet und die große Zahl von illegalen CD-Kopien zu einem rapiden Rückgang der legalen CD-Verkäufe geführt. „Als Folge davon“, so Cees Vervoord, „sind die Einnahmen aus mechanischen Rechten bei allen europäischen Gesellschaften gravierend zurückgegangen. Dieser Entwicklung dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Mit unserer Initiative wollen wir den Verlust für die Rechteinhaber so weit wie möglich begrenzen.“ In den vergangenen vier Jahren brachen die Einnahmen aus mechanischen Rechten bei STEMRA und SABAM um über 30 Prozent ein. Kein Wunder: Von 1998 bis 2002 fielen die Tonträgerumsätze der IFPI-Companies in Belgien um 33,4 Prozent – von 330,9 Mio. Euro auf 248,0 Mio. Euro. In den Niederlanden hielt sich der Schwund mit rund acht Prozent noch in Grenzen – von 505,1 Mio. auf 467,8 Mio. Euro. Hinzu kommt aber, dass die dramatische Entwicklung der Majors vor allem zu Lasten des lokalen Repertoires geht, sodass STEMRA und SABAM auch deswegen weniger Tantiemen einsammeln. Außerdem haben die beiden Gesellschaften keine direkten Lizenzverträge abgeschlossen, sondern hängen von den Zahlungen der deutschen, britischen und französischen Organisationen zur Weiterverteilung ab, wobei die Kommission, die sie erhalten, relativ klein und zudem auf maximal sieben Prozent beschränkt ist.

Cees Vervoord sieht dafür in der gemeinsamen Administration ein Einsparpotenzial in Höhe von zwei Mio. Euro im Jahr, wozu zum Teil auch Personalabbau beitragen würde. Die Initiative von SABAM und STEMRA könnte für andere Verwertungsgesellschaften Signalwirkung haben. So vermutet Michael Karnstedt, europäischer President von Peer Music, dass die Verwaltung der Urheberrechte in allen europäischen Territorien in fünf bis sechs Jahren über drei oder vier der größten Gesellschaften laufen könnte. „Es wäre sinnvoll, gewisse Aktivitäten zu zentralisieren, und da meine ich vor allem die Verteilung der Tantiemeneinkünfte. Es bietet sich zum Beispiel an, dass die französische SACEM auch Spanien mitbetreut; die GEMA könnte andere deutschsprachige Territorien einbeziehen, und für die britische PRS/MCPS böten sich Irland, Benelux und Skandinavien an.“

Allerdings sieht Karnstedt Probleme, wenn es um Erlöse aus Aufführungs- und Senderechten sowie aus Backgroundmusik geht: „Um den Einsatz von urheberrechtlich geschützten Werken auf diesen Gebieten zu kontrollieren, muss man über Vertreter vor Ort verfügen.“ Die Zukunft könnte noch weitaus dramatischere Veränderungen mit sich bringen: Sollten die großen amerikanischen Musikverlage irgendwann einmal ihre Kataloge nicht mehr über angeschlossene Partner als Subverleger verwalten, sondern direkt über die Urheberrechtsgesellschaften, würde die gesamte internationale Subverlagsstruktur ins Wanken geraten. Als Folge würden alle Tantiemeneinnahmen auf direktem Weg in die USA fließen. Keine schönen Aussichten für die europäischen Territorien.