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V2 bezeichnet MoS als „Steinewerfer“

In die Auseinandersetzung zwischen den Indieverbänden Impala und AIM mit dem britischen Label Ministry of Sound (MoS) mischt sich nun auch V2 Records ein. Das Unternehmen fordert eine geschlossene Front und verurteilt Sektierer, die die gemeinsamen Anstrengungen der europäischen Indieszene sabotieren.

In die Auseinandersetzung zwischen den Independentverbänden Impala und AIM mit dem britischen Label Ministry of Sound (MoS) mischt sich nun auch V2 Records ein. Das Unternehmen fordert eine geschlossene Front und verurteilt Sektierer, die die gemeinsamen Anstrengungen der europäischen Indieszene sabotieren.

Die unabhängigen Plattenfirmen gäben sich mit diesem „unnötigen Gezänk“ der Lächerlichkeit preis, erklärten Tony Harlow, CEO der V2 Music Group, und der britische V2-Geschäftsführer David Steele. „Der Independentsektor steht überall unter Beschuss. Und diese Wirklichkeit ist in Kontinentaleuropa noch rauer als in UK.“ Ohne MoS namentlich zu erwähnen, bezeichnen Harlow und Steele die Vorwürfe von MoS-Geschäftsführer Lohan Presencer gegen die britische Labelvereinigung AIM und die europäische Dachgesellschaft Impala als „Ablenkung von bestimmten Parteien, die nicht wahrhaben wollen, dass wir den Krieg an allen Fronten verlieren“.

Presencer hatte den Verbänden vorgeworfen, ein Abkommen mit der Warner Music Group geschlossen zu haben, ohne seine Mitglieder darüber zu informieren oder zu befragen. Impala hatte davor Warner Music zugesichert, sich für eine Fusion von EMI und Warner bei der EU-Kommission einzusetzen, wenn der US-Major sich von bestimmten Labels trennen und sich finanziell an der Indie-Lizenzagentur Merlin beteiligen würde.

Im Kampf von Impala und AIM sei es immer darum gegangen, möglichst faire Wettbewerbsbedingungen für alle unabhängigen Musikfirmen zu gewährleisten, so die V2-Chefs. „Mag sein, dass diese Marktbedingungen letztlich nicht völlig fair sind. Aber immerhin sollten sie besser sein als die gegenwärtige Lage im Jahr 2007 mit zwei dominanten Monolithen, die den Markt beherrschen.“ Die Indies arbeiteten in einer komplexen Welt mit strengen Geschäftsregeln und „behaupten immer wieder, dass wir eine ‚erwachsene‘ Branche sind. Aber dennoch zeigt dieser nutzlose Streit, dass wir es nicht akzeptieren können, wenn diese Regeln größer als wir sind und wir – genauso wie andere Branchen auch – nach Regeln spielen müssen“.

Steele und Harlow stößt zudem sauer auf, dass mit MoS eine derjenigen Firmen aus der Indie-Allianz ausschert, die sich offenbar bislang nur wenig im Lobby-Prozess engagiert hat. Bei einem Dringlichkeitstreffen des AIM-Vorstands am 28. Februar hatte sich Presencer geweigert, eine Vertraulichkeitsklausel bezüglich der Details zum Impala/Warner-Abkommen zu unterschreiben. Stattdessen trat er mit MoS aus dem Verband aus, ohne die Hintergründe des Pakts zu kennen.

„Ein Angebot abzulehnen ist keine Sünde“, kommentiert die V2-Spitze dazu. „Aber nicht einmal zuhören zu wollen, ist schlicht eine Torheit. Wer sich weigert, eine Stillschweigevereinbarung zu unterzeichnen und sich die Vertragsbedingungen wenigstens anzuhören, hat jegliches Verständnis verspielt. Die haben sich für eine Rolle als Außenseiter und Steinewerfer entschieden und damit ihr Recht auf konstruktive Mitarbeit verwirkt.“

Die Verhandlungen von Impala seien ein langer Prozess gewesen, in dem einige viel Zeit und Expertise investiert haben, so V2. „Wir sollten Leuten wie Michel Lambot, Patrick Zelnik und Martin Mills dankbar sein, weil sie sich von Anfang an mit Händen und Füßen gegen die Konzentration des Marktes gewehrt haben.“ Sich jedoch über die Abläufe zu beschweren, wäre wie „weiterfiedeln, während Rom brennt“.

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