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US-Parlamentarier wollen Krieg der Dateiformate beenden

Die Inkompatibilität der vorherrschenden digitalen Musiksysteme ist inzwischen sogar bis ins amerikanische Parlament vorgedrungen. Der Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses, der für geistiges Eigentum zuständig ist, ging diesem Problem nun mit einer Anhörung auf den Grund. Ergebnis: Die Einmischung der Politik ist unerwünscht.

Die Inkompatibilität der vorherrschenden Systeme beim digitalen Musikvertrieb ist inzwischen sogar bis ins amerikanische Parlament vorgedrungen. Der Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses, der für geistiges Eigentum zuständig ist, versuchte in der vergangenen Woche, diesem Problem mit einer Anhörung zum Thema „Digital Music Interoperability and Availability“ auf den Grund zu gehen. Lamar Smith, republikanischer Abgeordneter aus Texas und Vorsitzender dieser parlamentarischen Arbeitsgruppe, sieht die Marktdominanz eines geschlossenen Systems wie iTunes/iPod als außerordentlichen Nachteil für Konsumenten.

Musikfans, die ihre legale Ware z.B. im Onlineshop von RealNetworks kaufen, können ihre Dateien nicht auf einen iPod übertragen. „Ich nehme an, dass dies gut für Apple ist, aber ganz sicher nicht für die Kunden“, sagte Smith. Zusammen mit seinen Ausschusskollegen habe er deshalb zunächst eine Gesetzesinitiative erwogen, die Onlineanbieter von Musik dazu zwingen sollte, ein einheitliches Digital Rights Management zu verwenden. Bei der Anhörung in Washington machten jedoch gerade die Mitbewerber von Apple deutlich, dass sie eine derartige Einmischung der Politik für unangebracht halten.

William Pence, Chief Technology Officer von Napster, erklärte: „Es erschiene mir nicht besonders klug, wenn die Regierung in einem so frühen Stadium der Marktentwicklung ein System zum Sieger erklären würde. Der Wettstreit zwischen Apples FairPlay-DRM mit den Wettbewerbern ist schließlich noch in vollem Gange.“ Pence machte deutlich, dass die Kräfte des freien Marktes das Inkompatibilitätsproblem mit der Zeit ganz alleine lösen werden. Seine Firma würde eine Öffnung der Apple-Plattform natürlich begrüßen und verspräche sich davon auch ein Wachstum des jungen Downloadmarkts, doch gesetzliche Regulierung würde den Wettbewerb nur unnötig einschränken.

Der Stein des Anstoßes, Apple Computer, war zur Anhörung erst gar nicht erschienen. Smith zeigte sich darüber verärgert: „Firmen mit 75 Prozent Marktanteil sollten hier eigentlich ihr Gesicht zeigen, wenn es um politische Fragen geht, die ihren Geschäftsbereich betreffen. Wer dies nicht tut, macht einen Fehler.“ Eine Zwangsöffnung von iTunes dürfte zwar kaum auf der Agenda des Unterausschusses stehen, doch die Parlamentarier prüfen, ob sie Downloadhändler künftig indirekt unter Druck setzen können: Sollte sich das Inkompatibilitätsproblem nicht bald von selbst lösen, werde man alle Anbieter dazu verpflichten, die eingeschränkte Nutzbarkeit ihrer Waren und Dienstleistungen offen zu legen. In diesem Fall müsste der iTunes Music Store seine Kunden ausdrücklich und sofort ersichtlich darauf hinweisen, dass sich die angebotenen Dateien ausschließlich auf iPods abspielen lassen.

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