Der Musikmarkt in den USA wuchs 2017 nach Umsätzen zum zweiten Mal in Folge im prozentual zweistelligen Bereich. Laut der Jahresbilanz des RIAA-Branchenverbands wuchsen die Einnahmen der Musikunternehmen aus der Vermarktung von Recorded Music von Anfang Januar bis Ende Dezember 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Konsumentenpreisen um 16,5 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Nach Großhandelspreisen kletterten die Umsätze der Plattenfirmen im Gesamtjahr 2017 um 12,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar.
Damit hat das Wachstum im weltgrößten Musikmarkt im Vorjahresvergleich noch einmal an Dynamik gewonnen: Das Gesamtjahr 2016 schloss der US-Markt nach Angaben der RIAA mit – und fuhr damit das erste prozentual zweistellige Plus seit 1998 ein. Im Vergleich zum zeigt sich die Entwicklung zumindest stabil. Nach sechs Monaten hatte die RIAA ein Umsatzplus in Höhe von rund 17 Prozent ausgewiesen.
Im Gesamtjahr 2017 entfielen nun beinahe zwei Drittel der im Geschäft mit Recorded Music erzielten Einnahmen aufs Streaming, wie die RIAA-Statistik zeigt (pdf): Die Vermarktung von Musik über Musik- und Videodienste steuert inzwischen einen Umsatzanteil von 65 Prozent zu den Umsätzen der US-Branche bei. Auf den Verkauf von physischen Tonträgern entfielen 2017 bei einem beinahe moderaten Minus von vier Prozent noch 17 Prozent der Einnahmen, der Verkauf von Downloads verbuchte einen Umsatzeinbruch von 25 Prozent und trug noch 15 Prozent bei. Acht von zehn Umsatzdollar stammen somit in den USA aus dem Digitalbereich, der zusammengerechnet um 22 Prozent auf nunmehr sieben Milliarden Dollar wuchs.
Erstmals seit 2011 erzielten die Plattenfirmen im US-Markt höhere Einnahmen aus dem Verkauf von physischen Produkten als aus Downloads. Während die CD-Umsätze um sechs Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar schrumpften, legte das Vinylgeschäft um zehn Prozent auf 395 Millionen Dollar zu.
Der Wachstumsmotor Streaming legte formatübergreifend, also inklusive Musikabos, werbefinanzierten Angeboten und Videodiensten, nach Umsätze um 43 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar zu. Kostenpflichtige Subskriptionsdienste wuchsen um 63 Prozent erstmals auf Umsätze von mehr als vier Milliarden Dollar und steuerten damit einen Umsatzanteil von 47 Prozent zum Gesamtmarkt bei. Die Zahl der Musikabos legte im Jahresmittel um 56 Prozent auf rund 35,3 Millionen zu, 2016 lag dieser Wert noch bei 22,7 Millionen.
Mehr als alle anderen Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft sei es der Musikindustrie gelungen, sich angesichts der Entwicklung im Streamingmarkt erfolgreich neu zu erfinden, bilanziert RIAA-President Cary Sherman in einem Beitrag [http://medium.com/@RIAA/music-on-the-move-88db57569d8c@@@auf der „Medium“-Plattform]. Zugleich habe man im Zuge des Umbruchs die Beziehung zu den Künstlern als dem wichtigsten Partner der Branche stärken können. Das alles sei aber nicht zufällig passiert, sondern die Folge harter Arbeit in den Musikunternehmen.
„Wir sind mit dieser Entwicklung durchaus zufrieden“, schreibt Sherman. „Aber wenn wir die Zahlen im größeren Kontext sehen, haben die beiden Wachstumsjahre das Musikgeschäft gerade einmal auf ein Volumen von 60 Prozent der einstigen Größe und etwa auf das Niveau von vor rund zehn Jahren geführt – und das auch nur, wenn man die Inflation außen vor lässt.“Es gebe noch viel zu tun, um den aktuellen Trend nun in nachhaltiges Wachstum zu überführen. „Wir arbeiten schließlich noch immer in einem massiv gestörten Marktumfeld“, macht Sherman klar, und verweist auf die weiterhin kaum durchsetzbaren Interessen der Rechteinhaber, was Investitionen ins Geschäft behindere und Kreativschaffende und ihre Partner von verdienten Tantiemenquellen abschneide.






