Die Betreiber des einst renommiertesten Plattenladens in Manhattan haben eine Ursache für die Misere der Branche ausgemacht. In einem Gastkommentar für die „New York Times“ halten Tony Sachs und Sal Nunziato, die Gründer von Upper West Side, den Majorlabels den Spiegel vor.
Upper West Side galt in Sachen Tonträgerhandel zwischen 1993 und Ende 2005 als eine der ersten Adressen in New York. Inzwischen betreiben Nunziato und Sachs nur noch einen Online-CD-Versand, nachdem sie ihren Laden vor gut zwei Jahren aufgrund der Krise im Handel aufgegeben hatten. Die gegenwärtige Lage in der Branche sei größtenteils das Ergebnis „der Kurzsichtigkeit und der Starrköpfigkeit bei den Majorlabels und bei der RIAA, die es geschafft haben, genau das Gegenteil dessen zu erreichen, was sie eigentlich wollten“, so die beiden Händler. „Der Verband verhält sich wie ein Gärtner, der beim Versuch, das Unkraut im Garten zu bekämpfen, gleich die Bäume mit vernichtet.“
Der erste Kardinalfehler sei der juristische Kampf gegen das ursprüngliche Napster gewesen. Einen weiteren Todesstoß habe man sich selbst verpasst, als sich die Labels mit „seelenlosen Ketten“ wie Best Buy und Wal-Mart „ins Bett“ legten. Nicht nur hätten die großen Märkte exklusive Produkte bekommen, „sie durften sie auch noch unter Preis verkaufen“.
In der Zwischenzeit versuche die RIAA mit den Klagen gegen Studenten den Eindruck zu erwecken, als agiere man erfolgreich im Kampf gegen Onlinepiraterie. Der Verband habe eigentlich Napster ausrotten wollen, doch stattdessen habe man das CD-Geschäft kaputt gemacht, weil nach Napster Dutzende andere P2P-Plattformen aufkamen und das Problem potenzierten. „Und heute haben nicht nur die Händler Probleme, sondern auch die Labels. Weil sie sich mehr auf Quartalsberichte als auf langfristige Planung konzentrieren, haben sich die Großkonzerne diese Katastrophe selbst eingebrockt.“





