Recorded & Publishing

US-Händler leiden unter Flaute bei Top-VÖs

Die US-Tonträgerhändler hörten bei der Jahrestagung ihres Verbands NARM nicht nur schlechte Nachrichten von der NPD-Marktforschungsgruppe. Auch Charts-Ermittler Nielsen SoundScan brachte ernüchternde Zahlen mit nach Florida.

Die US-Tonträgerhändler hörten bei der Jahrestagung ihres Verbands NARM nicht nur schlechte Nachrichten von der NPD-Marktforschungsgruppe. Auch Charts-Ermittler Nielsen SoundScan brachte ernüchternde Zahlen mit nach Florida. Besonders ein enorm schwaches zweites Quartal und ein dürftiger Veröffentlichungskalender zwischen Mai und Juli habe der Branche zu schaffen gemacht, rechneten die Statistiker vor.

Während das Absatzminus bei Alben im ersten Quartal nur bei 1,7 Prozent lag, stürzten die Verkäufe im zweiten Jahresviertel um zehn Prozent ab. Vor zwei Wochen erreichte der Handel damit seinen vorläufigen Tiefpunkt, als nur noch 8,9 Mio. Alben innerhalb von sieben Tagen verkauft wurden – so wenig wie seit Januar 1994 nicht mehr. Im zweiten Quartal schafften nur sieben Alben mit mehr als 200.000 verkauften Einheiten den Einstieg in die Charts. Vor einem Jahr waren es im gleichen Zeitraum immerhin 14 Longplayer.

Die beste Erstverkaufswoche in diesem Jahr verbuchte Tool mit 563.000 Exemplaren von „10.000 Days“, im letzten Jahr stieg Coldplay nach 737.000 Verkäufen in der ersten Woche auf Platz eins ein. Noch deutlicher wird der Vergleich mit zwei Topsellern aus dem ersten Halbjahr 2004: Game brachte es damals mit „The Documentary“ in der ersten Woche auf 587.000 Einheiten, 50 Cent stieg mit 1,14 Mio. Exemplaren von „The Massacre“ ein.

Derlei Verkaufsschlager fehlten dem Handel in den letzten Monaten. An der Masse der Neuerscheinungen liegt es jedenfalls nicht: Während das Jahr 2005 mit insgesamt rund 70.000 Veröffentlichungen einen neuen Rekord aufstellte, waren es im ersten Halbjahr 2006 schon 37.000 neue Titel – 13.000 davon kamen allein in digitaler Form auf den Markt.

Doch die schiere Menge sorgt nicht für mehr Verkäufe. Nur 700 Titel des letzten Jahres machten 80 Prozent der Umsätze, lediglich 100 Platten sorgten für 43 Prozent des Tonträgergeschäfts. Da tröstet es die US-Händler nur wenig, dass die Downloadabsätze schon jetzt das 2005er-Ergebnis überschritten haben.

Mehr zum Thema