Die beschleunigte Krise im US-Tonträgermarkt ist inzwischen auch in den Leitmedien des Landes angekommen. Das „Wall Street Journal“ berichtete am 21. März auf Seite eins über den Niedergang der Musikindustrie. Das Absatzminus im ersten Quartal – laut „WSJ“ aktuell bei 20 Prozent, Charts-Ermittler NielsenSoundScan spricht indes von 16,6 Prozent – schreibt das Wirtschaftsblatt unter anderem der austrocknenden Handelslandschaft zu.
Im Jahr 2006 hätten in den USA rund 800 Handels-Outlets für Musik dicht gemacht. Neben der Auflösung von Tower Records – einem Aushängeschild des Facheinzelhandels – hätten auch die Schließungen bei Musicland und Trans World Entertainment zur Verschärfung der Krise beigetragen.
Inzwischen werden die Top-Veröffentlichungen zu 65 Prozent bei Großketten wie Wal-Mart oder Best Buy verkauft. Vor zehn Jahren habe deren Marktanteil erst 20 Prozent betragen.
Gleichzeitig wartet die Branche allerdings auf die Kompensationsumsätze durch das digitale Geschäft. Das wächst zwar auch im ersten Jahresviertel noch deutlich, doch der Boom flaut langsam ab. Die Zuwächse im Downloadverkauf liegen derzeit nur noch bei gut 50 Prozent – zu wenig, um die Verluste im physischen Bereich auszugleichen.
Bis Ende März wird es die US-Branche zwar auf mehr als 100 Millionen verkaufte Alben schaffen, doch das wird vor allem kleinen und mittleren Händlern wenig weiterhelfen. Simon Wright, CEO der Virgin Megastores mit 14 Filialen in Nordamerika, sieht den Vergleich der Absatzzahlen sogar als „schmeichelhaft“: „Gemessen am Umsatz ist der Markt vermutlich sogar mit 25 Prozent im Minus“, so Wright im „WSJ“.
Manche in der Branche haben das CD-Geschäft ohnehin schon abgeschrieben. Für Jeff Rabhan, Manager von Kelis und Jermaine Dupri, ist der Tonträger nur noch ein Teil des Gesamtmarketings für einen Künstler „anstatt einer Einkommensquelle“. Eine CD sei nur noch Mittel zum Zweck, um eine Tournee, den Verkauf von Merchandise oder den Aufbau der Künstler-Marke voranzutreiben. „Um mehr geht’s da nicht mehr. Da ist kein Geld zu holen.“
Und selbst die Topseller müssen schwer kämpfen: Das einzige Album des Jahres, das Platin-Verkäufe vorweisen kann, ist Norah Jones mit „Not Too Late“ und rund 1,1 Millionen Einheiten nach sechs Wochen. Zum Vergleich: „Feels Like Home“ hatte 2004 in der gleichen Zeit mehr als 2,2 Millionen Verkäufe auf dem Konto.





