Recorded & Publishing

Urban stärkt das Trackbusiness

Auch das zur Motor Urban DefJam (MUD) gehörende Dance-Department Urban positionierte sich nach der letzten Umstrukturierung bei Universal neu. Das Trackbusiness steht nun noch stärker im Mittelpunkt.

“Personell und strukturell wollten wir den Fokus stärker auf Track-A&R legen“, erklärt Neffi Temur, General Manager Urban DefJam bei der Motor Urban DefJam Group, die intensivierte Ausrichtung auf das Trackbusiness. Dafür hat die Repertoire-Division von Universal alle Urban-Künstler behalten und einen Großteil des Trackbusiness von der ehemaligen Abteilung Zeitgeist übernommen, seitdem sich diese in der ebenfalls neu formierten Polydor Island Group verstärkt um Albumkünstler kümmert. So ist unter anderem der Aqualoop-Künstler Pulsedriver neu bei Urban. „Mit dieser Aufwertung wollen wir unter anderem unsere hausinternen Genre-Compilations wie ‚Future Trance‘ mit möglichst viel eigenem Repertoire füllen“, sagt Temur.

Personell trägt der Wechsel von Adrian Russ vom Marketing zum A&R diesem Anspruch Rechung. Mit dem ansonsten unveränderten Team verfolgt die Division weiterhin das Prinzip, dass Artist Development aus den so genannten „Schnelldrehern“ entsteht. „Denn ohne ein bis zwei echte Hits ist es sehr schwer, Album-Acts im Dance aufzubauen – auch wenn uns dies immer wieder gelingt, etwa bei Sylver, Groove Coverage und Loona.“ Wegen der Marktlage ist Urban bei großen Investitionen „vorsichtiger geworden“, erledigt die Club-Promotion mit eigenen Promotern, holt für Videodrehs vorab Rotationsgarantien ein und will mit einer Umstellung bei der International Exploitation den Urban-Künstlern eine bessere Auslandsaus0wertung anbieten. Davon sollen die Schwerpunktthemen profitieren wie Alben von den Psychonauts und von Paul van Dyk sowie eine erste Single von P. Diddy.

Interview

musikwoche: Was bedeutete die letzte große Umstrukturierung bei Universal – die Aufteilung in die Firmen MUD und PIL – für das alte Urban?

Neffi Temur: Was das Repertoire anbetrifft, so hat sich bei Urban nichts verändert. In Gegenteil. Ein Großteil des Trackbusiness wurde von Zeitgeist übernommen, da Zeitgeist sich zukünftig verstärkt um Albumkünstler kümmert. Zu den Neuzugängen gehören namhafte Dance-Acts wie zum Beispiel Pulsedriver. Personell sollte der Fokus noch stärker auf Track-A&R gelegt werden, um unter anderem unsere hausinternen Genre-Compilations wie beispielweise „Future Trance“ mit möglichst viel eigenem Repertoire füllen zu können. Dem Anspruch wurde Rechnung getragen, indem Adrian Russ vom Marketing in den A&R Job wechselte. Die Abteilungsleitung ist direkt bei mir aufgehängt. Ansonsten gab es keine Änderungen in dem Bereich.

mw: Wie gehen Sie nun strategisch vor?

Temur: Jegliches Artist Development im Bereich Urban ist immer aus so genannten Schnelldrehern entstanden. Ohne ein bis zwei echte Hits zu delivern, ist es sehr schwer, Album-Acts im Dance aufzubauen. Urban gelingt es aber immer wieder, aus Schnelldrehern Album-Acts zu machen – so geschehen bei Sylver, Groove Coverage, Loona oder auch Paul van Dyk und Tomcraft. In der Geschichte ist gelernt worden, dass Dance-Alben nicht über große upfront Marketinginvestments verkaufen, sondern über mindestens zwei outstanding Hits, die dann einem Album den richtigen Push geben zusammen mit dem richtigen Marketingsetup.

mw: Wie gehen Sie dabei vor?

Temur: Leider sind Dance-Konsumenten einem Act weit weniger treu als das beispielweise im Rock der Fall ist. Daraus ergibt sich auch die Strategie, erst die Hits, und dann das Album in Zusammenhang mit größeren Marketingkampagnen wie beispielweise dem „RTL Album-Highlight“ und dergleichen zu etablieren. Urban reagiert auch, wenn ein Album nicht so läuft wie erwartet. Unsere Künstler bekommen die Gelegenheit, noch einmal erneut ins Studio zu gehen und mit einer neuen Single einen weiteren Versuch zu starten. Falls es klappt, kann so ein Album erneut angeschoben werden und diese Single eventuell auf das Album gekoppelt werden. Kurzum: Alben spielen eine Rolle, können im Dance aber niemals einen Hit ersetzen. Die Clubperformance und die Vivarotation bleiben das A und O beim Dance.

mw: Wie hat sich Urban auf die veränderte Marktsituation eingestellt?

Temur: In der Tat sind wir mit großen upfront Investments vorsichtiger geworden. Clubpromotion wird von unseren eigenen Promotern erledigt und für Videodrehs werden vorab Rotationsgarantien eingeholt. Bis dato hat das nicht geschadet, was die Performance von Urban-Titeln in den Dance-Charts zeigt. Und Videos zu drehen, die garantiert nicht gezeigt werden, ist auch nicht wirklich im Interesse der Künstler, denn die zahlen ja heftig mit. Bis heute glauben wir an den Bereich Dance, denn was häufig vergessen wird, ist dass ein Großteil des Income gerade in diesem Bereich durch Lizenzeinnahmen im Compilation-Bereich generiert wird. Wir sind dabei, unsere Internationale Exploitation umzustellen, so dass wir unseren Künstlern zukünftig auch eine bessere Auslandsauswertung anbieten können. Denn gerade im Ausland ist deutscher Dance nach wie vor stark und liefert meist einmal pro Jahr einen großen Hit in UK wie Tomcraft oder gar in den USA wie kürzlich DJ Sammy.

mw: Laut IFPI-Zahlen sinkt der Marktanteil von Dance-Musik beständig. Haben HipHop/R&B und jetzt verstärkt Reggae/Dancehall die führende Position als Jugendkultur eingenommen?

Temur: Es ist korrekt, dass der Dance-Markt stetig sinkt. Das liegt aber nicht am Repertoire, sondern daran, dass Dance stark Singles-driven ist und hier die Stückzahlen in den Keller gehen. Das hat eindeutig mit Brennerei und Downloads zu tun. Zwei Themen, die beide in den nächsten ein bis zwei Jahren gelöst werden. Das erste mit der Urheberrechtsnovelle und das zweite durch massive legale Downloadangebote wie beispielsweise den I-Tune. Urban engagiert sich weiter für das Segment, weil dort auch große Chancen liegen. Denn erstens stellt Dance noch immer den Großteil des deutschen Compilation-Repertoires und hat jedes Jahr massive Hits vorzuweisen. Zweitens ist Dance international auswertbar und drittens ziehen sich immer mehr Mitbewerber aus diesem Segment zurück, so dass auch die Initialkosten im Dance wie beispielweise Vorschüsse sich früher oder später den Marktgegebenheiten anpassen werden. Aus unserer Sicht ist Dance auf keinen Fall ein Undergroundthema. Man könnte den Bereich höchstens den Indie-Labels überlassen oder aber, wie wir es bei Urban versuchen, von den Indies lernen und wie Indies agieren.