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Universal verkauft Presswerke in Deutschland und USA

Universal Music trennt sich von seinem Herstellungs- und Distributionsarm. Der US-Datentransferdienstleister Glenayre übernimmt für 122 Mio. Dollar die US-Presswerke und -Auslieferungszentren sowie die europäische Niederlassung von Universal Manufacturing & Logistics in Hannover. Entlassungen soll es keine geben.

Die Universal Music Group (UMG) trennt sich von ihrem Herstellungs- und Distributionsarm. Das US-Unternehmen Glenayre Technologies, das sich bei Kabelnetz- und Mobilfunkbetreibern einen Namen als Dienstleister für Datentransferlösungen gemacht hat, übernimmt für insgesamt 122 Mio. Dollar alle nordamerikanischen Presswerke und Auslieferungszentren sowie die europäische Niederlassung von Universal Manufacturing & Logistics (UML) in Hannover-Langenhagen.

Hinter der Übernahme steckt federführend James Caparro, derzeit President & CEO bei Atari, jedoch alles andere als ein Unbekannter in der Musikbranche: Bis Ende 2003 fungierte der Vertriebsexperte als Chairman & CEO von WEA, dem Handelsmarketing- und Vertriebsarm der Warner Music Group. Davor war er zwischen 1998 und 2001 Chairman & CEO der UMG-Repertoiredivision Island Def Jam Music Group. Caparros Firma Entertainment Distribution Company (EDC) wollte die Vertriebs- und Herstellungszentren von Universal bereits vor knapp einem Jahr übernehmen, doch der Deal platzte in letzter Minute.

Davor war EDC auch am Kauf der Warner-Presswerke interessiert, zog jedoch gegen Cinram den Kürzeren. Zusammen mit Glenayre und einer Finanzspritze der Wachovia Bank soll der Besitzerwechsel nun bis Ende Mai abgeschlossen sein. Die EDC wird dann ein Teil von Glenayre, Clarke H. Bailey, Chairman & CEO der Firma mit Sitz in Duluth bei Atlanta, wird vorübergehend auch als CEO von EDC fungieren. Zudem soll sich Thomas Constabile als Executive Vice President & COO um das Tagesgeschäft bei EDC kümmern. Er war früher als President von WEA Manufacturing ein Kollege Caparros und davor zehn Jahre lang bei Sony Music für Herstellung und Vertrieb zuständig. Auch Caparro wird dem Vorstand der EDC angehören, er behält jedoch seinen Posten bei Atari.

Das Kronjuwel der Übernahme ist die deutsche UML-Niederlassung in Hannover-Langenhagen, die für die UMG der zentrale Logistikstandort in Europa ist. Die Presswerke produzieren einen Tagesausstoß von rund 750.000 Kopien und liefern CDs und DVDs an bis zu 80 Länder. Zudem kauft EDC das Presswerk in Grover, North Carolina sowie die Auslieferungszentren in Fishers, Indiana, Wilkes-Barre, Pennsylvania und in Reno, Nevada. Bei Vertragsabschluss zahlt Glenayre dafür rund 81,8 Mio. Dollar an die UMG, wobei der Standort in Hannover mit etwa 47,3 Mio. Dollar (knapp 37 Mio. Euro) in der Rechnung geführt wird.

Zusätzlich garantiert Glenayre der UMG eine festgelegte Summe an Rabatten. Da die EDC auch in Zukunft mindestens 80 Prozent aller Universal-CDs und -DVDs herstellen und ausliefern wird, erfolgt ein Teil der Bezahlung in gestaffelten Preisnachlässen, die noch bis Ende 2014 verbucht werden. Insgesamt belaufen sich diese Rabatte auf über 40 Mio. Dollar, fast die Hälfte davon – also knapp 15 Mio. Euro – wird in Europa wirksam.

Darüber hinaus kann sich die EDC auch noch Hoffnungen auf weitere Aufträge der UMG machen. Wenn in den kommenden drei Jahren die Verträge der UMG mit anderen Dienstleistern auslaufen, soll EDC zum Zuge kommen. Doch EDC will nicht nur für Universal arbeiten. Caparro will das Unternehmen zügig zu einem der größten Hersteller und Distributoren im Entertainmentbereich machen. Vor allem außerhalb der USA will er sich auf Kundenfang begeben. Entlassungen sind demnach weder in Hannover noch in den USA zu befürchten, hieß es.

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