Die CD hat laut Joachim Kirschstein gerade im direkten Vergleich zu anderen Entertainmentprodukten an Wertigkeit für die Konsumenten verloren: „Wenn man sich anguckt, was so ein Game an Dimensionen hat: Musik, Animation, bewegte Bilder. Da empfinden die Leute ein anderes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die CD gilt hingegen als old-fashioned – vor allem in dem Moment, wenn man sich die zu Hause mal locker wegbrennen kann in dem Tempo, wie es heute geschieht.“ Im Wettbewerb um das Medienbudget der angepeilten Zielgruppen komme es jetzt darauf an, die Angebote der Tonträgerindustrie hochwertiger und attraktiver zu gestalten. „Wir brauchen neue technische Innovationen und mehr Leistung in den Produkten, sowohl inhaltlich als auch in der Ausstattung“, bekräftigt Kirschstein. Die DVD biete das Potenzial, ganz neue und multidimensionale Marketingprodukte zu entwickeln: „Wir haben mit der DVD einen extrem boomenden und attraktiven Träger – da brauchen wir die Marketingprodukte, da sind die Wachstumsmärkte, da müssen wir jetzt rein“, fordert der UMG-Chef.
Nach der bereits erfolgreich gestarteten Programmumstellung stehe nun die Offensive in die neuen Trägerformate an. Dabei bedürfe es des Mutes, „neue Produkte zu denken“. So sei etwa im Compilationbereich die Eins-zu-eins-Übertragung bekannter Konzepte auf die neuen Träger keine Lösung. „Einfach nur auf DVD Videos zu zeigen, die sowieso auf Viva laufen, das braucht ja nun kein Mensch, warum soll man dafür 25 oder 30 Euro ausgeben?“ Es gelte, eigenständige Konzepte zu entwickeln, „die aus sich heraus ein Leben entwickeln. Das müssen wir für die,Bravo Hits‘ erst schaffen, da sind wir dran“, so Kirschstein. Auch bei der Katalogverwertung im One-Artist-Bereich und auf dem Gebiet der Special-Interest-Themen werde die UMG den Formatwechsel vorantreiben. Nach 15 nationalen DVD-Produktionen im Jahr 2002 plant die UMG, in diesem Jahr rund 80 Titel auf den Markt zu bringen. Bis dato 60.000 verkaufte DVD-Exemplare der „Definitive Collection“ von Abba zeigen laut Kirschstein, was in diesem Markt künftig möglich ist. „Noch in diesem Jahr werden wir einzelne Produkte deutlich sechsstellig verkaufen“, prophezeit der UMG-Geschäftsführer. Auch die SACD biete hervorragende Zukunftschancen. Das habe sich bei den Wiederveröffentlichungen der frühen Alben der Rolling Stones gezeigt, die laut Kirschstein auf SACD eine doppelt so hohe Abverkaufquote erreichten wie die CD-Versionen.
Gerade in der „Joschka-Fischer-Generation“ sei die SACD ein großes Thema, „weil wir damit wieder einen Premiumträger haben, den wir jetzt als Regelformat einführen“. Die finanziell besser gestellte Zielgruppe der 35- bis 60-Jährigen zähle schließlich zu den Hauptkäufern der neuen Surround-Anlagen. Für diese Altersgruppen „Genres im Stil unserer Zeit neu zu inszenieren und in neuen Formaten neu erlebbar zu machen“ – das sieht Kirschstein als spannenden Schwerpunkt der Katalogvermarktung der nicht aktiven Künstler an, die neuerdings bei Polystar angesiedelt ist. Das riesige Universal-Back-Programm bietet aus Kirschsteins Sicht ein enormes Reservoir für „neue Emotionalisierung und Inszenierung“ von Themen – „denken wir an R&B und Soul – was wir da an Originalen vorrätig haben. Oder an die Liedermacher-Szene angesichts der wieder auferstandenen Friedensbewegung.“ In einer Zeit, in der das klassische Compilationgeschäft an Potenzial verliere, komme es darauf an, „mit der vorhandenen Expertise auch die zum Teil noch ungenutzten Ressourcen im Universal-Back-Repertoire zu aktivieren“, betont der UMG-Chef.






